Die Maximilian-von-Welsch-Realschule in Kronach setzte im September ein Zeichen. Als 165. Schule in Bayern erhielt sie das Prädikat "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Nun müssen Lehrer und Schüler beweisen, dass sie couragiert ihrem Anspruch gerecht werden. Eine Partei aus dem rechten Spektrum hat sich nämlich im Umfeld der Schule in Szene gesetzt, um die jungen Leute nach Schulschluss mit Flyern und so genannten Schulhof-CD zu "bekehren".

Nicht zum ersten Mal sieht sich die Realschule I mit rechtem Gedankengut konfrontiert. Diesmal war die Lage allerdings schwieriger für Rektor Hans Blinzler und die Lehrkräfte, weil sie ihre Schützlinge nicht aktiv vor den Einflüsterungen der selbst ernannten "Aktivisten" schützen konnten.

Auf der Straße gewartet


Als Blinzler seine Schüler am Ausgang verabschiedet habe, sei noch niemand weiter in Sicht gewesen, schildert der Rektor die Situation vom vergangenen Freitag. Später seien dann Schüler auf ihn zugegangen, die von den Flugblatt-Verteilern berichtet hätten.

"Diese Leute waren außerhalb der Schule, auf der Straße hin zum Stadtgrundstück", sagt Blinzler. Sie hätten sich gerade so postiert, dass er nicht habe eingreifen können, weil sein Hausrecht auf dem Schulgelände selbst nicht verletzt worden sei. Eines war für Blinzler dabei augenfällig: "Sie haben sich nur an Schüler bis zur 8. Klasse gewendet. An aufgeklärtere, größere Schüler haben sie wohl nichts verteilt."

Dennoch ist er zuversichtlich, dass auch die Jüngeren auf Grund der Informationsarbeit an seiner Bildungseinrichtung wissen, wie sie rechtes Gedankengut einstufen sollten.

Dass seine Schule den Leuten aus der rechten Szene ein Dorn im Auge ist, weil sie sich vehement gegen Rassismus wendet, ist für Blinzler nicht neu. Mit Schmierereien am Gebäude und Problemen bei der Aufführung eines Theaterstücks gegen Rassismus wurde man in der jüngeren Vergangenheit bereits konfrontiert. Zum aktuellen Fall sagt der Rektor: "Es war ein einmaliger Vorgang. Ich hoffe, dass es dabei bleibt."

Flugblätter bei Stadt und Polizei


Was er an Broschüren vor der Schule aufgesammelt hat, leitete Blinzler zwischenzeitlich an die Stadt Kronach weiter. Der sind allerdings auch die Hände gebunden.

Das Ordnungsamt habe sich mit dem Sachverhalt befasst, erklärt Hauptamtsleiter Stefan Wicklein. "Genehmigungspflichtig ist nur die Verteilung von gewerblichen Flugblättern oder der Aufbau von Infoständen", berichtet er über die rechtliche Lage. Da es sich in diesem Fall um politische Flyer einer nicht verbotenen Partei handele, könne die Stadt nicht dagegen vorgehen. Allerdings wurde das Material den Ermittlungsbehörden übergeben, die sich inhaltlich damit auseinandersetzte. Wie die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Bayreuth mitteilt, konnten in diesem Fall keine Straftatbestände festgestellt werden. Allerdings versichert sie, dass alle derartigen, politisch motivierten Aktionen - egal ob von Links oder Rechts - immer ernst genommen würden.

Bei den Vorkommnissen im Umfeld der RS I könne die Polizei momentan nicht weiter aktiv werden, weil keine Personalien der "Aktivisten" bekannt seien. Allerdings werde die Behörde die Situation dort gut im Auge behalten. "Wenn wieder so etwas auftritt, dann werden die Kollegen auch hinfahren und die Personalien überprüfen", versichert die Pressesprecherin. Einzige Voraussetzung dafür sei, dass die Polizei auch rechtzeitig über das Treiben informiert werde.