Große Hoffnung haben die Wallenfelser Flößer in den Bau eines Rückhaltebeckens gesetzt, das die Tourismusflößerei auch in Dürreperioden langfristig sichern sollte. 60 000 Kubikmeter Wasser sollten dafür Sorge tragen, keine Floßfahrt mehr absagen zu müssen. Doch jetzt zeichnen sich Probleme ab, wie Bürgermeister Jens Korn auf Anfrage bestätigt.

"Die Ergebnisse sind deutlich schlechter, als wir sie uns erhofft haben", betont Korn mit Blick auf die erfolgten Bodenuntersuchungen. Dabei spricht er von "unglaublich vielen Stolpersteinen", dich sich in der Zwischenzeit ergeben hätten. Das Hauptproblem ist die Bodenbeschaffenheit, die einen tiefen Einschnitt ins Gelände nicht erlaubt - sprich: Bodenaushebungen sind nur bedingt möglich. Ursache ist das zu hoch stehende Grundwasser, das aus wasserschutzrechtlichen Gründen nicht mit Oberflächenwasser vermischt werden darf.

Zudem eignet sich das vorhandene Bodenmaterial laut Korn weder für die Dammgründung noch für den Dammbau. "Das heißt, wir müssten den Boden wahrscheinlich komplett austauschen", betont der Bürgermeister und blickt damit auf deutlich steigende Kosten. Ursprünglich waren für das Projekt 500 000 Euro vorgesehen, doch unter diesen Umständen wäre dieser Betrag nicht mehr zu halten.

Auf der einen Seite würden sich die Baukosten deutlich erhöhen, auf der anderen Seite würde sich auf Grund der Gegebenheiten das Volumen des Rückhaltebeckens von rund 60 000 auf gut 35 000 Kubikmeter reduzieren. "Bei einem Wasserstand von 1,05 würde das gerade mal für eine Floßfahrt reichen. Das hilft uns aber nicht weiter", betont Korn und fährt fort: "Irgendwann muss man sich dann auch einmal fragen, ob der Aufwand mit dem Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis steht."

Eine abschließende Bewertung der Situation will Korn noch nicht abgeben. Dazu will er erst den Abschlussbericht des Ingenieurbüros abwarten. Anschließend will er das weitere Vorgehen mit dem Stadtrat besprechen und das Gespräch mit der Staatsregierung suchen, die Zuschüsse für das Projekt bereits zugesagt hat.

Alternative schwer zu finden

Das Rückhaltebecken sollte bei Schnappenhammer in einer Schleife der Wilden Rodach auf einer Fläche von drei Hektar gegenüber des bestehenden Floßablegeplatzes auf der anderen Seite der B 173 entstehen. Was die Sache nicht einfacher macht: Landschaftliche und naturschutzrechtliche Vorgaben erschweren nun die Suche nach einem alternativen Standort.

Grundsätzlich ist Korn davon überzeugt, das "Wassermanagement" verbessern zu müssen. "Wir müssen den Aufstauvorgang effektiver gestalten." Bislang läuft dieser komplett ehrenamtlich über die Wallenfelser Flößergemeinschaft, deren Mitglieder mitunter berufstätig seien und deshalb nicht immer schnell genug auf Regenereignisse reagieren könnten. Dies wäre aber umso wichtiger, um den Wasserpegel zur Sicherung der Floßfahrten immer auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Deshalb denkt Korn darüber nach, inwieweit sich die Stadt künftig stärker einbringen könnte.

Sicherlich wäre das eine Erleichterung, erklärt der Zweite Vorsitzende der Flößergemeinschaft, Michael Müller. Allerdings gibt er zu bedenken, dass dies nichts nütze, wenn der Pegel der Wilden Rodach unter 1,07 liegt und überhaupt nicht aufgestaut werden darf. Natürlich wäre das Rückhaltebecken eine Erleichterung für die Flößer, aber Müller sieht es nüchtern: "Klar wäre es für uns ruhiger. Wenn es aber nicht gebaut wird, wird sich für uns nicht so viel ändern", sagt er und verweist auf den Ist-Zustand. Angesichts dessen müsse auch weiterhin mit Ausfällen einzelner Fahrten gerechnet werden. Den größten Aufwand damit habe die Stadt, wenngleich es finanziell vor allem die Fremdenverkehrsbetriebe treffe, die plötzlich auf Gäste verzichten müssten. "Das können die nicht kompensieren", erklärt Müller, dem mit seinen Flößern unter der sich abzeichnenden Entwicklung nichts anderes übrig bleibt, als auf ausreichend Wasser zu hoffen. "So ein Gewitter alle 14 Tage mit kräftigem Regen würde schon helfen", sagt Müller scherzhaft.