Dass Kulmbach und Kronach kein zweites Rheda-Wiedenbrück geworden sind, hat viele Gründe. Jedenfalls scheint die Sparkasse nicht nur aus Gründen der Temperatur ein weniger beliebter Ausbreitungsschauplatz für das Virus zu sein, als eine Schlachterei. Dennoch hat das eine und das andere miteinander zu tun. In beiden Fällen geht es um die (Nicht-)Einhaltung der pandemiebedingten Hygienestandards.

Einmal im positiven Sinn - die Schulung in Himmelkron -, einmal im Negativen: Über Tönnies wurde bereits viel geschrieben und auch ein Gesetzesentwurf, der sich direkt auf die Situation des Fleischproduzenten in Nordrhein-Westfalen bezieht, hat es in kürzester Zeit durch die Reihen des Regierungskabinetts geschafft. Mit dem "Arbeitsschutzkontrollgesetz" will die Regierung Sicherheitsmaßnahmen gerade in Corona-Zeiten disziplinierter umsetzen lassen, als es zuvor der Fall gewesen ist.

Ein Konzept, das aufgeht

Bei der Sparkasse wird jedenfalls aufgeatmet. Pressesprecherin Daniela Krüger berichtet, dass alle etwa 100 Tests ausgewertet sind. Das Ergebnis: Es hat sich kein einziger weiterer Mitarbeiter angesteckt. Und das, obwohl der positiv getestete Kollege auf einer Schulung und einer Sitzung gewesen ist - mit etwa 70 seiner Kollegen.

Das erklärt auch die seltsam sprunghafte Filialschließung: Küps, Stockheim, Steinwiesen und Nordhalben waren im Landkreis Kronach betroffen. Doch seit dieser Woche haben alle Geschäftsstellen wieder geöffnet, nachdem elf im Nachbarlandkreis und vier im Kronacher Raum versperrt blieben, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

"Die Sparkasse Kulmbach-Kronach hat bereits sehr frühzeitig umfangreiche Schutz- und Hygienemaßnahmen getroffen, die von allen Mitarbeitenden sehr vorbildlich und verantwortungsbewusst umgesetzt werden", erklärt die Pressesprecherin.

Sie spricht von Spuckschutzwänden, Desinfektionsmittel, Mund-Nasen-Schutzmasken, Hygienestationen, das strikte Einhalten der AHA-Regeln. So sei es auch bei der Schulung in der Event-Arena in Himmelkron gewesen.

Wäre es schief gegangen und mehr Sparkassen-Mitarbeiter hätten sich angesteckt, wahrscheinlich hätte der Lockdown im Geldinstitut lange angedauert. Für die Zukunft will die Sparkasse jedenfalls noch mehr auf Video- und Telefonkonferenzen bauen und persönliche Treffen so gut es geht vermeiden. "Die aktuelle Situation zeigt nicht nur uns, dass im Umgang mit dem Corona-Virus weiterhin höchste Vorsicht geboten ist."

Vorsicht, die gewissermaßen auch staatlich vorgeschrieben ist. Rechtsanwältin Sabine Gross hat sich auf Arbeitsrecht spezialisiert und erklärt auf Anfrage des FT, was Arbeitgeber und Arbeitnehmer beachten müssen, wenn sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten wollen. Grundsätzlich gelte: "Der Arbeitgeber hat ein effektives, auf den eigenen Betrieb zugeschnittenes Sicherheits- und Hygienekonzept zu erarbeiten", erklärt sie. Dabei müsse der Arbeitgeber das Gefährdungspotenzial der jeweiligen Tätigkeit analysieren und entsprechend danach seine Hygienestandards ausrichten.

Als Grundlage dienen die Regelungen im "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Werden die Maßnahmen nicht eingehalten, macht sich der Arbeitsgeber straf- und somit auch haftbar.

Nicht einfach daheim bleiben

Aber kann der Arbeitnehmer einfach zu Hause bleiben, wenn sein Arbeitgeber die Auflagen nicht erfüllt? Nein, lautet die klare Antwort der Rechtsanwältin. Zumindest muss er dabei Regeln beachten. Erst muss der Angestellte seinen Chef auffordern, die Hygienestandards einzuhalten und androhen, dass er der Arbeit fernbleibt, wenn der Arbeitgeber die Auflagen nicht erfüllt.

Falls sich nichts bessert, kann der Arbeitnehmer sein Zurückbehaltungsrecht geltend machen und somit bei Bezahlung zu Hause bleiben, erklärt Sabine Gross. Eine zweite Möglichkeit sei eine Abmahnung des Arbeitgebers durch den Arbeitnehmer. Tut sich auch dann nichts, kann der Arbeitnehmer fristlos kündigen und gegebenenfalls den Arbeitgeber auf Schadensersatz verklagen.

In Kronach und allgemein im oberfränkischen Raum scheinen die Sicherheitsvorschriften bislang größtenteils eingehalten zu werden, heißt es vonseiten der Gewerkschaft. Bei Wolfgang Schmitt, DGB-Vorsitzender im Kreis Kronach, sind bislang keine Beschwerden über nachlässige Arbeitgeber eingegangen, erklärt er auf Nachfrage des FT.

Rechtsanwältin Sabine Gross erklärt: Diese Auflagen muss der Arbeitgeber beachten

Alle Beschäftigten sollen ausreichend Abstand (min. 1,5 Meter) zu anderen Personen halten, egal ob drinnen oder draußen. Wo dies nicht möglich ist, müssen alternative Schutzmaßnahmen ergriffen werden, wie Plexiglasabtrennungen.

Zusätzlich muss den Arbeitnehmern möglich sein, sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Kontakte der Beschäftigten müssen auf ein Minimum reduziert werden. Wenn ein direkter Kontakt untereinander oder zu Kunden, Dienstleistern oder Ähnlichen nicht zu vermeiden ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmasken zur Verfügung stellen.

Büroarbeit soll vorrangig im Home-Office gemacht werden.

Gemeinsame Dienstfahrten sollen vermieden werden. Dienstwagen müssen regelmäßig gereinigt werden.

In Pausenräumen und Kantinen muss ein ausreichender Abstand (min. 1,5 Meter) sichergestellt werden.

Wenn Arbeitsmittel und Werkzeuge von mehreren Beschäftigten benutzt werden, müssen sie stets gereinigt werden, bevor sie weitergegeben werden. Außerdem sind Schutzhandschuhe zur Verfügung zu stellen, wenn die Arbeiten es zulassen.

In besonders gefährdeten Arbeitsbereichen muss der Arbeitgeber die Beschäftigten mit einer persönlichen Schutzausrüstung ausstatten und deren Verwendung strikt anweisen. Im Übrigen darf jegliche Arbeitsbekleidung nur von ein und derselben Person getragen werden.

Arbeitskleidung und Schutzausrüstung müssen getrennt von der Alltagskleidung aufbewahrt werden können.