Es herrschte Volksfeststimmung, als am Montagabend der bayerische Heimat- und Finanzminister Markus Söder (CSU) in Neufang unter den Klängen der Neufanger Blasmusik in den Feststoudl einzog. Rund 500 Bürger begrüßten ihn mit Begeisterung. Die Kinder- und Volkstanzgruppe hatte eigens für den Besuch Tänze einstudiert. Und nicht nur Bürgermeister Gerhard Wunder, sondern auch die Bürger von Neufang waren stolz, dass neben dem Bayerischen Ministerpräsidenten und dem Bundespräsidenten jetzt auch noch der Heimatminister in ihrem Dorf weilte.

"Schön, dass Du da bist", freute sich der MDL Jürgen Baumgärtner (CSU). Und er schmeichelte: "Seitdem Du Heimatminister bist, bewegt sich etwas in Kronach." Aber damit nicht genug: "Ich hoffe, wir haben dich in weiteren Funktionen hier in Bayern", ließ Baumgärtner durchklingen, dass er sich Söder als künftigen Ministerpräsidenten wünscht.
Söder war es anzusehen, dass diese Worte gut bei ihm ankamen.

Die Sympathien hatte der Minister spätestens dann auf seiner Seite, als er sagte: "Wenn man die ganze Woche in München ist, dann ist es eine Freude, hier in Franken zu sein." Er gab sich als "Franz-Josef-Strauß-Fan" und als waschechter Franke aus, der seinen Kollegen in München manchmal die Stirn biete. Söder ging auf die Europapolitik ebenso ein wie auf den Länderfinanzausgleich und die Flüchtlingsthematik. Er sprach von gleichen Lebensbedingungen innerhalb Bayerns, von der Chance der Digitalisierung und des schnellen Internets für den ländlichen Raum. 95 Prozent der bayerischen Gemeinden seien in dem Förderprogramm zum Ausbau des schnellen Internets. "Europa ist stabil, weil Deutschland stabil ist. Und Deutschland ist stabil, weil Bayern stabil ist." Ungerecht empfindet Söder den Länderfinanzausgleich. Zwar habe der Freistaat einst 3,8 Milliarden Euro aus diesem "Topf" erhalten, mittlerweile wurden aber über 50 Milliarden Euro einbezahlt. Berlin biete der Bevölkerung Leistungen, wofür die Menschen in Bayern bezahlen. Das sei nicht gerecht.

Mehrmals bekam Söder während seiner Rede Applaus. So auch, als er die Flüchtlingsthematik ansprach. Den Menschen müsse geholfen werden. Es könne aber nicht sein, dass Einwanderer letztendlich mehr haben als eine heimische Bevölkerung, die ein ganzes Leben lang gearbeitet hat. Er sprach von der Herausforderung der kulturellen Integration. "Ein Sprachkurs alleine reicht nicht. Wer der Auffassung ist, dass unsere Werte nicht passen, der soll seine Werte leben, aber nicht in unserem Land."

Zwischendurch ließ Söder immer mal wieder seinen Humor aufblitzen. So machte er keinen Hehl daraus, dass er als vierfacher Familienvater seinen Beitrag zur demografischen Entwicklung geleistet habe. Zudem brach er eine Lanze für den CSU-Landratskandidaten Klaus Löffler. "Er ist ein Mann, der pragmatisch arbeitet, nah am Bürger ist und dazu noch die besten Drähte nach Bayreuth, München, Berlin und Brüssel hat." Der Minister war zudem davon überzeugt, dass sich mit der Verlegung der Finanzfachhochschule nach Kronach "das Gesicht des Landkreises verändern wird". Und er ließ keinen Zweifel daran, dass der Landkreis Kronach eine Zukunft hat. Zum einen, weil die Bayerische Staatsregierung die Kronacher nicht im Stich lasse, zum anderen aber auch weil in Kronach "fleißige und optimistische Menschen sind".


Podiumsdiskussion

Bei der anschließenden Podiumsrunde, an der Monika Kukowski, Benjamin Ferlau Eugen Bätz (Vorsitzender der Dorfgemeinschaft) und CSU-Ortsvorsitzender Rudolf Kotschenreuther teilnahmen, wurden Erwartungen und Wünsche an den möglichen Landrat Klaus Löffler herangetragen. Dabei ging es um unter anderem um die Schülerbeförderung. So wünschte sich Monika Kukowski, dass ihr Kind nach Kronach und zurück nicht mehr so lange unterwegs sein wird. Benjamin Ferlau sprach eine funktionierende Infrastruktur an. Rudolf Kotschenreuther appellierte an Klaus Löffler, sich mit den Unternehmern an einen Tisch zu setzen, um deren Bedürfnisse auszuloten. Eugen Bätz sprach die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die damit verbundenen Rahmenbedingungen an. Durchaus könne er sich vorstellen, dass dann mehr junge Menschen wieder den Weg zurück in die Heimat finden. Zudem wurde der Wunsch nach der Sicherstellung der medizinischen Versorgung geäußert.

Bezüglich der Schülerbeförderung wies Klaus Löffler auf eine derzeit in die Wege geleitete Studie hin. Demnach soll eine neue und der Situation angepasste Struktur geschaffen werden. Aber: "Der Landkreis ist kein Speckgürtel." Die Politik könne allein nichts bewegen, sie sei auf tüchtige und engagierte Mitbürger angewiesen, so Löffler.