Sie sind weiß, rot, violett oder dezent grün. Mal eher schlicht gehalten oder reich verziert, mit Gold durchzogen und bestickt. Symbole wie Tauben, Fische, Ähren oder Flammen zieren sie: Die Paramente von Brigitte Gesell an der Kanzel und im Altarbereich in den evangelischen Gotteshäusern in Kronach und der weiteren Umgebung begleiten die Gläubigen durch das Kirchenjahr. Auch in der Synagoge nimmt die Strahlkraft der textilen Kosbarkeiten den Besucher sofort gefangen.

Seit zehn Jahren fertigt die Textildesignerin solche Paramente in Patchwork-Technik beispielsweise für die Christuskirche Kronach, für die Kapelle und das Abschiedszimmer des Lucas-Cranach-Hauses Kronach oder die evangelischen Kirchen in Schwürbitz beziehungsweise Hallerstein.

"Der Messner der Christuskirche, Wilfried Langbein, hat den Stein ins Rollen gebracht. Er hat an mich gedacht, als man vor zehn Jahren neue Paramente für das Gotteshaus anschaffen wollte", erzählte die Kronacherin bei der Ausstellungseröffnung am Samstag.

Drei Lagen

"Jedes der Paramente besteht aus drei Lagen: der sichtbaren Schauseite, einer Füllung und der einfarbigen Rückseite", erklärt die Künstlerin. Durch das Quilten (Absteppen) erhalte der Stoff eine reliefartige Struktur, die, abhängig von der Beleuchtung, eine unterschiedliche Wirkung erziele.

Nach dem Zusammennähen der Teilstücke werde die Schauseite manchmal zusätzlich durch Besticken oder Aufnähen von Applikationen verziert. "Die liturgischen Farben lassen einen breiten Spielraum für Farben zu", so Gesell weiter.

Violett stehe für sie für Besinnung und innere Einkehr, Weiß für Licht und Freude, Rot für Begeisterung und Liebe sowie Grün für Wachstum und Hoffnung. Da die Christuskirche farbneutral sei, passe alles rein. Das Parament für Pfingsten habe sie leuchtend rot gestaltet. In der Schwürbitzer Kirche habe man sich das gleiche Motiv gewünscht. Da diese aber in dunklen Farbtönen gehalten sei, habe sie gedecktere Rot- und Gelbtöne gewählt.

Symbolik

Auch die Symbolik - wie Fisch, Feuer, Taube oder Ähren - spiele eine große Rolle. In das Parament im Abschiedszimmer des Lucas-Cranach-Hauses habe sie beispielsweise einen Schmetterling eingequiltet. "Wenn ich heute diese Paramente zusammen sehe, wandere ich im Gedanken durchs Kirchenjahr", verrät sie.

Dekanin Dorothea Richter ging auf die Hintergründe der Paramente ein. Ursprünglich war deren Gestaltung für die evangelische Kirche verknüpft mit den Diakonissen-Häusern. Dort entstanden Ende des 19. Jahrhunderts die evangelischen Paramenten-Werkstätten, die jedoch nach einiger Zeit finanzielle Not erlitten.

Unikate

Da die Handarbeiten sehr teuer gewesen seien, hätten viele Pfarrer "von der Stange" gekauft. "Wir sind maßlos stolz, dass wir in der Christuskirche Unikate haben, die extra für uns per Hand angefertigt wurden", freute sich die Dekanin.

Die Ausstellung in der Synagoge läuft noch bis 14. Februar. Geöffnet ist sie Dienstag bis Freitag sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr und Samstag von 10 bis 13 Uhr.

Rahmenprogramm

Zum Rahmenprogramm gehören am Donnerstag, 5. Februar, um 19.30 Uhr ein Vortrag von Dekanin Dorothea Richter mit dem Titel "Zwischen Bilderverehrung und Bildersturm - Martin Luther und die Bilder", und am Samstag, 14. Februar, um 19.30 Uhr ein Konzert des Ensembles CantiCo "Frieden - Shalom" mit Werken von Bortnjanski, Gounod, Silcher, Schütz, Distler. Mitwirkende sind unter anderem Gisela Maria Paul (Sopran), Erika Kreuzer (Mezzosopran), Wilfried Paul (Bassbariton) und Christian Reissinger (Klavier).