Corona hat die Gastronomie und den Tourismus mit voller Wucht getroffen. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass gerade der Inlandstourismus mittelfristig von den geschlossenen Grenzen und dem gestiegenen Sicherheitsbewusstsein der Menschen profitieren kann. Ein Pfund, mit dem der Frankenwald dabei wuchert, ist das Wandern. Neben diesem Aushängeschild soll sich das Radeln weiter zu einem zweiten touristischen Standbein entwickeln und die Region für Aktivurlauber attraktiv machen.

Schlüssiges Konzept

Markus Franz, Geschäftsführer des Frankenwald Tourismus Service Centers, beugt sich in seinem Kronacher Büro über eine große Karte. Sein Finger wandert über das aufgefaltete Papier, das den Tisch fast komplett bedeckt. Es zeigt die Region Frankenwald. Vermerkt sind neben der Landkarte allerdings auch Einträge von Übernachtungsmöglichkeiten und vor allem Touren für Radler.

Vier Farben geben dabei einen Überblick, wie vielfältig das Angebot für Biker in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Hof schon jetzt ist. Es gibt Familien-Touren (maximal 20 Kilometer), Freizeit-Touren (höchstens 50 Kilometer), Fitness-Touren (bis 80 Kilometer) und Mountainbike-Strecken. Ein breites Spektrum, das weiter ausgebaut werden soll.

Die Frage nach dem Wegenetz

"Das Kernthema Wandern steht bei uns ganz groß auf der Fahne", erklärt Franz die Strategie des Frankenwald-Tourismus'. Im eigenen Leitfaden sei jedoch - neben dem inzwischen schon sehr gut gelungenen Etablieren der Wanderregion - als weiteres Handlungsfeld auch das Thema "Rad" verzeichnet. Franz spricht von einem mittelfristig angelegten Maßnahmenplan, der ähnlich angepackt werden könnte wie in den vergangenen Jahren das Konzept für das Wandern.

"Wir brauchen eine vernünftige Infrastruktur", gibt er eine Grundlage vor. Für die Wanderregion seien große Anstrengungen betrieben worden, um ein engmaschiges, stets gepflegtes und gut ausgeschildertes Wegenetz zu bieten. Während sich der Frankenwaldverein mit seinen Ortsgruppen hierbei als Partner große Verdienste erworben habe, lasse sich auf den Radwegebau eben viel schwerer Einfluss nehmen, weil hierfür andere Planungs- und Fördergrundlagen herrschten. Auch könne man nicht auf ein so dichtes Netzwerk an ehrenamtlichen "Wegepaten" zurückgreifen, die sich zum Beispiel um die regelmäßige Markierungskontrolle kümmern können.

Überörtliche Verbindungen gebe es für die Radler zwar, aber oft nur straßenbegleitend und somit für touristische Ansprüche eher ungeeignet. "Ist unser Radwegenetz so, dass es für das Touristische attraktiv ist?", stellt Franz selbstkritisch eine rhetorische Frage.

Radwegenetz

Ein spezielles Problem für den Kreis Kronach stelle dabei die Topografie dar. "Über die Hügel kommst du halt zum Teil nicht rüber - zumindest nicht auf Radwegen", sagt Franz. Wegen der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Höhen habe sich kaum ein Radwegenetz zwischen den Tälern in Ost-West-Richtung ausgebildet. Da bestehe noch Potenzial für Verbesserungen.

Gleiches gelte für die Gastgeber. Es müssten genügend fahrradfreundliche, zertifizierte Unterkünfte für diese spezielle Zielgruppe vorhanden sein, um groß in die Werbung fürs touristische Radeln einzusteigen. "Zum Vergleich: Wandergastgeber haben wir 50, für Radfahrer sind es etwa zehn." Daran müsse dann auch noch gearbeitet werden.

Fahrradbusse: Große Reichweite

Einen Pluspunkt sieht Franz hingegen im Netz der Fahrradbusse, das 420 Kilometer an Ausflugs- und Fahrradbus-Linien umfasst. Damit ist es Bayerns größtes, zusammenhängendes Fahrradbus-Netz. Und dank der Netztageskarten, bieten diese Busse auch eine günstige Möglichkeit, samt Drahtesel an die schönsten Flecken des Frankenwaldes zu kommen.

So zahlen Familien 14 Euro, Erwachsene sieben Euro und Kinder 3,50 Euro für die Bus-Tageskarte - der Transport des Rades ist dabei inklusive. Eine Saisonkarte für den Erwachsenen kostet 50 Euro (weitere Infos unter www.frankenwaldmobil.de oder der Servicenummer 09261/ 601516).

Insgesamt sieht Franz gute Entwicklungsmöglichkeiten für den Radtourismus in der Region. Das Interesse an der Aktivität in der Natur ist seiner Ansicht nach ungebrochen. Und durch die Coronakrise wurde es eher noch befeuert.

Hinzu kommt, dass der Boom bei den E-Bikes und deren rasante technische Entwicklung zusätzliche Zielgruppen für das touristische Radfahren erschlossen hat. Sogar nicht so sportlich ambitionierte Radler werden heutzutage Dank der E-Bikes nicht mehr vom hügeligen Profil des Frankenwaldes abgeschreckt.

Diese Potenziale möchte der Frankenwald Tourismus künftig noch stärker ausschöpfen - aber mit einem gezielten, strategischen Vorgehen und nicht übers Knie gebrochen. Dass es auf diese Weise funktionieren kann, ein Angebot zu fördern und schließlich dauerhaft zu etablieren, beweist die Wanderregion: Denn im Frankenwald hat sich das Wandern mittlerweile zum echten Renner entwickelt.

Fahrradfreundliche Unterkünfte im Frankenwald

Hier finden Radler fahrradfreundliche Bett & Bike-Unterkünfte im Frankenwald:

Issigau Schloss Issigau, Altes Schloss 3, Telefon 09293/7173, www.schloss-issigau.de

Kronach Hotel Garni Försterhof, Paul-Keller-Straße 3, Telefon 09261/962364, www.foersterhof-kronach.de

Kulmbach Hotel Ertl, Hardenbergstraße 3, Telefon 09221/974000, www.hotel-ertl.de - Hotel Kronprinz, Fischergasse 4+6, Telefon 09221/92180, www.kronprinz-kulmbach.de

Selbitz Spezialitäten-Gasthof Goldene Krone, Bahnhofstraße 18, Telefon 09280/235, www.krone-selbitz.de

Steinbach am Wald Ferienwohnungen Marion Herrmann, An der Wasserscheide 8, Telefon 09263/7482, www.fam-herrmann.com

Windheim Gasthof-Pension Löffler, Amselweg 1, Telefon 09268/454, www.pension-loeffler.de

Haig Landgasthof Detsch, Coburger Straße 9, Telefon 09261/62490, www.landgasthof-detsch-haig.de

Wirsberg Jugendherberge Wirsberg, Sessenreuther Straße 31, Telefon 09227/6432, www.jh-wirsberg.de

Übersicht Die Übersichtskarte "Radfahren im Frankenwald" ist kostenlos bei allen Touristinformationen erhältlich. Sie kann außerdem kostenlos beim Frankenwald Tourismus Service Center in Kronach angefordert werden (www.frankenwald-tourismus.de).