Als wütender Orkan wurde sie angekündigt, der mit rekordverdächtigen Geschwindigkeiten bis zu 180 Stundenkilometer über Deutschland fegt. Zumindest mancherorts in Bayern und Norddeutschland wurde Sabine den Vergleichen mit Jahrhundertsturm "Kyrill" gerecht. Im Kronacher Kreisgebiet blieb der befürchtete Wirbelsturm weitestgehend aus.

Abgedeckte Dächer und umgestürzte Bäume, die zeitweise die Straßen blockieren: So lautet - vorerst - Sabines Bilanz. "Bisher gab es 61 Feuerwehreinsätze bezüglich des Sturms, die bei der Leitstelle eingegangen sind", fasst der Pressesprecher des Landkreises Kronach, Bernd Graf, am Montagnachmittag die aktuelle Lage zusammen. Die Einsätze seien über den kompletten Landkreis verteilt gewesen. Zu Schaden gekommen ist laut den örtlichen Feuerwehren bisher niemand.

Behinderungen am frühen Morgen

Trotzdem kam es durch die umgeknickten Bäume - vor allem in den frühen Morgenstunden - vielerorts zu Behinderungen. "Etwa gegen 4 Uhr morgens ging es mit den Alarmierungen los", berichtet Kronachs Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger. Zwischen Buchbach und Rothenkirchen, am Ködelberg, zwischen Rappoltengrün und Tschirn, in Nurn Richtung Hubertushöhe und bei Neuengrün und Schlegelshaid stürzten unter anderem Bäume oder größere Äste auf die Fahrbahn.

Nachdem sich Sabine im Verlauf des Vormittags bereits ausgetobt zu haben schien, gingen um die Mittagszeit noch einmal eine Reihe von Alarmierungen in der Leitstelle ein. "Innerhalb von einer halben Stunde kamen dann noch mal fünf Einsätze im Bereich Pressig, Steinbach am Wald und Steinwiesen rein", erläutert der Kreisbrandrat.

Auf der Schauberger Straße bei Sattelgrund verfing sich um die Mittagszeit herum eine stattliche Buche in einem anderen Baum und drohte, vom Hang auf die Straße zu stürzen. Die Freiwillige Feuerwehr Tettau rückte gemeinsam mit den Kollegen aus Sattelgrund und Schauberg aus, sicherte die Straße ab und entfernte die Äste. "Die Buche haben wir schließlich gefällt", erklärt der Kommandant der Tettauer Wehr. Nach einer guten Stunde sei die Gefahr behoben und die Straße wieder frei gewesen.

Einsätze im Stadtgebiet

Auch die Feuerwehr Kronach vermeldete um die Mittagszeit mehrere Einsätze im Stadtgebiet, das Ausmaß ist laut dem Vorsitzenden Stefan Wicklein jedoch überschaubar gewesen.

Wie FT-Mitarbeiter Werner Knoth berichtet, hat Sabine in Beikheim eine kräftige Eiche entwurzelt und sie in die Steinach befördert - nur wenige Meter von der alten Steinachbrücke und der Straße zwischen Beikheim und Schneckenlohe entfernt. "Hier bestand aber keinerlei Gefahr."

Die Katastrophenschutzeinheit Unterstützungsgruppe örtlicher Einsatzleiter leistete am Feuerwehrhaus in Pressig vorsorglich Dienst. "Wir waren bis 23 Uhr mit etwa 15 Mann vor Ort und haben den Dienstbetrieb dann zunächst eingestellt", erklärt der Leiter der Einheit, Ralf Weidenhammer. "Wir sind danach aber auch nicht mehr von der Leitstelle alarmiert worden, weil die örtlichen Einsatzkräfte die Lage im Griff hatten." Vielerorts haben Landwirte mit ihren Gerätschaften geholfen, die Straßen zügig wieder baumfrei zu machen.

Auch die Integrierte Leitstelle, die für Kronach, Coburg und Lichtenfels zuständig ist, sorgte vor: "Wir sitzen hier nachts normalerweise zu dritt", erklärt Schichtleiter Gerhard Jupe. "In der Nacht auf Montag waren zwölf Mann da." Wäre die Zahl an sturmbedingten Alarmierungen größer gewesen, hätten diese Einsätze - zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft - rasch abgearbeitet werden können. "Etwa um 11 Uhr mittags gab es noch einmal starke Böen und wir hatten zwischenzeitlich einen Einsatzschwerpunkt im Frankenwald, doch alles in allem sind wir mit einem blauen Auge davongekommen." So seien in allen drei Landkreisen "lediglich" rund 120 von Sabine verursachte Alarmierungen eingegangen.

Schulen zu, Züge fahren nicht

Dass Sabines Bilanz - bisher - so glimpflich ausfällt, liegt sicherlich auch daran, dass am Montag vorsorglich alle Schulen in Oberfranken geschlossen blieben. "Eine Koordinierungsgruppe des Landratsamtes entscheidet entsprechend der witterungsbedingten Verhältnisse vor Ort, wie etwa bei starkem Wintereinbruch, ob die Schulen geschlossen bleiben", erläutert Graf.

Diesmal habe die Gruppe, der Vertreter des Kreisbauhofs, der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und der hiesigen Schulen angehören, aber gar nicht entscheiden müssen. "Die Regierung hat uns am späten Sonntagnachmittag bereits informiert, dass alle staatlichen und kommunalen Schulen in Oberfranken geschlossen bleiben."

Die Schüler, die trotzdem kamen, seien in den Bildungseinrichtungen betreut worden. Auch die meisten Träger der örtlichen Kindergärten haben sich dieser Vorsichtsmaßnahme angeschlossen.

Ruhe vor dem Sturm?

Pendler mussten unterdessen viel Geduld beweisen, denn auch der Zugverkehr wurde bayernweit eingestellt. Nachdem Sabine gegen Montagmittag an Fahrt verloren hatte, kamen die Züge allmählich wieder ins Rollen. "Die Deutsche Bahn nimmt auf zahlreichen Strecken den Betrieb schrittweise wieder auf", hieß es um 14.30 Uhr in einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn Bayern. "Auch die Strecken des bayerischen Fernverkehrs sind wieder frei."

Ganz gebannt ist die Gefahr, die von Sabine ausgeht, allerdings noch nicht. Die Unwetterwarnung bleibt noch bis Mittwoch bestehen, da das Sturmtief durchaus noch einmal Fahrt aufnehmen kann. "Außerdem ist die Bodenfeuchtigkeit in den nächsten Tagen entscheidend", erklärt der Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Pressig, Thomas Günther.

Seine Wehr hatte wegen Sabine bisher kaum Einsätze - bis auf Nachbarschaftshilfe in Heinersdorf (Landkreis Thüringen), wo die Pressiger mit der Drehleiter halfen, lose Ziegel von einem Hausdach zu entfernen. "Weil der Boden derzeit aufgeweicht ist, kann es passieren, dass die Bäume bei einer starken Windböe entwurzeln."

Mit etwas Glück kommt der Landkreis Kronach aber tatsächlich mit einem blauen Auge davon. "Hoffen wir, dass das schon die Sabine war", fasst Kreisbrandrat Ranzenberger zusammen.

Und zumindest eine Gruppe kann dem Orkantief etwas Positives abgewinnen. So halten die örtlichen Dachdecker bereits ihre Auftragsbücher parat. "Wir haben seit heute Morgen bereits um die 15 Anfragen erhalten", berichtet beispielsweise Wachter Bedachungen aus Wilhelmsthal.