Der prozentuale Anteil der Rente, der zu versteuern ist, steigt bereits seit 2005 - jedes Jahr um zwei Prozent. "Wer 2040 in Rente geht, wird seine komplette Rente versteuern müssen", sagt Nadja Volk, die seit sieben Jahren die Beratungsstelle der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Kronach leitet. Rund ein Drittel ihrer 500 Mandanten sind Rentner.

Bereits bevor der Beschluss 2005 verabschiedet wurde, war die Hälfte der Rente zu versteuern. "In den ersten Jahren danach waren die Auswirkungen nicht so dramatisch. In den vergangenen zwei bis drei Jahren mussten aber bereits einige meiner Mandanten nachzahlen", schildert Volk die Situation. Wer im laufenden Jahr in Rente geht, muss mittlerweile 80 Prozent seiner Rente versteuern.

Freibeträge und Abzüge

Wie hoch der zu versteuernde Anteil letztendlich ist, wird von der Bruttorente ausgehend berechnet. "Die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung werden von dem Betrag abgezogen", erklärt die Kronacherin. Die Differenz ist grundsätzlich zu versteuern. Wie die 51-Jährige berichtet, gibt es allerdings bestimmte Ausgaben, die den Besteuerungsanteil senken können. Dazu gehören beispielsweise höhere Arztkosten oder Arbeitsstunden von Handwerkern. "Für den Nachweis ist es wichtig, dass die Summen überwiesen und die Rechnungen aufgehoben werden." Die verbleibende Geldsumme wird dann mit dem Grundfreibetrag abgeglichen. "Für Einzelpersonen beträgt er in diesem Jahr 9408 und für Eheleute 18 816 Euro", berichtet Volk.

Der Besteuerungsanteil bleibt immer gleich. "Wer 2005 in Rente gegangen ist, muss bis zu seinem Lebensende 50 Prozent versteuern, wer in diesem Jahr in Rente geht, immer 80 Prozent", sagt die Beratungsstellenleiterin. Bei einem Renteneintritt bis 2005 wurden ihrer Einschätzung nach kaum Nachzahlungen fällig.

Bestenfalls keine Nachzahlung

Die Kronacherin vermutet, dass viele sich nicht im Klaren darüber sind, dass sie auch noch eine Steuererklärung abgeben müssen, wenn sie kein Einkommen mehr beziehen. "Einige Mandanten kommen und sind der Auffassung, dass sie sich im kommenden Jahr, wenn sie in Rente gehen, keine Gedanken mehr über ihre Steuererklärung machen müssen", berichtet Volk aus ihrem Alltag. Anders als Berufstätige und Pensionäre, die ganzjährig Steuern auf ihre Bezüge zahlen, bekommen Rentner nach Abgabe ihrer Steuererklärung keine Rückzahlung. "Im besten Fall kommt man auf null heraus. Weil der Anteil der Rente, der zu versteuern ist, immer größer wird, passiert es immer öfter, dass nachbezahlt werden muss", bedauert Volk. Der Grundfreibetrag passe sich nicht an die steigenden Prozentsätze an.

Rückzahlungen für mehrere Jahre

Nadja Volk weiß, dass es für alle, die zeitnah in den Ruhestand gehen, wichtig ist, sich zu informieren. "Wer nachzahlen müsste und keine Steuererklärung abgibt, riskiert einen Säumniszuschlag", warnt sie. Außerdem können Nachzahlungen rückwirkend für bis zu sieben Jahren gefordert werden. Die Beratungsstellenleiterin selbst hatte bereits Mandanten, die rückwirkend bezahlen mussten. "Unwissenheit schützt vor einer Strafe nicht", betont Volk.

Eine privat abgeschlossene Rente, die nicht vom Staat ausbezahlt wird, wird nach einem anderen System besteuert. "Der Besteuerungsanteil richtet sich nach dem Renteneintrittsalter - je älter der Berechtigte ist, desto niedriger ist der prozentuale Anteil, der zu versteuern ist", berichtet Volk. Wer beispielsweise mit 64 in Rente geht, muss 19 Prozent versteuern, bei einem Alter von 70 Jahren liegt der Anteil bei 15 Prozent. "Der Prozentsatz bleibt, wie bei der staatlichen Rente, dauerhaft gleich. Generell sind die Abgaben hier aber wesentlich niedriger."

Wer keine Steuererklärung abgibt, muss damit rechnen, dass das Finanzamt Aufforderung dazu schickt. Im Fall, dass mehrer Jahre keine Steuererklärung abgegeben wurde, wäre es auch möglich, dass ein Schätzungsbescheid zugeschickt wird. "Meistens wird damit eine Nachzahlung verlangt. Der Bescheid ist so lange gültig, bis die Steuererklärung nachgereicht wird", berichtet Volk. Ihr ist es ein Anliegen, dass die Rentner sich darüber bewusst sind, dass sie nicht um eine Steuererklärung herumkommen.