Manche Probleme lösen sich auf ihre ganz eigene Weise - zumindest kurzzeitig. "Der RB nach Saalfeld verspätet sich um ca. 5 Minuten", zeigt die Anzeigetafel des Kronacher Bahnhofs am Mittwoch in der Mittagszeit an. Der angenehme Nebeneffekt des Hinweises: Kein Schüler muss sich ärgern, die Regionalbahn, die in den Norden des Landkreises fährt, verpasst zu haben.

Das wäre aber wohl auch nicht der Fall gewesen, wenn der Zug wie vorgesehen pünktlich um 13.03 Uhr das Gleis erreicht hätte. "Am Mittwoch hatten wir eine interne Regelung für die Schüler, die mit dem Zug nach Küps oder Ludwigsstadt müssen. Die durften zehn Minuten vorher gehen", erklärt der Direktor des Frankenwald-Gymnasiums (FWG), Klaus Morsch.


Neun Minuten früher

Auch an der Maximilian-von-Welsch-Realschule (RS I) reagierte die Schulleitung auf die am Montagnachmittag per E-Mail verschickte Information des Landratamts, dass sich die Abfahrtzeit der Züge in Richtung Landkreis-Norden von 13.07 Uhr um vier Minuten nach vorne verschiebt. Der Zug nach Bamberg rollt laut des neuen Fahrplans seit dem 4. September sogar neun Minuten früher los und macht sich statt um 13.10 Uhr nun schon um 13.01 Uhr auf den Weg in die Weltkulturerbestadt. In der Realschule durften deshalb Schüler, die den Zug erreichen müssen, den Unterricht einige Minuten vor dem ersehnten Klingelton verlassen.


"Das ist alles schon was knapp"

Denn vor allem Schüler, die am Schulzentrum lernen, stehen wegen des neuen Fahrplans unter zusätzlichem Stress. "Die sechste Stunde endet um 12.40 Uhr", sagt RS-I-Schulleiterin Christa Bänisch. Es sei zwar möglich, den Bahnhof zu Fuß in 20 Minuten zu erreichen, doch "mit ein bisschen schneller gehen" sei es nicht getan. "Das ist alles schon was knapp. Die Schüler sollen ja auch sicher ankommen", merkt Morsch an.

Die Fünft- bis Siebtklässler seien daher auch von Begleitern zum Bahnhof gebracht worden. Doch warum fahren die Züge plötzlich früher los als noch im vergangenen Schuljahr? "Die zur zeitlichen Verkürzung des Schulwegs beitragende Vorverlegung der Abfahrt des ,Nord-Zuges' in Kronach hatte der Kreistag in öffentlicher Sitzung bereits am 4. April beschlossen", teilt Bernd Graf, der Pressesprecher des Landratamts, mit.


Expressbus-Lösung möglich

Bei dem Zug in Richtung Bamberg lag es hingegen an der Bahn. Von ihr habe es diese Vorgabe gegeben, weil ein Anschlusszug erreicht werden muss. "Die Uhrzeit war mit der Bahn daher auch nicht verhandelbar", erklärt Graf. Beim zuständigen Sachgebiet habe es bis Dienstagnachmittag wegen der neuen Zeiten aber keine Beschwerden gegeben. Was recht überraschend ist. Denn Morschs Aussagen lassen auf das Gegenteil schließen. Er habe sich gleich am Dienstag beim Landratsamt gemeldet und auch die Parteien informiert. "Wir sind mit dem Landratsamt in guten Gesprächen", beruhigt aber der Schulleiter des Frankenwald-Gymnasiums. "Man hat mir gesagt, dass man relativ schnell etwas machen kann."

Ein Dauerzustand solle es freilich nicht werden, dass Schüler die letzten Minuten des Unterrichts verpassen. Mittelfristig könnte einer der Stadtbusse, der die Schüler zum Bahnhof bringt, einige Minuten früher losfahren und auch ein bis zwei Haltestellen auslassen. Diese Expressbus-Lösung sei ihm vom Landratsamt bereits vorgeschlagen worden, erzählt Morsch. Eine andere Möglichkeit sind Busse, die direkt in den Norden sowie den Süden des Landkreises fahren. Das Problem: Mit diesen wären die Schüler 30 bis 40 Minuten länger unterwegs als in der Bahn.

Da der Fahrplan nur bis Dezember gilt, hofft Morsch darauf, dass dann nachverhandelt wird und die Änderungen rückgängig gemacht werden können: "Ich bin mir sicher, dass Lösungen gefunden werden und denke, dass wir schon einen Schritt weiter gekommen sind." Sein Wunsch ist es, dass sachlich und ohne zu große Emotionen diskutiert werde. "Es geht schließlich um das Wohl der Schüler", sagt Morsch.


An Stellschrauben drehen

Ähnlich sieht das der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Richard Rauh. Es handele sich um ein sensibles Thema und daher würde es einigen gut zu Gesicht stehen, zu versachlichen und Emotionen außen vor zu lassen. "Vielleicht sind die Schulen zu spät informiert worden. Das weiß ich nicht. Aber wenn, dann war es ein Kommunikationsproblem", sagt Rauh. "Wir machen ein Fass auf, an anderer Stelle dadurch aber vielleicht wieder zu." Als Beispiel nennt er etwa die Schüler, die in Kulmbach die Fachoberschule (FOS) erreichen müssen. Das gelte es eben auch immer zu berücksichtigen. "Wenn es Stellschrauben gibt, an denen gedreht werden kann, machen wir das natürlich", betont Rauh. "Aber dadurch dürfen wir nicht das Gleichgewicht verlieren."
Landrat Oswald Marr (SPD) wisse um die Bedeutung des Themas. Rau geht daher davon aus, dass Marr dazu noch eine Stellungnahme abgeben wird.

MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) fällt es dagegen schwer, die Problematik emotionslos zu betrachten. Seit zwei Jahren setzt sich der CSU-Kreisvorsitzende dafür ein, den Schulweg auf 45 bis 50 Minuten zu verkürzen. "Die Schülerbeförderung hat nicht funktioniert. Ich kann das nicht nachvollziehen", sagt er nahezu fassungslos. "Unser Ziel ist es, dass das so schnell wie möglich verbessert wird. Es kann doch nicht so schwierig sein, den Schulplan mit dem Fahrplan abzustimmen."

Nun sei eine Situation erreicht, durch die Schüler ihren Zug verpassen und notfalls über eine Stunde auf die nächste Verbindung warten müssen. Dabei habe die Politik durch den Kreistagsbeschluss bereits Fakten geschaffen. Nun müsse die Verwaltung diese aber in die Tat umsetzen. Sollten mehr Busse benötigt werden, müsse nun darauf zurückgegriffen werden. "Klar: Mehr Busse kosten auch mehr Geld. Aber der Kreistag hat beschlossen, mehr Geld bereitzustellen", betont Baumgärtner, der auch die Zusammenarbeit mit der Bahn infrage stellt: "Wenn sie es nicht mehr schafft, unsere Bedürfnisse zu erfüllen, dann müssen wir halt weg von der Bahn."


Eine kurze Erklärung

Eine schriftliche Anfrage des Fränkischen Tags beantwortete die Bahn kurz mit der Erklärung, dass die Abfahrtszeit auf Wunsch des Landkreises Kronach und in Abstimmung mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) geändert wurde. Für weitere Einzelheiten verwies die Bahn an das Landratsamt.

Dort wird nun offenbar eifrig an einer schnellen Lösung gearbeitet. Denn auf eine Verspätung der Züge zu hoffen, ist wohl keine Alternative.


Kommentar von Marian Hamacher: Irgendwann ist jetzt

Es wird Zeit. Bereits im April sorgte der Kreistag in Sachen Schülerbeförderung für klare Verhältnisse - nach zwei Jahren Diskussion. Doch nur wenige Monate später lodert der scheinbar gelöschte Dauerbrand wieder auf.
Zugegeben: Es ist ein komplexes Thema, mit dem sich die Verwaltung auseinandersetzen muss. Schließlich gilt es, nicht nur im Landkreis, sondern auch über dessen Grenzen hinaus, Anschlüsse zu erreichen. Doch auch auf eine komplexe Fragestellung muss irgendwann eine Antwort gefunden werden - und irgendwann ist in diesem Fall jetzt. Eine Verkürzung der Fahrzeit von wenigen Minuten darf nicht dazu führen, dass das Verkehrsmittel gar nicht erst erreicht wird und so eine Wartezeit von über einer Stunde entsteht.

Ganz oben auf der Agenda der Planer sollte daher stehen, die Fahrpläne an die Stundenpläne anzugleichen. Der finanzielle Aspekt darf dabei in einem gewissen Rahmen sogar gelassen betrachtet werden, hat der Kreistag doch finanzielle Mittel für den Einsatz von Bussen in Aussicht gestellt.

Das Problem wurde erkannt, eine mögliche Problemlösung beschlossen - doch an der Umsetzung hapert es. Dort muss nachjustiert werden. Es wird Zeit.