Stadtführerin Rosi Ross blinzelt hinter den Gläsern ihrer Sonnenbrille, als sie ein Blatt in die Höhe hält. 15 Besucher der Premiere der Führung "Auf des Flößers Spuren" blicken neugierig in ihre Richtung. "Das war das Grundhandwerkszeug, das die Flößer hatten", sagt sie. "Eine Axt hatten sie auf jeden Fall dabei. Dann konnte man die Stämme mit einer Wiede, wie ich sie hier habe, und einem Holzkeil festbinden. Man hat sie also nicht verschraubt."

Rosi Ross ist ein wenig nervös, denn sie macht die Führung zum ersten Mal. Dabei könnte sie sich sicher sein: Schließlich hat sie die Führung, die von der Ökologischen Bildungsförderungsstätte in Mitwitz getragen wird, selbst entworfen. "Seitdem ich hier vor 35 Jahren hergekommen bin, habe ich mich immer für die Flößerei interessiert", erzählt sie.
Sie hatte viel Kontakt zu den Flößern in Neuses - und ist bis heute fasziniert von diesem Beruf: "Mir ist es bis heute ein Rätsel, wie man mit diesen großen, aneinandergesetzten Flößen überhaupt um die Ecke gekommen ist."

Flößer waren hart im Nehmen
Mut habe es erfordert, mit den großen Flößen den Fluss hinabzufahren, obwohl die meisten nicht schwimmen konnten. Gesichert haben sie sich nur mit der Wiede, einem verdrehten Zweig, die sie sich um den Fuß gebunden haben. Dazu hatte einer der vier anwesenden Flößer vom Flößer Verein Neuses einen Spruch parat: "Das Leben vom Flößer hängt an der Wi, wenn die Wi reißt, ist der Flößer hi." Die Flößerei - eine raue Welt.

Rund ein halbes Jahr hat Rosi Ross gebraucht, bis sie alle Stationen der Führung ausgearbeitet hatte. Inspiriert haben sie die Spuren der Flößer, die sie in der ganzen Stadt fand. So wie am Kaulanger, der heute vor allem als Parkplatz bekannt ist: Früher, erklärt sie ihrer Gruppe, sei der Kaulanger ein Umschlagsplatz für Holz gewesen. Oder der Pfählanger bei der Europabrücke. Für die Flößer sei das der wichtigste Punkt in Kronach und die umliegenden Orte gewesen. Montags wurde dort durch die Floßherren die Arbeit an die Flößer verteilt. Von dort aus ging es weiter nach Rotterdam.

Fünf Bier pro Tag
Für viele Floßherren war das ein einträgliches Geschäft, was noch heute an den großen Häusern an der Haßlach (Adolf-Kolping-Straße) und in der Oberen Stadt zu sehen ist.

Wichtig für die Flößerei waren die Schneidmühlen, von denen es in Kronach einige gegeben hat, wie zum Beispiel die alte Steinmühle neben dem Kühnlenzhof. "Sie waren das A und O für das Holz, denn über die Bäche und Flüsse wurden die Blöcher, also die kleinen Stämme, transportiert", sagt Rosi Ross.



Im 20. Jahrhundert ging das Geschäft mit der Flößerei wegen der Eisenbahn zurück. Die letzte kommerzielle Fahrt fand in Kronach um 1958 statt. Erhalten blieben jedoch viele Traditionen rund um Kronach, Neuses, Friesen und Unterrodach. Und noch mehr Anekdoten, die Rosi Ross bei ihrem Rundgang erzählt: Zum Beispiel, dass die Flößer täglich fünf Liter Bier bekamen.Ein Bier ist auch der Abschluss von Rosi Ross' Stadtführung: Im "Antla", was einmal ein Floßherrenhaus war.