Stadtrat Tino Vetter von den Freien Wählern hatte es in der Sitzung vom Montag deutlich gemacht: Die Leute wollen auch am Sonntag ihr Auto waschen dürfen, selbst wenn sie von Montag bis Samstag Gelegenheit dazu hätten. Doch nur noch drei weitere Gremiumsmitglieder aus den Reihen der Freien Wähler schlossen sich bei der Abstimmung seiner Meinung an. Die große Mehrheit des Stadtrats lehnte den Antrag von Sabine Hain aus Kronach ab, die die Waschanlage in Fröschbrunn betreibt.

Entsprechend hoch schlugen in den sozialen Netzwerken die Wellen. Selten wurde in jüngster Zeit ein Thema kontroverser und hitziger diskutiert.

Eine große Benachteiligung

Fred Hain, der Mann von Sabine Hain, sah im Verbot eine riesige Benachteiligung, weil die Kunden, die sonntags in die Nachbarorte auswichen, auch werktags dorthin abwandern könnten. "In Johannisthal und Marktrodach darf man am Sonntag das Auto in die Waschanlage fahren, bei mir nicht", hatte er kein Verständnis für die ablehnende Haltung des Stadtrats. Ihm gehe es nur um die "normalen" Sonntage, nicht um Feiertage.

Wenn es eine generelle und bayernweite Regelung gäbe, hätte Fred Hain dagegen nichts einzuwenden. Im Verbot des Kronacher Stadtrats sah er eine Wettbewerbsverzerrung. "Stellen Sie sich vor, in Kronach müssten die Wirtschaften um fünf zumachen, außerhalb dürften sie länger aufhaben", wies er auf die Diskrepanz hin. "Die Leute bedrängen uns, auch am Sonntag zu öffnen", begründete er den Antrag an die Stadt. Außerdem gebe es wirklich Menschen, die nur am Wochenende Zeit hätten, das Auto zu waschen. Interessanterweise dürfte er an den verkaufsoffenen Sonntagen von 13 bis 18 Uhr die Waschanlage öffnen, doch das wüssten die Wenigsten.

Auch bei Marianne Eckstein von der Shell-Tankstelle, die sieben Tage rund um die Uhr geöffnet ist, haben schon Autofahrer nachgefragt, ob sie sonntags in die Autowaschanlage fahren können - und waren enttäuscht, als das abgelehnt werden musste. "In den umliegenden Gemeinden dürfen die Leute am Sonntag Autos waschen, in Kronach nicht. Das ist ein Witz!", kritisierte Marianne Eckstein.

Genauso wie Fred Hain erinnert sich auch Marianne Eckstein daran, dass der Kronacher Bürgermeister, der am Montagabend mit der Mehrheit für ein Verbot gestimmt habe, ihrem Anliegen in einem Vorgespräch gar nicht so negativ gegenübergestanden habe.


Stunden der Erholung

Die Befürchtung einiger Stadträte, dass auch Autowaschanlagen in Wohngebieten sonntags betrieben würden, zerstreuten Katharina Baumann von der Tankstelle am Kreuzberg und Christine Weiß von der Tankstelle in der Rodacher Straße.

Für Katharina Baumann sind die Stunden des Sonntagnachmittags die einzigen Stunden der Erholung in der ganzen Woche. "Wir haben die Tankstelle am Sonntagvormittag geöffnet, die Autowaschanlage dürften wir erst ab 13 Uhr betreiben. Deshalb nehme ich mir das Recht raus, am Sonntagnachmittag zu ruhen, weil ich sonst sieben Tage voll durcharbeiten würde", verdeutlichte sie. Ihre Waschanlage sei werktags von 7 bis 20.30 Uhr betriebsbereit. "Wenn einer da keine Zeit hat ...", meinte sie.


Probleme mit Nachbarn

Auch für Christine Weiß stellt sich die Frage der Sonntagsöffnung der Waschanlage nicht. "Wir würden da arg Schwierigkeiten mit den Nachbarn bekommen", befürchtete sie. Die beschwerten sich sowieso, dass es manchmal laut sei.

Weitab von der Wohnbebauung, in der Industriestraße, betreibt Georg Cerveny aus Emtmannsberg eine Autowaschstraße. Doch die würde er am Sonntag nicht öffnen, denn er sei schon von Montag bis Samstag dort im Einsatz. Einen Tag brauche er zum Durchschnaufen, meinte er.


Vier Kommunen lassen Autowäsche zu

In Marktrodach, Küps, Ludwigsstadt und Steinbach am Wald ist Autowaschen am Sonn- und Feiertag erlaubt.
Der Marktrodacher Gemeinderat hat dies vor Jahren in einer Sitzung beschlossen, wie Bürgermeister Norbert Gräbner auf Nachfrage erklärt. Betroffen sind eine Autowaschanlage an der Kreuzung der B 173/B 303 und eine Autowaschanlage im Gewerbegebiet Gries.
"Die Autowaschanlage an der Kreuzung ist eingehaust, die Möglichkeit zu tanken gibt es hier auch. Die Waschanlage im Gries liegt gegenüber eines produzierenden Betriebes im Gewerbegebiet. Beide Anlagen werden als nicht störende Einrichtungen angesehen, die nicht in der Nähe einer Kirche liegen", begründet er die damalige Entscheidung. Beschwerden habe es bis dato noch keine gegeben.
Genauso sieht das auch in Küps aus. Am 6. Juli 2006 hat das dortige Ratsgremium die Entscheidung gefällt. Seitdem dürfen an Sonn- und Feiertagen in den dortigen Waschanlagen Autos geputzt werden - jeweils in der Zeit von 13 bis 18 Uhr. "Vormittags haben wir es nicht zugelassen, weil da in der Regel Gottesdienste stattfinden", erklärt René Hohnhaus vom Bürgerbüro im Rathaus Küps, dass man bei der Entscheidung Rücksicht auf die Kirche genommen habe.
Auch einige Ausnahmen gibt es in Küps: Neujahr, Karfreitag, Ostersonn- und Ostermontag, am 1. Mai sowie am Pfingstsonn- und Pfingstmontag sind die Waschanlagen dort nicht in Betrieb. Ebenso am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag.



Kommentar von Corinna Igler

Sechs von sieben Tagen kann man in Kronach sein Auto waschen. Wenn man es in diesen sechs Tagen nicht schafft, muss es dann unbedingt am siebten sein? Reicht es vielleicht nicht auch noch am Tag darauf?
Die Diskussion, die sich gerade im sozialen Netzwerk Facebook aufgetan hat und insbesondere die Kritik an der Entscheidung des Kronacher Stadtrats, das Autowaschen am Sonntag nicht zuzulassen, ist nicht nachvollziehbar!

Autowaschen ist doch nichts Überlebenswichtiges. Dass beispielsweise Apotheken einen Notfalldienst am Sonntag gewährleisten, ist richtig. Auch dass Ärzte und Krankenhelfer, Polizisten und andere Rettungskräfte ihren Dienst verrichten, hat sicherlich seine Berechtigung. Aber der Betrieb von Autowaschanlagen?
Ja, man kann jetzt sagen, warum müssen dann Industriebetriebe im Schichtbetrieb und damit auch sonntags arbeiten? Warum müssen Gaststätten am Sonntag Schweinsbraten und Kloß servieren?

Ja diese Fragen kann man stellen. Allerdings muss man sich dann auch fragen, ob man mit Entscheidungen wie beispielsweise offenen Waschanlagen an Sonn- und Feiertagen oder verkaufsoffenen Sonn- und Feiertagen nicht diese Tür zur Sonntagsarbeit immer weiter öffnet. Soweit, bis es letztendlich keinen Tag mehr gibt, an dem man ruhen kann, wie es aber in den zehn Geboten festgeschrieben steht: "Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun [...]"