"Genuss" - ein Wort, das einem förmlich auf der Zunge zergeht. Schließlich wusste schon Winston Churchill, dass man "dem Leib etwas Gutes bieten soll, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen." Aber wo gibt es die Leckerbissen in der Region? Der FT begibt sich auf eine kulinarische Rundreise durch den Kronacher Landkreis.

Norbert Heimbeck, Geschäftsführer des Vereins "Genussregion Oberfranken", kennt die Menschen, die für regionale, nachhaltige, saisonale und hochwertige Produkte stehen. Den Verein nennt er "ein Netzwerk der regionalen Wertschätzung". 350 Mitgliedsbetriebe sind es mittlerweile, die nach seinen Worten "großartige Arbeit leisten", und das "quer durch die gesamte Kulinarik".

Tolle Produkte und tolle Menschen seien es, die dahinterstehen. Dass Heimbeck für das brennt, was er tut, wird spätestens dann klar, als er die ganze Bandbreite der Angebote wie ein Uhrwerk abspult: "Gastronomie, Bäcker, Metzger, Brauer, Imker, Direktvermarkter, Jäger, Schäfer, Angler und Teichwirte." Vielleicht sei da sogar noch der eine oder andere außen vor geblieben, denn es gäbe ja ständig auch neue Angebote. "Welchen Grund sollte es also geben, argentinisches Rindfleisch zu verwenden, wenn unsere Landwirte Premiumfleisch produzieren?"

Er will die Menschen mit der Genuss-Idee begeistern, doch es gibt noch Luft nach oben: "Das Engagement ist unterschiedlich. Vieles hängt an den Innungs-Obermeistern und daran, wie sie zu unserer Idee stehen." Viel Rückhalt gebe es von den Kommunen. Das Empfehlungsmarketing laufe in eine gute Richtung, denn die Mitglieder sollen sich ja vor allem gegenseitig bewerben.

Dann spricht Heimbeck über die Mitglieder des Vereins "Genussregion Oberfranken." Das sei übrigens kein geschützter Begriff und bezeichne einerseits den Verein, andererseits eine ganze Region. "Wir haben zwei Arten: einmal die Förderer, die uns mit Geld und Ideen unterstützen, und auf der anderen Seite die, die zertifiziert sind und sich alle drei Jahre einem so genannten Auditverfahren unterziehen." Ein Auditverfahren bedeutet, dass jemand untersucht, ob Prozesse, Anforderungen und Richtlinien eingehalten werden. Heimbecks Wunsch für die Zukunft: "Wir wollen Kunden hinleiten zu einem Regionalbewusstsein auf dem Teller".

"Genussbotschafter," ein Stichwort und ein Beispiel, wie man dieses Thema leben und lieben kann. Kerstin Rentsch agiert im oberen Frankenwald und war eine der Ersten, die man 2014 ausgebildet hat. Sie definiert für uns den Begriff "Genussbotschafterin": "Das ist jemand, der den Gästen schöne Fleckle zeigt und Genuss für Leib und Seele vermittelt." Bei ihr gibt es Landschaft und Kultur ohne Genuss quasi gar nicht. "Es gibt immer eine Verbindung zwischen der Landschaft und der Kulinarik eines Landstriches." Kräuter und Pilze zum Beispiel, die geerntet werden und danach im Kochtopf landen.

Das ist die Botschaft der Genussregion

Sie geht auch auf die Kontrolle - gerade bei der Regionalität ein: "In der Genussregion ist das Wort oberfrankenweit geschützt. Es gibt eine Norm und wer sie nicht erfüllt, fliegt raus." Nur so könne man das Besondere hervorheben, bleibe nachhaltig und regional.

Einen Aufkleber mit "Genussregion Oberfranken" findet man auch am Eingang des Gasthofes Wasserschloss in Mitwitz. Hier dirigiert Küchenmeisterin Claudia Bethke das Team am Herd. Fragt man sie nach regionalen, saisonalen und nachhaltigen Produkten, dann guckt sie irritiert: "Wir haben schon immer so gearbeitet. Wir machen fast alles selbst - bis hin zur Marmelade für unsere Hotelgäste." Ihre Produkte erhält sie in der örtlichen Metzgerei, der Bäckerei oder beim Bauern. "Aber Supermärkte sind mittlerweile auch toll aufgestellt, was regionale und nachhaltige Produkte betrifft." Außerdem könne man hier im Landkreis auch auf zahlreiche Direktvermarkter zugreifen, ein weiterer Pluspunkt für eine ländliche Gegend.

Claudia Bethke betreibt den Gasthof zusammen mit ihrer Schwester Kerstin Bär. Mindestens ein Leitgericht muss auf der Karte stehen, bei dem alle Zutaten zu 100 Prozent aus der Region stammen. Im Hotel Wasserschloss erfüllen gleich sechs Gerichte diesen Anspruch. Damwild, Reh, Täubchen, Schweineroulade, Karpfen blau oder gebacken. Sie versichert, "bei uns wird ernährungsbewusst und auch vegan gekocht".

Ein hoher Standard gelte auch für die Metzgerei Kraus in Kronach, denn sie wurde ebenfalls zertifiziert. Ellen Kraus: "Wir achten sehr stark auf Regionalität, kaufen bei Bauern in der Umgebung und teilen das unseren Kunden auch mit." 95 Prozent der Wurst, die die Metzgerei im Angebot hat, sei selbst gemacht. "Wir kaufen nur ein paar Sorten dazu wie Mortadella oder Chambelle." Und sie achten darauf, dass zum Beispiel auch die Brötchen von einem Bäcker aus der Region kommen. "Man arbeitet eben zusammen."