Auch wenn auf den Flyern nicht mit ihm geworben wird, Uli Scherbel ist der Stargast der diesjährigen Faust-Festspielsaison. Der Rothenkirchener, der vor allem durch seine Musicalrollen bekannt ist, gibt in dieser Festspiel-Saison auf der Festung Rosenberg den Mephisto in Goethes Faust.

Und die Proben laufen bereits auf Hochtouren. Drei Mal, jeweils für eine ganze Woche war Uli Scherbel bereits in Kronach, um mit dem Ensemble zu proben. "Sehr intensiv", wie Intendant Daniel Leistner berichtet. "Uli hat unglaublich viel zu tun, er ist sehr begehrt, hat viele Anfragen und Aufträge. Er hat sich bewusst die Zeit für uns freigeschaufelt", freut sich Leistner. Ende Juni ist noch eine Proben-Woche mit dem Musicalstar geplant und dann natürlich auch nochmal kurz vor der Premiere am 9. Juli.

Scherbel kann sich gut bewegen

Die Arbeit mit Scherbel bezeichnet Leistner als "super". Es laufe "wie geschmiert" und Scherbel sei nicht nur professionell, sondern auch noch "ein wirklich netter Typ. Diese Kombination findet man nicht so oft", ist der Intendant beeindruckt.

Leistner gerät im Gespräch über die Zusammenarbeit regelrecht ins Schwärmen. "Wir passen super zusammen. Alle mögen ihn. Und er kann Schauspiel." Scherbels Musicaltätigkeit sei dabei von Vorteil, immerhin könne er sich durch die Tanzausbildung ganz anders bewegen als reine Schauspieler.

Und auch Uli Scherbel ist ganz begeistert von seinem diesjährigen Sommerengagement. Er fühle sich sehr wohl im Team. "Ich erkenne von der Arbeit her wirklich keinen Unterschied zwischen dem Faust-Festspiel-Ensemble und einem großen Opernhaus. Daniel Leistner probt sehr professionell", lobt er. Natürlich sei es etwas Besonderes für ihn, bei dem Freilichttheater in seiner Heimat mitzuwirken. Uli Scherbel freut sich, gerade in der Region seine Arbeit zeigen zu dürfen.

Wie der Darsteller mit dem Druck umgeht

Ob es ihn unter Druck setzt, dass ihn alle als das Highlight der diesjährigen Saison bezeichnen? "Mit Druck muss ich seit 20 Jahren umgehen", sagt Uli Scherbel und erklärt gleich, wie ihm das gelingt: ".Ich versuche einfach immer meine Hausaufgaben zu machen. Dazu gehört, dass ich mich intensiv auf die Rolle vorbereite."
Scherbel hofft, dass viele Besucher kommen, um sich die Faust-Festspiele anzuschauen. Genau wie Daniel Leistner. "Ich hoffe, dass Uli Scherbel dazu beiträgt, dass die Kronacher ihre Hemmschwelle überwinden - viele denken ja immer, dass Faust ganz schwere Kost ist -, dann werden sie sehen, dass er unterhaltsam und spannend ist", so Leistner.

Neben Faust werden heuer bei den Festspielen gleich zwei Komödien gespielt: "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist und "Der Florentinerhut" von Eugène Labiche. Leistner spricht beim diesjährigen Programm von einer großen, bunten Geburtstagsüberraschungstorte. Immerhin feiern die Festspiele heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Und in dieser Überraschungstorte sind diesmal "Faust" mit Uli Scherbel, und eben die beiden Komödien. "Ich bin jetzt schon sehr zufrieden", sagt Leistner, obwohl er noch keine Vorverkaufszahlen kennt. "Einfach weil es ein sehr gutes Programm ist und wir wirklich einen fröhlichen Sommer bieten."

Bunt und lustig

So wird "Der Florentinerhut" laut Leistner bunt und regelrecht "pompös". Eine lustige Situation folge der der anderen, verrät Leistner über das "flotte" Stück, bei dem Heidemarie Wellmann Regie führt. Mit dabei sind bei diesem Stück nicht nur die bekannten Gesichter des Ensembles, sondern auch alle Gästeschauspieler. Und zu diesen gehören heuer Jan Becker aus Berlin, der bekannt ist unter anderem aus der Fernsehserie "Die Rettungsflieger", und Andreas Mannkopff, die Stimme der Comic-Figur Garfield. Letzterer hat schon in den 90ern mal bei den Festspielen mitgewirkt.

Und "Der zerbrochene Krug" wird das zweite lustige Stück - "kurz und knackig", wie Leistner beschreibt.
Ob er aufgeregt ist wegen des 20. Geburtstages der Faust-Festspiele, wollen wir von Intendant Leistner wissen. "Wenn man mal 50 ist, sind 20 Jahre ein Klacks", flachst er, der vor kurzem seinen 50. Geburtstag gefeiert hat.
Natürlich habe es in den 20 Jahren auch "schlimme Momente" gegeben, ist sich Leistner bewusst. Nicht zuletzt meint er damit den Einbruch der Zuschauerzahlen im Jahr 2012. Aber die Vergangenheit spielt für ihn keine Rolle. "Es sind jedes Jahr neue Abenteuer zu bestehen. Man hat das ganze Jahr über zu tun, da fällt das Negative gar nicht so ins Gewicht." Er spricht von einem ständigen Theatermachen, Kreativsein und erinnert sich insgesamt an "20 glückliche Jahre", in denen sich die Festspiele "völlig verändert" haben. "Die Leute wechseln, das Ensemble ist anders als zu Beginn. Die Technik hat sich verändert, die Tribüne", zählt er nur einige Dinge auf.
Heuer ist Uli Scherbel neu. Leistner würde sich wünschen, dass es bei dem einmaligen Engagment nicht bleibt: "Mit Uli Scherbel würde ich immer zusammenarbeiten". Und Scherbel selbst merkt man an, dass er auch nichts dagegen hätte, wenn es mit ihm und den Faust-Festspielen weiterginge. Aber er sagt ganz klar, dass er diese Entscheidung von der Resonanz der Zuschauer abhängig machen will.

Ab 9. Juli, wenn Faust Premiere hat, wird er die sehen. Und wer weiß, vielleicht findet man sein Bild beziehungsweise seinen Namen dann auch nächstes Jahr im Flyer.


Kommentar von Corinna Igler

Er ist nett, offen, lustig. "Ein wirklich netter Typ", wie Daniel Leistner sagt. "Ein Star zum Anfassen", würden vielleicht andere über Uli Scherbel sagen. Doch mit dem Anfassen ist es so eine Sache. Nicht etwa wegen Uli Scherbel, sondern wegen der Flyer für die diesjährige Faust-Festspielsaison.
Mit keinem Wort wird Uli Scherbel darin nämlich erwähnt, geschweige denn, dass er abgebildet wäre. Schade! Immerhin hat man sich doch so gefreut, dass es gelungen ist, dass der viel beschäftigte Musicalstar sich die Zeit frei schaufeln konnte und nun bei den Festspielen mitwirkt. Als Highlight, Stargast wurde er bezeichnet.
Und ausgerechnet der taucht dann nicht im Flyer auf? Dabei könnte man doch gerade mit einem solchen Star für die Festspiele werben.
Aber wir können Sie beruhigen: Auch wenn im Flyer nichts davon steht, Uli Scherbel ist dabei bei den Faust-Festspielen. Er hat es sich nicht kurzfristig anders überlegt. Er probt fleißig für seine Rolle als Mephisto und schließt ein Engagement über diese Saison hinaus trotz allem zumindest nicht aus. Ein Star ohne Allüren, halt doch einer "zum Anfassen"!