Es gibt keine Angehörigen, die Kinder wohnen weiter weg oder man möchte einfach niemand mit der Grabpflege belasten. Dennoch wollen die meisten in ihrem Heimatort begraben werden. Der Wunsch nach einer anonymen Bestattung nimmt vielerorts zu - so auch in der Gemeinde Reichenbach. "Ich werde oft, auch von den Haßlachern, wegen anonymer Bestattungen angesprochen", erklärte Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) zu Beginn der Sitzung.

Nachdem das Gremium den Punkt schon einmal bei einer Gemeinderatssitzung behandelt und damals bereits grundsätzliches Einverständnis signalisiert hatte, wird man nun konkret. Das Gemeinschafts-Grabfeld soll in einer Ecklage des Friedhofs entstehen. "Im einen Eck sind es zehn Meter bis zum nächsten Grab, im anderen 6,5 Meter. Das Feld ist 5,5 Meter breit. Das dürfte ausreichen", meinte die Bürgermeisterin.
Diese hatte im Vorfeld mit Verantwortlichen des Friedhofswesens in Ludwigsstadt gesprochen, wo ebenfalls anonyme Bestattungen möglich sind - und zwar seit 1997. "Bis heute gab es auf dem dortigen drei auf vier Meter großen Feld 80 Urnenbestattungen. Die Liegefrist beträgt 20 Jahre. Allerdings hat man mir gesagt, dass man bereits nach zehn oder zwölf Jahren nichts mehr von den Urnen sieht", so Ritter weiter.

Für eine Beerdigung auf der grünen Wiese in Reichenbach wird es klare Richtlinien geben. "Ich denke, wir müssen für die Gestaltung keinen großen Aufwand betreiben. Man könnte das Feld vielleicht mit Buchs einzäunen und es müsste wohl auch etwas Humus auf das Feld", regte die Bürgermeisterin an. Sie bevorzuge eine schlichte Lösung ohne Grabsteine oder Platten.

Da Ritter selbst über einen - mit einem Kreuz und einer Rose verzierten - Grabstein einer verstorbenen Angehörigen verfügt, würde sie diesen für das Grabfeld unentgeltlich zur Verfügung stellen. Vorstellen könnte sie sich kleine Schildchen beispielsweise mit dem Namen sowie Geburts- und Sterbedatum.