Kronach "Sag stopp!", "Schluss mit Schweigen!", "Auch Demütigung ist Gewalt", "Gewalt gegen Frauen geht uns alle an!", "Gewalt an Frauen hat viele Gesichter!", "Die Würde des Menschen ist unantastbar!" - mit diesen und weiteren auf großen Plakaten niedergeschriebenen Appellen sowie auf dem Marienplatz aufgestellten Lichtern bekundete am Mittwoch die Frauenliste Stadt und Landkreis Kronach ihre Solidarität mit von Gewalt betroffenen Frauen. Mit ihrer Aktion beteiligten sich die Politikerinnen am "Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen", der auch in Kronach mit verschiedenen Initiativen begangen wurde.

Oft im Verborgenen

"Bei häuslicher Gewalt geht es um Menschenleben!", verdeutlichte Petra Zenkel-Schirmer, die zusammen mit Cornelie Vormbrock für die Aktion in Kronach hauptverantwortlich zeichnete. Immer noch gebe es, so die Kreisrätin, Gewalt gegen Frauen und Kinder in unserer Gesellschaft, oft im Verborgenen, oder sie werde bagatellisiert bzw. ignoriert. Um hierauf aufmerksam zu machen, habe man gerne einen Beitrag zur Mitmach-Aktion des Frauennotrufs Coburg bzw. des Frauenhauses für die Landkreise Coburg, Lichtenfels und Kronach geleistet. Diese hatten um Mitwirkung am Aktionstag gebeten, indem Teilnehmer Appelle, Botschaften oder Aufrufe zum Thema auf Plakate niederschreiben, sich damit fotografieren und in den sozialen Medien veröffentlichen lassen sollten.

"Der Zweck ist vielfältig", betonte Zenkel-Schirmer. Man wolle die Bevölkerung wachrütteln, dass es Gewalt nicht mehr geben dürfe. Zugleich wolle man Solidarität mit allen betroffenen Frauen bekunden und verdeutlichen, dass diese nichts verkehrt gemacht hätten. Ihnen wolle man aufzeigen, dass sie nicht alleine seien und dass es viele Hilfsangebote gebe, die sie unbedingt in Anspruch nehmen sollten. Dies gelte gerade in der aktuellen Situation, in der Corona die Gewalt erwiesenermaßen noch mehr eskalieren lasse.

"Frauenhaus platzt aus allen Nähten"

Viele Nicht-Betroffene hätten, so die Kreisrätin, keine Vorstellung davon, wie es gerade in der Corona-Zeit vermehrt und oft unbemerkt zu diesen Gewaltsituationen kommen könne. Der Frauennotruf und das Frauenhaus Coburg rechneten hier mit einem starken Anstieg. "Leider platzt das Frauenhaus aus allen Nähten. Es ist gut, dass wir es haben. Aber es ist viel zu klein und in die Jahre gekommen", prangerte Zenkel-Schirmer an, dass diese Hilfestelle wegen Überbelegung eine Reihe an Hilfe suchenden Frauen und Kindern nicht mehr aufnehmen konnte und abweisen musste.

Es sei ein Unding, Betroffene zu animieren, Hilfsangebote anzunehmen und diese dann durch Oberfranken zu scheuchen, um einen freien Platz zu ergattern. Dies gelte umso mehr, wenn Kinder mit im Spiel seien. Die Familie bzw. die Kinder seien es oft auch, die Frauen davon abhielten, Hilfe zu suchen. "Politisch gibt es hier viel zu tun. Wir fordern eine schnelle und unbürokratische Lösung und keine bloßen Lippenbekenntnisse", verdeutlichte die Politikerin, dass die Situation des Coburger Frauenhauses nicht länger hinnehmbar sei. Dass die eindringliche Aufschrift auf ihrem Plakat "Bei häuslicher Gewalt geht es um Menschenleben!" bittere Realität sei, verdeutlichten die Zahlen. 2018 wurden laut BKA-Statistik insgesamt 140 755 Personen Opfer von Gewalt, davon 114 393 Frauen, das sind 81,3 Prozent.

Gewaltspirale unterbrechen

"Wer selbst einmal Gewalt erlebt hat, führt das selber später oft weiter - das geht über Generationen", appellierte Cornelie Vormbrock, diese Gewaltspirale zu unterbrechen. Gewalt habe dabei viele Erscheinungsformen - körperlicher, aber auch psychischer Art wie beispielsweise eine frauenfeindliche Sprache, die besonders in den Sozialen Medien immer mehr zunehme.

Des Weiteren initiierte die Frauenliste an dem Tag auch eine Lichter-Aktion. Dabei war die Bevölkerung aufgerufen, als Zeichen ihrer Solidaritäteine Kerze oder ein Licht sichtbar in die Fenster zu stellen.

Hilfsangebote für Frauen in der Region

Frauenhaus Das Frauenhaus für die Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels bietet Schutz und Unterkunft für Frauen und Kinder, die von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt betroffen sind. Das Frauenhaus ist unter 09561/861796 rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, erreichbar.

Frauennotruf Die Beratungsstelle Frauennotruf Coburg ist mit ihren Unterstützungsangeboten täglich telefonisch zwischen 10 Uhr und 14 Uhr unter 09561/90155 sowie per E-Mail an info@frauennotruf-coburg.de zu erreichen.

Hilfetelefon Das bundesweite Hilfetelefon "Beratung und Hilfe für Frauen" unterstützt Betroffene unter der Rufnummer 08000 116 016 und via Online-Beratung. Frauen aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung, erhalten hier Hilfe rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Auch Angehörige, Freunde und Fachkräfte werden anonym und kostenfrei beraten. Qualifizierte Beraterinnen stehen den Hilfesuchenden vertraulich zur Seite.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen: 1999 beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen, den 25. November als "Internationalen Tag für die Beseitigung jeglicher Gewalt gegen Frauen" einzuführen. Bereits ab 1981 hatten Menschenrechtsorganisationen alljährlich an dem Tag Veranstaltungen organisiert. hs