Wenn am Dienstagmorgen über 2000 Schüler am Schulzentrum in das neue Schuljahr starten, werden in der Dreifachturnhalle noch über 120 Flüchtlinge untergebracht sein.
Landrat Oswald Marr (SPD) und die betreffenden Schulleiter haben sich daher am Donnerstagmorgen auf eine Art Notfallplan geeinigt, wie dennoch ein normaler Schulbetrieb sichergestellt werden kann.


Neue Unterkunft ab 15. Oktober

Zwar habe der Landkreis inzwischen eine neue Unterkunft für die Flüchtlinge gefunden. Da es sich dabei um ehemalige Werkshallen handele, müssen für die Unterbringung noch gewisse Umbauarbeiten stattfinden. Container für sanitäre Anlagen müssen beschafft, eine Essensausgabe eingerichtet werden. Wo sich die neue Unterkunft befindet will Marr noch nicht offiziell bekannt geben, da die Verträge noch nicht endgültig unterschrieben sind.
Zuletzt waren leer stehende Gebäude des ehemaligen Dreefs-Komplexes in Unterrodach im Gespräch - "unter anderem", wie Landratsamtssprecher Bernd Graf vergangene Woche sagte.
Maximal vier Wochen gelte es am Schulzentrum nun zu überbrücken, sagt Marr. Spätestens ab dem 15. Oktober sei die neue Unterkunft bezugsfertig.
Bis dahin, wird der Sportunterricht auf die drei anderen Schulen im Stadtgebiet verteilt. Genutzt werden können demnach die Turn- und Schwimmhalle der Maximilian-von-Welsch Realschule, sowie die Turnhallen des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums und der Berufsschule. Zudem stünden auch die Außenanlagen am Schulzentrum und die Halle der Turnerschaft Kronach zur Verfügung.
"Jeder verzichtet auf ein bisschen Sport, dann reicht's für alle", sagt Marr. Sichergestellt werde der Sportunterricht auf jeden Fall für Schüler der elften und zwölften Klassen, deren Sportnote für das Abitur zählt.
Derzeit wird die Mensa noch für die Essensausgabe an die Flüchtlinge genutzt. Ab kommendem Montag wird die Verpflegung in der Zweifachturnhalle stattfinden. Da in der ersten Schulwoche nur die Essensbestellungen der Schüler abgegeben werden, und noch kein Mittagessen erfolgt, bleibe also eine Woche Zeit, bis zum 21. September, um die Mensa wieder für den Schulbetrieb aufzuräumen und entsprechende Absperrungen zwischen Mehrzweckraum und dem restlichen Gebäude einzurichten.
Es werde, sagt Marr, in Absprache mit den betroffenen Schulleitern in der ersten Schulwoche ein Schreiben geben, das übersetzt in arabisch, englisch und afrikans den Flüchtlingen ausgehändigt wird. Darin werden sie aufgefordert, den Schulbereich möglichst dann zu meiden, wenn morgens die Schüler ankommen, sie werden gebeten, den Schulweg offen zu lassen und sich während der Pausen fernzuhalten.
Bei der Konferenz der Schulleiter mit dem Landrat waren auch die Elternbeiräte beteiligt. Ein Elternteil hätte schließlich noch gesagt, dass man genauso den Schülern eine gewisse Anstandsregelung an die Hand geben müsse.
Ein Schulleiter hat Marr erzählt, dass er auch in den Ferien einige Male am Schulzentrum gewesen sei und er während der Zeiten, in denen das Schulgebäude nicht abgesperrt war, kein einziges Mal jemanden unberechtigt im Schulgebäude angetroffen hätte.
Als Oswald Marr sich am Donnerstagvormittag ein Bild von der Flüchtlingsunterkunft am Schulzentrum machte, sei sofort einer der Flüchtlinge auf ihn zugekommen, habe ihn angestrahlt und "Grüß Gott" gesagt. Egal mit wem er bislang gesprochen habe, sagt Marr, ob mit den Helfern oder dem Sicherheitspersonal, das 24 Stunden vor Ort ist, bislang habe es kein einziges wirkliches Problem gegeben.
Und wenn sich alle in den kommenden Wochen einfach miteinander arrangieren, wird das auch so bleiben.


Zwei weitere Busse in Kronach angekommen

Zwei weitere Busse mit Flüchtlingen sind am Donnerstagmorgen am Schulzentrum in Kronach angekommen. Bei den Flüchtlingen handelt es sich um einen Bruchteil derer, die am vergangenen Wochenende von Ungarn nach München eingereist sind. Laut Angaben der Regierung von Oberfranken sollen 98 Prozent dieser Flüchtlinge in den nächsten zwei bis drei Tagen auf andere Stellen in Deutschland verteilt werden, teilte Landrat Oswald Marr (SPD) in einem Pressegespräch mit. Ebenfalls am Donnerstag wurden 26 der bereits am Schulzentrum untergebrachten Flüchtlinge dauerhaft in das Jugendübernachtungshaus in Mitwitz gebracht. "Das verschafft uns wieder ein wenig Luft", sagt Marr.
Woher die Flüchtlinge kommen, ob aus den Balkanstaaten, Syrien oder Afrika sei momentan noch ungeklärt, da die Flüchtlinge nicht wie üblich bereits bei ihrer Ankunft in Deutschland mit Namen, Geburtsdatum, Foto und Herkunftsland registriert wurden. Das müssen nun die Helfer am Schulzentrum selbst erledigen, größtenteils "mit Händen und Füßen", so Marr.

Bereits in den vergangenen Tagen wurde das Kontingent des Landkreises auf 300 Flüchtlinge erhöht. Wieviele Flüchtlinge tatsächlich noch kommen werden, das wisse momentan keiner, sagt Marr. Das hängt letztlich von der Verteilung in Europa, in Deutschland und schließlich in Bayern ab. "Wir müssen in jedem Fall gewappnet sein", sagt Marr.

Das gilt auch für Ulrike Gareis, stellvertretende Leiterin des Jugendamtes, die für die Unterbringung der unbegleiteten Flüchtlinge zuständig ist.
Momentan leben insgesamt 35 unbegleitete Flüchtlinge im Kreis Kronach, sechs weitere sind in Einrichtungen außerhalb des Landkreises untergebracht.
Bisher lag die von der Regierung von Oberfranken festgelegte Anzahl neu aufzunehmender minderjähriger Flüchtlinge bei 53. Ende des Monats erfolgte eine neue Zuteilung, demnach könnten es bis zu 69 werden. Momentan versucht Gareis mögliche Unterkünfte zu finden. Die Zahlen könnten sich jederzeit noch ändern, allerdings, wie Marr sagt: "Nach unten sicher nicht."


So können Sie helfen:

"Ich würde gerne etwas für die Flüchtlinge tun. Wo kann ich mich denn hin wenden?" Erst am Donnerstag erreichte unsere Redaktion wieder ein solcher Anruf. Die Hilfsbereitschaft im Kreis ist groß. Doch wo und wie kann man denn überhaupt helfen?

Bei der Caritas in Kronach: Dort werden saubere Kleiderspenden entgegen genommen. "Allerdings fehlen uns im Moment noch größere Räume, wo wir die Sachen auch sortieren können", sagt Kreisgeschäftsführerin Cornelia Thron und bittet daher darum, die Kleiderspenden noch einige Tage zurückzuhalten, bis größere Räume gefunden sind.

Dringend benötigt man allerdings haltbare Lebensmittel. Obst, Gemüse, Reis, Nudeln, alle Lebensmittel, bei denen die Kühlkette nicht unterbrochen wird, können im Sozialladen der Caritas, in der Rosenau, abgegeben werden. Auch Kosmetika, wie Duschgel, werden benötigt. Ebenso nimmt die Caritas gerne Fahrzeuge, wie Fahrräder, entgegen, die dazu dienen, dass die Flüchtlinge mobil sind - "gerne auch für Kinder", so Thron.
Auch, wer einen Fahrdienst anbieten kann oder wer Deutschunterricht geben kann, kann sich mit der Caritas unter Telefon 09261/605620 in Verbindung setzen. Derartige Anfragen werden an den Arbeitskreis Asyl weitergeleitet.

Und ganz dringend werden ehrenamtliche Helfer zum Sortieren von Kleidung und Lebensmittel gesucht.
Helfen kann man außerdem auch, indem man sich an das BRK oder an die jeweilige Kirche oder Gemeindeverwaltung vor Ort wendet.