Auf dem Wochenmarkt steht ein kleines weißes Häuschen. Der Mann darin ist mit Kunden im Gespräch vertieft. Heiße Brühen werden zum Probieren verteilt - Delikatess-, Fleisch-, Hühner- oder Gemüsebrühe. Aber die Brühen können mehr. Sie sind auch zum Würzen und Verfeinern verwendbar, einige lassen sich sogar zu Dips umfunktionieren. Jeder hat so eine Wela-Frau oder einen Wela-Mann schon einmal in Action erlebt, und zugegebenermaßen kommt fast immer ein bisschen Nostalgie auf, wenn man daran zurückdenkt.

Vor dem Ludwigsstädter Unternehmen stehen unzählige solcher kleiner weißer Markthäuschen mit der Aufschrift "Wela". Denn die Produkte, die das Ludwigsstädter Unternehmen herstellt, werden nur über Direktvertrieb an Endkunden verkauft, per Internet oder bei Besuchen in Ludwigsstadt im Unternehmen.

Das Vertriebskonzept bleibt
"Persönlich beraten, schmeckt immer am Besten", lautet das Motto des Unternehmens. Und deshalb stehen die Produkte auch nicht einfach so im Regal, sondern werden erklärt, mit Rezepten erläutert. "Dieses Vertriebskonzept ist historisch bedingt, aber wir wollen das auch so beibehalten. Da wird nichts geändert", sagt Geschäftsführer Wolfgang Vetter (43) klipp und klar.

"Wir haben einen eigenen kleinen Fuhrpark, den wir unseren Verkäufern zur Verfügung stellen, aber wir haben auch Verkäufer, die haben eigene Hänger und bekommen dann eben mehr Rabatt", erklärt er. Natürlich ist auch in Ludwigsstadt die Zeit nicht stehen geblieben. Derzeit wird der Webshop von Wela modernisiert und ausgebaut, so dass Kunden auch direkt beim Unternehmen bestellen können. Eine Datenbank, in der sich die Kunden dann Anregungen und Rezepte downloaden können, soll bis Ende des Jahres entstehen.

Und im vergangenen Jahr hat das Unternehmen viel in den Verkaufsladen am Standort Ludwigsstadt investiert. Denn schließlich entdecken Gruppenreisende über die Initiative "Kultur und Handwerk" verstärkt das Unternehmen. Rund 100 Busse kommen in Jahr zu Wela - und besichtigen das Traditionsunternehmen und den Laden.
Gemeinsam mit Klaus und Walter Siefke führt Wolfgang Vetter das Unternehmen. Und speziell die 110 Mitarbeiter (davon sieben Azubis) in Ludwigsstadt hat Vetter unter seinen Fittichen. "Wir haben uns jetzt schon wieder für den bekannten Striezelmarkt in Dresden beworben. Es ist gar nicht so einfach, da wieder mit dabei zu sein", sagt Rita Hofmann, zuständig für Kundenbetreuung und Marketing. Natürlich kann man bei solch bekannten Märkten nicht mit einem Wela-Häuschen aufkreuzen, sondern mietet ein Weihnachtsständchen an, das sich in den Gesamteindruck einfügt. Überhaupt beginnt jetzt für Wela die Hauptsaison. Denn Herbstzeit ist Suppenzeit. "Wir machen in den letzten Monaten des Jahres die Hälfte unseres Jahresumsatzes", freut sich der Geschäftsführer schon auf die starken Monate.

"Heute schätzen die Kunden mildere Qualität. Die Brühe muss leicht und bekömmlich sein. Übrigens auch im Frühjahr haben wir ein Hoch", sagt Vetter und betont, dass Brühen perfekt zum Wellness-Trend passen. Denn sie haben fast keine Kalorien, sind bekömmlich, können sogar im Rahmen von Fastenkuren getrunken werden.
Stark im Kommen sind in den vergangenen Jahren gekörnte Brühen. Die werden durch Trocknung hergestellt. Aber Rita Hofmann persönlich schwört auf die klassischen Brühen in Pastenform. Aus einem Glas Paste lassen sich 27 Liter Brühe herstellen, aus der gekörnten Brühe nur zwölf Liter. "Mein Lieblingsprodukt ist eigentlich unser Gemüsefein. Da gebe ich nur noch zu Gemüse dazu, fertig. Aber auch unsere Wela-Gold geht bei mir nie aus - und die Sauce Hollandaise Paste, die schmeckt richtig nach Butter", schwärmt Hofmann.

Der Geschäftsführer schwört auf die dunkle Bratensauce, die so vielseitig verwendbar ist - und auf die Mousse au chocolat. Aber auch der Schokoladentrunk schmeckt einfach lecker, erzählt Vetter und freut sich immer, wenn er für den vollmundigen Geschmack Komplimente bekommt. Denn als Lebensmitteltechnologe hat er federführend an der Entwicklung des Trunks mitgewirkt. "Manche Produkte sind in einer halben Stunde entwickelt, an anderen verbessert man über Jahre", kennt Vetter das Dilemma.

Tendenziell müssen die Suppen heute schnell zuzubereiten sein. "Während es früher kein Problem war, beispielsweise Linsen zwanzig Minuten zu kochen, soll heute alles in zwei Minuten fertig sein", kennt Vetter die Anliegen der Verbraucher.

Die klassischen Produkte
Brühen, Suppen und Würzungen sind die klassischen Produkte von Wela, Doch Wela kann noch mehr: In Uetersen werden Süßspeisen hergestellt: Puddings, Grützen, Vanillesaucen, Schokoladenpulver, Mousses und Getränkepulver. Und in Hamburg stellt Wela unter dem Namen Trognitz Feinkostkonserven her.
Wela verkauft seine Produkte nicht nur an Endverbraucher, sondern liefert seine würzenden Stoffe auch der Lebensmittelindustrie zu. "Wenn man Leberwurst ist, isst man auch Wela", sagt Vetter lachend und weiß, dass das die wenigsten Menschen wissen.
Außerdem nimmt das Unternehmen Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen wie Kantinen, Mensen, aber auch Krankenhäuser, Pflegeheime und andere Einrichtungen im Care-Bereich ins Visier. "Das ist ein Markt, den wir ausbauen wollen - ebenso wie den Export", sagt Vetter. Schon jetzt floriert das Geschäft in Ländern wie Kroatien, Tschechien oder in der Slowakei. Aber auch Polen ist stark im Kommen.