Am Kronacher Bahnhof herrschte am Dienstagvormittag reger Betrieb. Draußen in der Kälte saßen vereinzelt Fahrgäste auf den Bänken, drinnen wärmten sich Wartende mit einem Kaffee auf. Das einzige, was das Bild der vermeintlichen Normalität störte: Nirgendwo war ein Zug in Sicht. Stundenlang herrschte auf den Gleisen rund um die Kreisstadt Stillstand.

Im Stundentakt gab die Bahn auf ihrer Info-Seite Auskunft darüber. "Aufgrund einer technischen Störung an einer Oberleitung ist der Bahnhof Kronach gesperrt", hieß es da um 5.35 Uhr. Wie lange diese Sperrung andauern würde, war zunächst unklar. Erst wurde von 9 Uhr ausgegangen, dann auf mindestens 10, 12 und später sogar 14 Uhr verwiesen.

Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Gegen 12.30 Uhr nahm die Bahn ihren Betrieb wieder auf - gerade noch rechtzeitig für die Heimfahrt der pendelnden Schüler.

Am Vormittag sah die Lage noch ganz anders aus. Eine Plane von einem Güterwaggon hatte die Oberleitung im Kronacher Bahnhof ramponiert. Wie die Pressestelle der Bahn in München auf Anfrage erklärte, wurden offenbar so genannte Abhänger beschädigt. Wegen der Reparaturarbeiten musste der Zugverkehr dann ruhen.

Ersatzverkehr angeboten

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Die Züge aus Richtung Saalfeld endeten vorzeitig am Bahnhof Pressig-Rothenkirchen. Die Züge aus Richtung Lichtenfels mussten in Hochstadt-Marktzeuln stoppen. "Ein Schienenersatzverkehr mit Bus zwischen Pressig-Rothenkirchen und Hochstadt-Marktzeuln ist für Sie eingerichtet", versicherte die Bahn ihren Fahrgästen via Internet.

Probleme gab es dennoch, schließlich fiel die Zeit der Sperrung genau in den morgendlichen Schüler-Pendelverkehr nach Kronach. "Es war chaotisch", schilderte Schulleiterin Christa Bänisch von der Maximilian-von-Welsch-Schule die Situation am Dienstagmorgen. Es habe einige Zeit gedauert, bis sich der Schulbetrieb normalisiert habe. "Die Schüler sind im Lauf der ersten Stunden eingetrudelt. Jetzt sind fast alle da", stellte sie gegen 10.30 Uhr auf Nachfrage unserer Zeitung fest.

Auch das Kaspar-Zeuß-Gymnasium wird von vielen Schülern besucht, die mit der Bahn nach Kronach fahren. Schulleiterin Renate Leive hatte sich daher schon früh auf drohende Schwierigkeiten eingestellt. Bereits gegen 5 Uhr hatte sie Informationen von der Bahn erhalten, dass es ein Problem auf der Strecke nach Kronach gibt.

"Ein paar Schüler sind zu spät gekommen, sonst hat es heute morgen eigentlich geklappt", ist sie froh, dass sich die Verzögerungen bei der Ankunft der Schüler letztlich doch einigermaßen in Grenzen hielten. Sicherheitshalber hatte die Schulleitung jedoch reagiert und Klausuren, die für die ersten Stunden angesetzt waren, nach hinten verschoben.

Gedanken hat sich Renate Leive auch um die Heimfahrt der Schüler gemacht. Sie stand deshalb weiter in Kontakt mit der Bahn. "Man hat mir signalisiert, dass die Schüler heimkommen werden", stellte sie gegen 11 Uhr fest. Der Schienenersatzverkehr sollte laut Bahn so geregelt werden, dass die Schüler sicher nach Hause gebracht werden können. Deshalb konnte der Unterricht auch ganz normal durchgeführt werden. Und am Ende fuhren die Züge ja für den Großteil der Schüler offenbar doch noch rechtzeitig.