"Eigentlich sind wir ja Rentner", sagt Rainer Steiger zu seiner Frau Roswitha. Beide fangen an zu lachen. Zwar sind der ehemalige Realschullehrer und die gelernte Bürokauffrau bereits Rentner. Doch wenn man in ihrem Haus in Neukenroth in das Büro im ersten Stock geht, kommt weniger ein Eindruck von Erholung und Ruhe auf. Neben VHS-Kassetten und DVD's stapeln sich Skripte. Auf dem riesigen Schreibtisch stehen mehrere Bildschirme und auch sonst ist sämtliche Technik, die man sich nur vorstellen kann, vorhanden: In über 40 Jahren "Filmgeschichte" sammelt sich so einiges an. Rainer und Roswitha Steiger sind wohl das erfahrenste Dokumentarfilm-Team, das es im Landkreis Kronach gibt.

Alles begann während des Studiums in den 70er Jahren. "Ich war der jüngste Gemeinderat in Neukenroth und für meinen überwältigenden Stimmenanteil wollte ich etwas für die Leute tun", sagt Steiger. Also zog der damals 20-Jährige mit seiner Super-8-Kamera los und filmte Häuser, Menschen und den damaligen Nachrichten-Umschlagplatz Nummer eins: die Milchsammelstelle der Bauern. "Und so entstand 1973 die erste Ortschronik von Neukenroth", erzählt der 66-Jährige.

Auch heute wird der Film noch alle paar Jahre vorgeführt. "Und wenn man einmal Blut geleckt hat, lässt das einen nicht mehr los", erklärt der pensionierte Realschullehrer. Dem Ortsporträt von Neukenroth folgten unzählige weitere Filme und Dokumentationen. Immer im Fokus der Landkreis Kronach und viele weitere Städte und Themen aus Oberfranken. Dazu gehört auch der Film über die historischen Grenzsteine zu DDR-Zeiten. "Die strenge Überwachung der Soldaten werde ich nie vergessen. Es durfte immer nur einer in die Nähe des Grenzsteines und filmen", erinnert sich Rainer Steiger.


Gänsehaut-Erlebnisse inklusive

Und das ist eine von vielen Erfahrungen, auf die das Ehepaar Steiger stolz ist. Ohne das Filmen hätten sie viele Dinge nicht erlebt. Auch die Tour mit dem Ärzte-Chor durch Italien werden die beiden nie vergessen. "Das war ein absolutes Gänsehaut-Erlebnis. In der Basilika St. Marco in Venedig filmen zu dürfen, wo man sonst überhaupt nicht reinkommt", erzählt Rainer Steiger. Zwar wurde das Paar von allen Seiten beobachtet, dass bloß nichts anderes vor die Linse kommt als der Ärztechor. "Nichtsdestotrotz war es einmalig", sagt Rainer Steiger mit einem Lächeln auf den Lippen.

Dieses Jahr soll ein neuer Kronach-Film entstehen. "Den habe ich schon im Kopf", meint Rainer Steiger und lacht. Aus dem filmischen Hobby ist im Laufe der Jahre eine richtige Dienstleistung geworden. Angefangen bei der Super-8-Produktion für die Ortschronik von Neukenroth über 16-mm-Filme und VHS, konnte und wollte das Paar keine technische Entwicklung verpassen.

In ihrem Haus in Neukenroth geht wohl jedem Technik-Liebhaber das Herz auf: Von zwei Schnittplätzen über DVD-Kopiermaschinen bis hin zu einem Kopter für Luftaufnahmen fehlt es an nichts. In über 40 Jahren "Filmgeschichte" musste Rainer Steiger natürlich auch einiges an Lehrgeld bezahlen, ohne das ginge es gar nicht.
Immer mit dabei, seit Anfang an, ist seine Frau Roswitha. Und das ist für Rainer Steiger unheimlich wichtig. "Meine Frau steht dann meist an einer anderen Kamera. Und das funktioniert einfach richtig gut. Wir sind perfekt aufeinander eingespielt." Es brauche gar keine Worte, Blickkontakt reiche, ergänzt Roswitha.


Noch viele Projekte im Hinterkopf

Ihr Hobby ist spätestens seit der Firmengründung von "Public Address" im Jahr 1989 zum Beruf geworden. Doch für ihren Lebensunterhalt sei das Filmen nicht wichtig. Einfach damit aufzuhören und "nur Rentner zu sein", das können sich die beiden jedoch auch nicht vorstellen. "Wenn man das so viele Jahre macht, kann man nicht einfach aufhören. Besonders wenn einem noch so viele Projekte im Kopf rumschwirren."