Die Bayerischen Staatsforsten starten das Projekt "Der Wald blüht auf". Thorsten Hugel hat jetzt die ersten Bienenvölker aufgestellt.
Die Aussichten, dass der Kronacher Imker Thorsten Hugel in diesem Jahr sortenreinen Tannenhonig ernten wird, sind äußerst gut. "Tannenhonig gibt es nicht jedes Jahr, denn dazu braucht man Honigtau", erklärt der begeisterte Imker. Er hat zwei Bienenvölker im Staatswald, oberhalb des Wallenfelser Flößerhauses aufgestellt - inmitten des silbrig glänzenden Tannenwaldes. Und dort gibt es viele Läuse, die den süßen Honigtau produzieren. Die Bienen brauchen ihn nur einzusammeln und dann in den würzig-dunklen Tannenhonig, der bei den Verbrauchern sehr beliebt ist, zu verwandeln.
20 Imker
Thorsten Hugel vom Imkerverein Kronach ist allerdings nicht der einzige Imker, den es in den Wald zieht. "Wir haben inzwischen 20 Imker, die unentgeltliche Stellplätze mit ihren Bienen im Staatswald nutzen", erklärt der Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten Fritz Maier. Die Erlaubnis, Bienenvölker im Wald aufstellen zu dürfen, ist nur ein kleiner Mosaikstein. "Wir möchten mit dem Projekt ,Der Wald blüht auf‘ mithelfen, neuen Lebensraum für Honig und Wildbienenarten zu schaffen. Und wir möchten Nahrungsgrundlagen sichern", sagt Fritz Maier. In der Praxis ist dies nicht so einfach. Während die Honigbienen zwei bis drei Kilometer fliegen, um Nektar zu sammeln, benötigen die Wildbienen Nahrung in nächster Umgebung. Denn sie fliegen nur 200 bis 300 Meter weit.
550 Wildbienenarten
Derzeit gibt es rund 550 Wildbienenarten in Deutschland. Die meisten sind Solitärbienen, die einzeln leben und in Brutröhren, im Boden oder im Holz nisten. "Etwa die Hälfte der deutschen Wildbienenarten steht auf der Liste der gefährdeten Arten. Für sie ist eine enge Verzahnung von Blühflächen oder blühenden Waldinnenrändern und offenen Sandflächen, Rohbodenstandorten oder schütter bewachsenen Böschungen besonders hilfreich", so Maier. Und genau solche Flächen sollen in den Wäldern erhalten werden oder angelegt werden. "Wir bringen standortangepasstes Saatgut auf Freiflächen im Wald aus und schaffen damit blühende Oasen als Nahrungs- und Rückzugsräume", beschreibt Maier das Konzept. Die Staatsregierung hat Fördergelder in Millionenhöhe bereitgestellt. Allein in diesem Jahr sollen in rund 300 Revieren solche Blühflächen geschaffen werden. Außerdem bleiben die blühenden Streifen an den Rändern der Forstwege stehen, so dass Honig- und Wildbienen hier auch Nahrung finden können, wenn die landwirtschaftlich genutzten Flächen bereits abgemäht sind.
Unterschiedliche Honigsorten
Thorsten Hugel freut sich über das Projekt der Bayerischen Staatsforsten. Er hat nicht nur im Wallenfelser Wald Bienenvölker, sondern weitere Standorte in Burgkunstadt, in Kronach, in Gehülz. Und jeder Standort liefert eigene Honigsorten. Thorsten Hugel hat sich auf die Produktion möglichst reiner Sortenhonige spezialisiert. Er lässt seine Honigsorten untersuchen und analysieren.
Mit einer Bienenstockwaage überwacht der Hobbyimker seine Bienenstöcke. Täglich kontrolliert Thorsten Hugel, wie viel Honig eingetragen wurde und wie das Aufkommen ist. Und durch ein Alarmierungssystem könnte der Imker auch sehen, ob sich jemand an seinen Völkern zu schaffen macht. Unterstützt wird Thorsten Hugel, der derzeit rund 25 Völker betreut, von seinem Sohn Leon (11) und seiner Frau Susanne. Die ganze Familie hofft, dass die Bienen jetzt fleißig Honigtau eintragen. Die Frühtracht-Honigernte ist bei Familie Hugel bereits abgeschlossen. "Aber so besonders war die Ernte nicht. Es war lange kalt, die Völker haben sich spät entwickelt. Dann ist es schlagartig sehr warm geworden, aber die Völker waren noch nicht stark genug, um richtig Honig zu machen", sagt Hugel und hofft auf ein weiter erfolgreiches Honigjahr mit einer guten Waldhonigausbeute.