Dort, Anita Fröba zieht mit ihrer rechten Hand die Gardine beiseite. Von dort kam am vergangenen Freitag eine Mischung aus Wasser und Schlamm auf ihr Haus "zugeschossen". Sie zeigt auf den Hang direkt gegenüber ihres Hauses. Dazwischen liegt lediglich die Kreisstraße 9. "Das war eine Wucht". Sie senkt den Blick und hält inne: Es sei ihr alles viel zu viel, überall der Dreck, und ihr Garten, den sie liebt, ist ebenfalls ruiniert.

Dabei dachte sie noch vor kurzem, dass das Schlimmste überstanden sei. Denn am Pfingssonntag erwischte der erste Erdrutsch ihr Grundstück, der weit heftiger war als der vergangenen Freitag. So heftig, dass Anita Fröba mit ihren 78 Jahren nicht mehr konnte und ins Krankenhaus musste.

Und jetzt der zweite Erdrutsche. "Das war noch nie da!", sagt die zierliche Frau mit den grauen Locken, die seit 1957 in Buchbach wohnt. "Früher war das eine Wiese und es hat gehalten.
Der Bauer hat es jetzt aufgeackert und deshalb ist alles lose. Durch den Wolkenbruch wurde das abgetragen."

Ihr Nachbar Gregor Kaim, der am Freitag Glück, aber am Pfingstsonntag auch den Keller voller Wasser - oder besser gesagt - Schlamm hatte, sieht das ein bisschen anders. Er spricht von "einem Zusammentreffen unglücklicher Umstände", Vorwürfe will er niemandem machen. "Das ist höhere Gewalt". Diese Regenmassen könnten die Erdböden ja gar nicht mehr aufnehmen.

Tatsächlich wurden die Landwirte, respektive deren Äcker, kalt erwischt. In beiden war Kleegras angesät, das aber noch nicht aufgegangen war. Regen verkraften die Äcker natürlich, aber keine 130 Liter pro Quadratmeter. So viele waren es nämlich im zurückliegenden Monat im Gebiet rund um Steinbach. "Das ist deutlich über dem Schnitt. Es sind rund 80 Prozent mehr als üblich", sagt Meteorologe Dominik Jung.

Sechs Erdrutsche in vier Wochen

Unglückliche Umstände - ja, aber: Zwei Erdrutsche in Buchbach, vier in Steinbach und immer an den jeweils gleichen Stellen. Alles zwischen dem 7. und 31. Mai. Kein Zufall für Reinhard Sticker, Kommandant der Feuerwehr in Buchbach. Er ist selbst Landwirt. "Die angrenzenden Äcker sind durch den langen Regen mit Wasser gesättigt gewesen. Wenn dann Starkregen kommt, dann nimmt der Boden nichts mehr auf." Außerdem sei der Acker frisch angesät und der Bodenbewuchs noch nicht hoch genug, um die Wasserwellen zurückzuhalten. Dem Landwirt macht Sticker keinen Vorwurf. "Der Besitzer, der den Acker bewirtschaftet, hat oben eine große Rinne gezogen, dass es an der Seite abfließen konnte, aber das Wasser hat diese Gewalt." Seiner Ansicht nach müssten die betroffenen Äcker, oder zumindest Teile davon, dauerhaft als Grünland genutzt werden. Das heißt, kein Pflügen mehr und dadurch eine stabilere Oberfläche.

Ähnlich sieht es Steinbachs Zweiter Bürgermeister und Kommandant der Feuerwehr, Christian Schulz (CSU). "Wir haben mit den Besitzern vereinbart, dass sie die Äcker in Zukunft anders bestellen." Auch eine Querfuge sei denkbar.

Noch sei nichts endgültig abgemacht, aber "wir werden irgendwas unternehmen müssen." Das sagt Edwin Trebes, Besitzer des Ackers an der Windheimer Straße. Dort gingen im Mai vier Erdrutsche ab. Wobei nicht der Acker alleine schuld sei, auch die Wege links und rechts davon hätten die Wassermassen gebündelt. Thomas Fröba, Besitzer des Buchbacher Ackers, sieht ebenfalls keine Schuld bei sich. Er habe Kleegras angesät. Nur: "Die Regenfälle kamen zum ungünstigsten Zeitpunkt" - bevor die Saat aufgegangen war. Nichtsdestotrotz ist auch er gegenüber Gesprächen mit der Gemeinde aufgeschlossen: "So etwas darf nicht mehr passieren", sagt Fröba.

Richtig, bestätigt Landwirt Trebes, aber ein Restrisiko bleibe. Wollen sie den Status ihres Feldes als Acker behalten, damit sie beispielsweise Getreide anbauen können, müssen sie mindestens alle fünf Jahre Pflügen. Gesetz. "Wenn man es umbricht, dann ist die Gefahr, so wie heuer, dass der Hang runter kommt."

Bürgermeister Klaus Löffler (CSU) kann der Lage trotz allem noch etwas Positives abgewinnen: Die Situation habe mal wieder den großen Zusammenhalt von Bürgern, Feuerwehr, Gemeindemitarbeitern, Landratsamt und vielen mehr gezeigt. Denn eigentlich sei die Gemeinde nicht zuständig, ihr gehörten weder Äcker noch Straßen. Trotzdem habe sie sich eingebracht.

Landkreis in der Verantwortung

Das schätzt auch Ludwig Pötzinger, zuständig für den Kreisbauhof im Landratsamt, "ohne dass gegenseitig Kosten in Rechnung gestellt würden". Bemerkenswert findet er das vor allem, weil sich allein der Landkreis um die Straße kümmern müsste. Auch Pötzinger hofft auf eine Zusammenarbeit mit den Landwirten, damit die Hänge in Steinbach nicht mehr ins Rutschen geraten: "Da werden wir in Zusammenarbeit mit Klaus Löffler auf die Landwirte zugehen."

Anita Fröba bringt das indes wenig: Ihr Garten, ihr großes Hobby, ist zerstört. Den gesamten Schaden schätzt sie auf 10 000 Euro. Sie ist gegen Sturm Hagel, Feuer und Schäden durch Leitungswasser versichert. Nicht jedoch gegen Schlamm und Wasser. Darauf beruft sich Anita Fröbas Versicherung - und zahlt nicht.