Wie lange gibt es die Grundschule in Johannisthal noch? Diese Frage stellt sich für viele angesichts der Tatsache, dass die Stelle der in den Ruhestand versetzten bisherigen Rektorin Barbara Fößel von der Regierung von Oberfranken nicht mehr ausgeschrieben wurde. Die Küpser Rektorin Silvia Krüger soll die Leitung der Johannisthaler Grundschule mit übernehmen. Ansprechpartnerin vor Ort bleibt die bisherige Konrektorin Silke Müller, die die Vertretung seit Fößels Erkrankung vor Monaten übernommen hat.

Liegt es am baulichen Zustand des Johannisthaler Schulgebäudes? Oder an der Zweihäusigkeit in Küps? Oder wird befürchtet, dass die Johannisthaler Grundschule angesichts weiter zurückgehender Schülerzahlen ohnehin in einigen Jahren geschlossen werden muss?

Schulamtsdirektor Uwe Dörfer verwies im Gespräch mit unserer Zeitung darauf, dass die seit Anfang des Schuljahres erkrankte Rektorin Barbara Fößel vor wenigen Tagen in den Ruhestand versetzt worden sei. Ihre Stelle sei von der Regierung nicht mehr ausgeschrieben worden, weil man auf Jahre hinaus Planungssicherheit haben wolle. Die sei in Johannisthal vor allem im Hinblick auf den Zustand des Gebäudes nicht gegeben. Aber auch die Entwicklung der Schülerzahlen stimme nachdenklich. Zurzeit würden 72 Schüler in vier kleinen Klassen unterrichtet. Im kommenden Jahr sinke die Schülerzahl auf 61. "Die vorgeschriebene Mindeststärke pro Klasse ist 13. Da kommen wir früher oder später ran", machte Dörfer deutlich.

Erhebliche Summen sind nötig

Hauptgrund für die Entscheidung der Regierung ist nach Meinung des Schulamtsdirektors die Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes in Johannisthal. Angesichts der Tatsache, dass der Markt Küps auch in das Gebäude der Küpser Schule erhebliche Summen investieren müsse, sei zu befürchten, dass für Johannisthal nicht ausreichend Geld übrig bleibe. "Und wenn die Gemeinde gar nichts investiert, könnte die Regierung den Schulstandort Johannisthal ganz auflösen", mutmaßt Dörfer. "Wir müssen sehen, wie sich die Einschulungszahlen in Johannisthal entwickeln." Die Grundschule Johannisthal bleibe rechtlich eigenständig, die pädagogische Ausrichtung werde sich in die gleiche Richtung wie in Küps mit flexibler Grundschule und Ganztagsklassen bewegen. Außerdem gebe es in Küps die opulente Situation wie sonst nirgends im Landkreis und darüber hinaus, dass in einer Gemeinde zwei Grundschulen existierten. Vorher sei dies nur in Kronach bis zur Auflösung der Schulstandorte Gehülz und Neuses der Fall gewesen.

"Die Schule in Johannisthal ist baulich in einem annehmbaren Zustand", bestritt der Küpser Bürgermeister Herbert Schneider (parteilos) die Argumente der Regierung. Er sprach der bisherigen Leiterin Barbara Fößel ein Sonderlob aus: "Sie hat Schule gelebt und Großartiges geleistet! Wir sind ihr von Herzen dankbar." Unter anderem habe sie den Slogan der Johannisthaler Einrichtung "Schule mit Herz und Verstand" geprägt.

Immer wieder verschoben

Der Markt Küps habe vor zehn Jahren die Sanierung des Johannisthaler Schulgebäudes vorgehabt, erinnerte der Bürgermeister. Die Pläne seien immer wieder verschoben, immer nur sei das Notwendigste gemacht worden. Es gebe schon Bedarf, das Johannisthaler Gebäude auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen, doch jetzt sei zuerst der Standort Küps dran, bei dem es erhebliche Summen zu investieren gelte. Es bestehen dringender Handlungsbedarf. Herbert Schneider vermutete, dass die baulichen Belange nicht die zentrale Rolle spielten. Die Struktur sei anscheinend wichtiger. Der Markt Küps sei seiner Information nach die einzige Kommune in weitem Umkreis, die zwei Grundschulstandorte habe: in Küps mit einer durchschnittlichen Klassenstärke von 23 bis 24, in Johannisthal von nur 15.