Es ging am Dienstagabend beim Besuch des bayerischen Staatsministers für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Ludwig Spaenle (CSU), im Bildungszentrum Wallenfels um die Bildungslandschaft im Landkreis Kronach, um das Bildungszentrum in Wallenfels, um Schülerbeförderung und um neue Ideen. Bei dem Besuch wurden bildungspolitische Anliegen vorgebracht, es kam aber auch der Humor nicht zu kurz. So stellte der Minister schon nach wenigen Minuten fest: "Nach Kronach zu kommen, heißt für mich lernen!" Was die neuen Ideen betrifft, so hoffen die Wallenfelser auf die Unterstützung aus München. Denn aus dem Areal des einstigen Schullehrschwimmbeckens soll ein "Indoorspielplatz" für alle Generationen geschaffen werden. Was mögliche Förderungen betrifft, betrete man mit dieser Idee völliges Neuland, so der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU).

Die Stadt solle zuerst das Konzept erstellen, so Spaenle. Er könne sich vorstellen, dass verschiedene Fördertöpfe aus FAG- und Sozialmitteln sowie aus der Landesstiftung fließen könnten. "Es müssen hier verschiedene Institutionen zusammengebracht werden!"

Eine klare Absage gab es bezüglich den Bestrebungen der SPD, im Norden des Landkreises eine Gemeinschaftsschule zu etablieren. "Wir holen doch keine Gemeinschaftsschule aus der Klamottenkiste!" Spaenle sprach sich für ein Festhalten am "differenzierten" Schulsystem aus. Die starken Schüler und auch die schwächeren würden entsprechend gefördert, die Mittelschulen hätten sich stark etabliert. 35 Prozent der Mittelschüler würden einen höheren Bildungsabschluss erreichen.

Bezüglich der Frage einer weiterführenden Schule im Norden - gestellt vom Unternehmer und Elternbeiratsvorsitzenden des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums, Nikolaus Wiegand, vertrat Spaenle die gleiche Auffassung wie die CSU-Kreistagsfraktion, nämlich zuerst die Schülerbeförderungszeiten im gesamten Landkreis zu verringern. Diesbezüglich wies CSU-Landratskandidat Klaus Löffler auf eine in Auftrag gegebene Studie hin. Die Zahlen sollen im Herbst vorgestellt werden. Er sprach von engen Gesprächen mit München und dem CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU). Nikolaus Wiegand hob die Bedeutung einer weiterführenden Schule im Norden für die Wirtschaft hervor. Wenn ein neuer Schulstandort geschaffen werden sollte, so Spaenle, dann müssen auch die Schülerströme sichergestellt sein.

Die Gründung einer Wirtschaftsschule in Pressig scheint den Worten des Ministers zufolge mehr als fraglich. Dieser sprach davon, dass es zurzeit keine staatlichen Neugründungen von Wirtschaftsschulen gebe. Den Wunsch hatte der Schulleiter der Berufsschule, Rudi Schirmer, geäußert.

Stefan Schütz sprach das acht- und neunjährige Gymnasium an. Hier teilte Spaenle Überlegungen dahingehend mit, unterschiedliche Lernzeiten an Gymnasien einzuführen. An der zweijährigen Oberstufe würde sich zwar nichts ändern, aber durchaus könne am Ende der Mittleren Reife eine zusätzliche Klasse eingeführt werden. Im Schuljahr 2017/2018 soll die Entscheidung fallen, die dann zum Beginn 2018/19 wirksam werden könnte. Spaenle stellte in diesem Zusammenhang klar, dass es jeder Schule ab diesen Zeitpunkt freigestellt sein soll, dieses Angebot aufzugreifen.


Spaenle: ein Lehrer, 14 Schüler

Nikolaus Wiegand sprach noch den Mangel an Lehrern in manchen Schulen an. Spaenle wies darauf hin, dass Bayern seit 1946 die höchste Zahl an Lehrkräfte beschäftige. Auf einen Lehrer kämen 14 Schüler. Er räumte aber auch ein, dass in manchen Fächern Lehrer gesucht werden.

Bei einem zuvor stattgefundenen Rundgang durch das Bildungszentrum besichtige Ludwig Spaenle den Kinderhort, die Stadtbücherei, die Außenstelle der Volksschule, die Kinderkrippe und -garten. Bürgermeister Korn erzählte, dass dieses Zentrum in den 60er Jahren als Schule für mehr als 600 Kinder geplant worden sei. Derzeit würden rund 80 Schüler unterrichtet. Die Stadt habe deshalb vor einigen Jahren aus der Schule ein Bildungszentrum gemacht. Von den rund 6,7 Millionen Euro Investitionskosten habe man 5,5 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten. Die Sanierung sei weitgehend abgeschlossen, bis auf die Turn- und Schwimmhalle. Insgesamt würden die Einrichtungen unter einem Dach gut angenommen, Eltern und Kinder sparen Zeit und Wege. Letztendlich hob Altbürgermeister Peter Hänel in humorvoller Weise auch die Bedeutung des Kultusministers hervor. Die letzte große Persönlichkeit sei Herbert Wehner Ende der 60er Jahre gewesen. "Jetzt Sie - dazwischen gab es nur solche wie einen Horst Seehofer!"