Vom Marienplatz aus sind mehrere blanke Schaufenster zu sehen, ebenso in der Oberen Stadt. Etwa 35 gewerbliche Immobilien im Kronacher Innenstadtbereich stehen - zumindest teilweise - leer. Das hat eine Erhebung des Leerstandsmanagements der Stadtverwaltung ergeben. Aber ist die Lage bedrohlich? Und was kann man dagegen tun?

Die Situation genau im Blick
Georg Köstner von der Stadtverwaltung erhebt gewerbliche Leerstände in der Cranachstadt. Leerstandsmanagement nennt sich das. Etwa 35 verlassene Geschäfte stehen aktuell auf seiner Liste - allein im Kern der Innenstadt zwischen den zwei Flüssen. Die Zahl schwanke regelmäßig um eine Hand voll Läden mehr oder weniger, die betroffen sind, sagt Köstner.
Die aktuelle Zahl beurteilt er als ernst, aber "nicht so drastisch wie in manchen ländlicheren Kommunen im nördlichen Landkreis". Schön sind leere Schaufenster trotzdem nicht.

Um dem Ausdünnen der Innenstadt zu begegnen, agiert das Leerstandsmanagement der Stadtverwaltung als Bindeglied zwischen den Besitzern gewerblich nutzbarer Immobilien und Interessenten aus Handel und Wirtschaft. "Wenn sich potenzielle Mieter von Gewerberäumen bei uns melden, können wir meist rasch vermitteln", meint Köstner. Das Projekt sei gut angelaufen, Anfragen kämen bei der Stadtverwaltung regelmäßig rein. Als positives Vermittlungsbeispiel nennt er das alte Wachter-Anwesen: In dem früher leer stehenden Gebäude hat vor Kurzem ein Geschenkartikelladen eine neue Heimat gefunden.

Doch trotz einiger weiterer Erfolgserlebnisse sei klar: Man dürfe die Konkurrenz von Internet und Discount-Märkten außerhalb der Innenstadt nicht abtun. "Die Chance des Einzelhandels ist der besondere Service", betont Köstner. Preislich seien Online- und größere Anbieter oft im Vorteil. Außerdem brauche man "draußen auf der grünen Wiese" oder beim Kauf im Netz keinen Parkplatzmangel zu fürchten. Dass der in der Kronacher Innenstadt zuweilen herrscht, ist nichts Neues.

Starke Konkurrenz aus der umliegenden Region
Das Leerstandsmanagement ist ein Anfang. Trotzdem werde das Thema Ausdünnung der Innenstadt "nicht energisch genug verfolgt", findet der SPD-Fraktionschef im Kronacher Stadtrat, Sven Schuster: "Wir müssen zügig unsere Möglichkeiten ausloten, die Einkaufsstadt Kronach gezielt zu stärken und somit auch dem Leerstand entgegenzuwirken." Es gebe starke Konkurrenz in der näheren Umgebung - wie das Fritz-Einkaufszentrum in Kulmbach oder das Live-Center in Lichtenfels. Man müsse aktiv werden, um da mitzuhalten, sagt Schuster. CSU-Fraktionschef Jonas Geissler hat da konkrete Vorstellungen. Ein Kaufhaus wie H&M oder C&A sowie eine Filiale einer Fastfood-Kette müssten her. "Allerdings ist das eine Platzfrage. Die großen Kaufhausketten wollen stets eine sehr zentrale Lage und genügend Verkaufs- und Lagerfläche", weiß Geissler. Im Umfeld des Marienplatzes etwa seien solche Flächen nicht verfügbar.

Der Sozialdemokrat Schuster wünscht sich, dass Stadt, Immobilienbesitzer, Einzelhandel und mögliche Investoren näher zusammenrücken: "Hier muss gemeinsam klar definiert werden, was wir wollen und was finanziell möglich ist." Seit Jahren rede man etwa von einer Reaktivierung des Kühnlenzhofes, aber passiert sei bisher wenig. Hier müsse konkret geprüft werden, inwiefern eine Entwicklung möglich ist und wie die Stadt und staatliche Zuschüsse dies unterstützen könnten. Das wäre, so Schuster, ein Aufbruchsignal für die gesamte Innenstadt. Auch Geissler meint, der Dialog müsse intensiviert werden, man brauche einen runden Tisch von Politik und Handel. Dann könne man sich verständigen: zum Beispiel über einheitliche Öffnungszeiten am Wochenende ("ich weiß manchmal nicht, ob es sich Samstagnachmittag noch lohnt, in die Stadt zu fahren, um einzukaufen") und eine Verbesserung der Parksituation ("Ticket-Vergünstigungen für Leute, die in den Läden einkaufen").

Verändertes Einkaufsverhalten
Der Fraktionschef der Freien Wähler, Michael Zwingmann, meint, die Stadt sei gefordert, für gute Rahmenbedingungen im Einzelhandel zu sorgen. Dazu zähle eine entsprechende Gestaltung der Innenstadt, Veranstaltungen und die Unterstützung bei der Gewinnung "attraktiver Innenstadt-Einzelhandelsangebote", so Zwingmann. Um die Gewerbetreibenden zu stärken, sei unter Bürgermeister Beiergrößlein (FW) eigens eine Stabsstelle Wirtschaftsmanagement installiert worden. Die Freien Wähler stünden für eine konzeptionelle Weiterentwicklung Kronachs, meint Zwingmann. So sei auch die Erstellung eines ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept), das vor wenigen Wochen beschlossen wurde, nach Kräften unterstützt worden. In diesem sollen die Handlungsfelder einer zukünftigen Stadtentwicklung erarbeitet werden. "Hierbei wird die Innenstadtentwicklung mit Sicherheit eine zentrale Rolle einnehmen", meint Zwingmann.

ISEK
Begriff Mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) werden städtebauliche Entwicklungsziele dokumentiert und Zielsetzungen konkretisiert.

Vorbild Teuschnitz hat Erfahrung mit ISEK: Das Programm war Basis für das in Teuschnitz initiierte Stadtumbau-Management. Auch die Arnika-Akademie und das Projekt "Wohnen in der Heimat" hingen mit ISEK zusammen. Das Programm war Voraussetzung dafür, dass Fördermittel fließen. hst


Wie wird Kronach attraktiv?
200 Kommentare. Das ist das Ergebnis auf die Frage "Was bräuchte Kronach (noch), um für euch attraktiv zu sein?", die wir kürzlich auf unserer Facebook-Seite gestellt haben. Die Antworten reichen von "H&M oder Ikea" über "Diskothek", "Arbeits- und Ausbildungsplätze" bis hin zu "Alles! Da stimmt einiges nicht". Das zeigt, dass es Handlungsbedarf gibt. Und darüber wollen wir sprechen - in gemütlicher Runde bei einem Frühschoppen. Und zwar am Sonntag, 7. Dezember, ab 10 Uhr in der Rosenbergalm am Marienplatz.

Im Zentrum des Gesprächs wird die Frage stehen "Was braucht Kronach, um attraktiv zu sein?" Moderiert wird dieser Frühschoppen von Redaktionsleiterin Corinna Igler. Als Gesprächspartner stehen Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW), die drei Jugendvertreter der Stadt, Markus Oesterlein (CSU), Philipp Mahr (FW) und Sven Schuster (SPD), zur Verfügung. Um das Thema diskutieren und vielleicht etwas verändern zu können, sind auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, gefragt! Was meinen Sie? Was braucht es in Kronach: einen Autobahnanschluss? Mehr Freizeitmöglichkeiten oder einen Funpark? Oder steht und fällt alles mit den Ausbildungs- und Arbeitsplätzen? Diskutieren Sie mit uns - am 7. Dezember, ab 10 Uhr, in der Rosenbergalm. red