Wenn die Schulen geschlossen sind, müsste eigentlich auch ein Schulamtsdirektor jede Menge Freizeit haben. Doch das ist nicht so, verrät Uwe Dörfer. Vielmehr steht jetzt die Klassenbildung und Verteilung der Lehrer fürs nächste Jahr an. Aber trotzdem ist ein bisschen Privaturlaub drin.

Die großen Ferien haben begonnen. Was macht eigentlich ein Schulrat in den Ferien?
Uwe Dörfer:
Ein Schulrat hat keine Ferien, sondern Urlaub, ganz normal 30 Tage pro Jahr. Das heißt, er arbeitet auch in den Ferien.

Fahren Sie privat in Urlaub und wohin. Und wann geht es für Sie wieder los?
Ja, ich fahre zwei Wochen im August nach Südtirol zum Wandern auf den Spuren Reinhold Messners.

Was muss jetzt noch organisiert werden - über die Ferien?
Primär die Klassenbildung
für das kommende Schuljahr.

Wann beginnt die richtig heiße Phase?
Die haben wir das ganze Jahr über.

Was sind die dringendsten Herausforderungen im nächsten Schuljahr?
Das ist die Umsetzung des neuen Lehrplans in der Grundschule, aber auch die Inklusionsberatungsstelle am Schulamt.

Wie viele Lehrerstunden stehen denn für wie viele Schulen zur Verfügung?
Das klärt sich definitiv erst in der nächsten Woche. Wir haben 18 Schulen, einschließlich Montessori.

Wie viele Reserven gibt es - wie viele mobile Reserven, wie viele Förderlehrer?
Das weiß ich auch noch nicht so genau. Die Zahl der mobilen Reserven steht auch erst definitiv nächste Woche fest. Aber wir haben 25 Förderlehrer. Das ist schon klar.

Wie viele Schulpsychologen gibt es?
Eine - Martina Schönberger

Stehen Schulleiterwechsel an - und an welchen Schulen?
Ja, in Ludwigsstadt - dort wird Ulrike Schmidt die Leitung übernehmen - sowie in Johannisthal/Schmölz. Dort fällt die Entscheidung definitiv Mitte/Ende August.

Wie sieht es mit den Schülerzahlen in Kronach aus - stehen einige Schulen auf der Kippe?
Es steht keine Schule auf der Kippe. In der Grundschule bleibt jede Schule erhalten, wenn sie mindestens 26 Schüler aufweist. In der Mittelschule besteht jede Mittelschule so lange, wie sie mindestens eine Klasse bilden kann - dies garantiert der sogenannte "Verbund", der Zusammenschluss von mehreren Mittelschulen. Aktuell haben wir im kommenden Schuljahr 1934 Schüler in der Grundschule sowie 1197 Schüler in der Mittelschule einschließlich Montessori.

Alle Landkreise haben derzeit mit einer Flut von Asylbewerbern zu rechnen. Wie ist die Situation in Kronach? Gibt es spezielle Sprachförderprogramme oder Integrationsbeauftragte? Und an welchen Schulen?
Hier im Kronacher Raum sind es vereinzelt Schüler in verschiedenen Gemeinden wie beispielsweise in Kronach, Küps, Mitwitz, Teuschnitz oder Windheim, die meist nur einige Wochen bleiben. Die Schüler werden in die Klassen integriert und nach besten Kräften betreut, zum Beispiel durch den Förderlehrer. Eine exakte Planung im Vorfeld ist demzufolge nahezu unmöglich. In der Zukunft wird dies ein großes Problem für die Schulen werden. Aber Migrationsbeauftragte sind vorhanden und unterstützen die Schulen.

Wie sieht es mit den kleinen Schulen aus - was sind die Stärken?
Wir haben im Schulamtsbezirk viele kleine Grundschulen mit zum Teil sehr niedrigen Schülerzahlen. Das ist positiv. Demgegenüber stehen aber Schulen mit teilweise doppelt so hohen Schülerzahlen, die das Gesamtbudget des Schulamtsbezirkes mit tragen müssen. Die Höchstschülerzahl von 28 und auch die Mindestschülerzahl von 13 in der Grundschule sind Vorgaben des Kultusministeriums.

Immer öfters werden die Klassen 1 und 2 kombiniert. Wo ist das im Landkreis Kronach der Fall und wie sind die Erfahrungen damit?
In Küps, Johannisthal/Schmölz, Wilhelmsthal, Nordhalben und Teuschnitz. Die Erfahrungen sind durchaus positiv, da es keine homogenen Eingangsklassen gibt und wir die Heterogenität zu beachten haben. Schüler können zum Teil schon lesen und schreiben bei Schuleintritt, andere haben in der zweiten Klasse in Deutsch und Mathematik noch enorme Probleme. Dafür bietet sich die Kombiklasse geradezu an.

Wie ist die Entwicklung mit der flexiblen Grundschule?

Sehr vorteilhaft und positiv, auch aus Sicht der Universitäten München und Augsburg, welche den vierjährigen Modellversuch wissenschaftlich begleiteten. So wird vor allem die zunehmende Sozialkompetenz betont, aber auch die leichten Lernvorteile im kognitiven Bereich werden genannt. Die Flexible Grundschule ist die richtige Antwort auf die zunehmende Heterogenität in den Eingangsklassen der Grundschule. Darüber hinaus ist die Verweildauer von bis zu drei Jahren garantiert. Begabte Kinder haben aber auch die Möglichkeit, die Flexible Grundschule in nur einem Jahr zu durchlaufen.

Die Montessori-Schule fällt auch in Ihr Gebiet. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?
In der Montessori-Schule in Mitwitz hat die Schülerzahl in den letzten Jahren zugenommen. Aktuell sind es 219 in der Grund- und Mittelschule. Ob es ein Trend ist, mag ich nicht beurteilen. Nur so viel: Es werden dort keine Probearbeiten geschrieben wie an den staatlichen Grund- und Mittelschulen. Das bedeutet natürlich für die Schüler keinen Leistungsdruck. Die Schüler müssen aber später als Externe ihre Abschlüsse, wie Qualifizierender Mittelschulabschluss oder Mittlerer Schulabschluss, an einer staatlichen Mittelschule absolvieren.

Wenn Sie einen Traum von Schule hätten - wie würde der aussehen?
Die Flexible Grundschule in den Klassen 1 und 2 würde ich verbindlich für alle Schulen einführen. Weiterhin würde ich die gesamte Mittelschule als verbindliche gebundene Ganztagsschule von 5 bis 9 und im Bereich fünfte und sechste Jahrgangsstufe eine flexible Mittelschule mit einer möglichen Verweildauer von bis zu drei Jahren - wie die Flexible Grundschule in den Klassen 1 und 2 - einrichten.

Was würden Sie sich von der Schulpolitik wünschen?
Dass sie die Mittelschule bedingungslos unterstützt, da sie sich bestens bewährt hat, nicht zuletzt aufgrund der einmaligen Berufsorientierungsmaßnahmen und des Klassenlehrerprinzips. Das Schulsystem sollte erhalten bleiben, wie es ist; allerdings hat der Mittelschule die Einführung der sechsstufigen Realschule geschadet. Für die Inklusion müssen noch mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Für den nördlichen Landkreis wünsche ich mir eine Wirtschaftsschule, die bereits im Kultusministerium beantragt wurde.



Info: Im nächsten Teil unserer großen Interview-Serie kommt der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn zu Wort.