Werkleiter Jochen Löffler führte eingangs der Debatte an, dass es im Straßen- und Wegenetz der Stadt Kronach aktuell 38 Brücken oder vergleichbare Brückenbauwerke gebe. Zur Gewährleistung der Sicherheit dieser Ingenieurbauwerke würden in regelmäßigen Abständen Bauwerksprüfungen und Bauwerksüberwachungen vorgenommen. Bei den Bauwerksprüfungen würden die Bauwerke nach einem systematisierten Verfahren geprüft und festgestellte Schäden nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet. Die letzte Bauwerksprüfung habe 2016 stattgefunden, die nächste Brückenprüfung erfolge turnusgemäß im Jahr 2021.

Nach den letzten Prüfungen sind laut Werkleiter Löffler neben zahlreichen kleineren Sanierungsmaßnahmen insbesondere zwei größere Maßnahmen an den Brücken veranlasst worden: Zum einen sei in Gundelsdorf die Brücke über die Haßlach 2017 grundlegend saniert und zum anderen seien die Planungen zur Erneuerung der Spitalbrücke in Kronach wieder forciert worden. Für die Spitalbrücke solle ab Herbst 2021 ein Ersatzneubau realisiert werden.

Kurzfristige Maßnahmen nötig

Löffler ging auch auf etliche Brückenmaßnahmen ein, die in den vergangenen vier Jahren durchgeführt wurden. Aus vorangegangenen und noch anstehenden Prüfungen seien keine gravierenden Schäden oder Mängel zu erwarten. Gleichwohl aber seien an einer Vielzahl der Brücken Mängel vorhanden und kurzfristige Sanierungsmaßnahmen vonnöten.

Zwei Ausnahmen führte Löffler an: Zum einen sei die Fußgängerbrücke über die Haßlach in Gundelsdorf durch ein Hochwasserereignis im März 2020 irreparabel zerstört worden. Zum zweiten scheine in Fischbach die Brücke über den Fischbach zum Sportplatz nicht mehr dauerhaft standsicher zu sein.

Bei allen weiteren Brückenbauwerken stünden verkehrliche Einschränkungen infolge unzureichender Breite und/oder ungenügender Auflastung im Vordergrund.

Vorschläge der Stadtwerke

Im Haushalt 2021 stehen, unabhängig vom geplanten Ersatzneubau der Spitalbrücke, rund 600 000 Euro Eigenmittel sowie mögliche Zuschüsse und Fördergelder für Brückenmaßnahmen zur Verfügung. Die Stadtwerke schlugen folgende Brückensanierungen und -erneuerungen vor: Steg Kleienwehr, Brücke "Am Bürgerhaus"/Feuerwehrhaus über die Haßlach in Knellendorf, Brücke "Am Sägewerk" über die Rodach in Höfles, Brücke "Zum Sportplatz" über den Fischbach in Fischbach und Brücke "Zum Friedhof" in Fischbach. Die Entscheidung über den Brückenbau in Gundelsdorf wurde nach längerer Diskussion schließlich an den Stadtrat verwiesen.

Werkleiter Löffler informierte darüber, dass alternativ zum Ersatzneubau der zerstörten Fußgängerbrücke über die Haßlach in Gundelsdorf etwa 100 Meter flussabwärts eine neue Brücke kombiniert für motorisierten Verkehr und Fußgänger/Radfahrer in Betracht kommen könnte. Mit einer solch neuen Brücke wäre eine deutliche Verbesserung der verkehrlichen Situation gewährleistet, was wiederum die Maßnahme förderfähig mache.

Löffler stellte hierzu folgenden Kostenrahmen nach erster Schätzung gegenüber: Ersatzneubau Fußgängerbrücke circa 250 000 Euro (100 Prozent durch die Stadt Kronach zu tragen); Neubau einer Straßenverkehrsbrücke, circa 1,16 Millionen Euro, wovon etwa 400 000 Euro als Eigenanteil bleiben. Die Stadtwerke plädierten jedoch wegen der deutlich schnelleren Realisierbarkeit und aufgrund der im Jahr 2017 erfolgten aufwendigen Sanierung der bestehenden Straßenverkehrsbrücke für den Ersatzneubau der Fußgängerbrücke, vorzugsweise in Aluminium oder Kunststoff und ohne Mittelpfeiler.

Ringen um die beste Lösung

Ralf Völkl sah jedoch in der Erneuerung der Straßenverkehrsbrücke "einen eigenen Charme". Aufgrund der Kurvengegebenheiten sei die Brücke gefährlich für Radfahrer und Fußgänger und nur einspurig befahrbar. "Wir sollten ernsthaft in Erwägung ziehen, diese Gefahrenstelle zu entschärfen", meinte Völkl, "und das Ganze für nur 150 000 Euro Mehrkosten." Dies sei seiner Meinung nach die wirtschaftlichere Lösung, zumal eine zweite Fußgängerbrücke auch Erhaltungskosten erfordere.

Markus Wich plädierte dafür, beide Varianten nochmals in einer Bürgerversammlung in Gundelsdorf vorzustellen, denn eine große Lösung scheine auch ihm nicht schlecht zu sein.

Dritter Bürgermeister Bernd Liebhardt nannte eine erneute Bürgerversammlung problematisch. Man könne die Bürger auch über Medien und sonstige Informationen für eine Entscheidung mitnehmen.

Michael Zwingmann plädierte dafür, den Bürgern die wirtschaftlichere Lösung darzulegen und sie vom Neubau der bestehenden Brücke zu überzeugen.

120 Unterschriften von Bürgern

Bürgermeisterin Angela Hofmann verwies auf die ihr kürzlich bei einer Bürgerversammlung in Gundelsdorf überreichte Liste mit 120 Unterschriften von Bürgern, die für eine Fußgängerbrücke plädierten. Dies habe Gewicht und dürfe nicht übersehen werden. Sie schlug vor, die Entscheidung darüber bei der nächsten Stadtratssitzung den Stadträten zu überlassen. Das Gremium erklärte sich einstimmig damit einverstanden.