Auf den Bänken der Kronacher Christuskirche sitzen einige Eltern und beobachten die rund 20 Kinder, die im Altarraum umherwuseln. In deren Mitte steht Christine Schnelle. Sie versucht, den Überblick zu behalten: "So, jetzt seid ein bisschen ruhig", ruft sie, während es aus den Lautsprechern tönt: "Eins, zwei, drei, vier - Test."

Nach einer kurzen Pause ertönen Blockflötenklänge. Waltraud Ludwig spielt "Macht hoch die Tür" - der Auftakt zum Krippenspiel. Bei der Probe vor zwei Wochen für den Familiengottesdienst wird die über 2000 Jahre alte Geschichte nachgespielt, wie Maria und Josef in dieser besonderen Nacht in Betlehem stranden und Jesus Christus in einem Stall zur Welt kommt. "Wir machen es jedes Jahr etwas anders", erklärt Christine Schnelle. "Diesmal war die Idee, das wir die Könige etwas mehr sagen lassen."

An diesem Abend vor zwei Wochen klappt längst nicht alles.
Als Maria und Josef, gespielt von Fiona und Niclas, vergeblich um Einlass in einer Herberge bitten, bekommt einer der Hirten einen Lachanfall. "Jetzt lassen wir erst den Niclas auslachen", sagt Christine Schnelle, "und dann machen wir weiter." Nun sollte eigentlich klar und deutlich der Befehl des Kaisers zu hören sein, dass alle zu ihren Geburtsstädten gehen sollten, um sich in die Steuerlisten einzutragen. Marius, der den Ausrufer spielt, trägt ein Headset, nur eingeschaltet ist es nicht. So gibt er zwar des Kaisers Befehl aus, doch bereits drei Meter entfernt ist davon nichts mehr zu hören.

Weihnachtliche Botschaft

Perfekt war die Probe noch nicht, aber die weihnachtliche Botschaft war deutlich: Auf der Suche nach dem neugeborenen Messias führt der Stern die drei Könige an einen Stall. Statt hineinzugehen, zieren sich diese. "Ich gehe doch nicht in einen Stall mit Hirten", sagt einer der Könige. Doch der 1,40 Meter große Weihnachtsstern namens Fiona belehrt die drei aus dem Morgenland: "Es ist der mächtigste König und gleichzeitig der unbedeutendste Diener", sagt sie. Eine Botschaft, wie sie die Organisatorinnen den Krippenspiels wollten: Leicht zu verstehen, von Kindern für Kinder und auch Erwachsene dürfen sie sich gerne zu Herzen nehmen. Michaels Rolle im Krippenspiel kommt dem Gleichheitsgedanken am nächsten, denn er ist nicht nur einer der Hirten, er spielt ebenfalls Kaiser Augustus. Welche Rolle ihm besser gefällt, sieht er ganz pragmatisch: "Mir gefällt der Kaiser besser, weil ich da weniger sagen muss." Doch auch als Hirte fühle er sich ganz wohl neben den anderen Hirten, Jonathan, Niclas und Lucas. Möglicherweise auch deshalb, weil die Könige ihre Arroganz ablegen, da Fiona ihnen den Kopf wäscht: "Egal, ob er ein König ist oder ein bettelarmer Hirte. Nicht das Äußere zählt - ein Mensch ist ein Mensch."

So endet die Probe einträchtig. Felix, der einen der drei Könige spielt, geht auf die Hirten zu: "Freunde, wir freuen uns, Euch hier zu treffen." Als Symbol, dass alle gleich sind, versammeln sie sich um die Krippe. "Die Engel müssen sich hinten hinstellen und die Hirten knien sich vorne hin", ruft Christine Schnell. Das klappt gut - auch wenn nicht sämtliche Mikros eingeschaltet waren.