"Ganz ohne Kerwa geht´s nicht!" Mit diesen Worten eröffneten die Erste Vorsitzende der Nordhalbener Kerwagesellschaft, Julia Schnura, sowie ihre Stellvertreterin Aileen-Vic Hönisch die abschließende Planungs- und Organisationsversammlung zur Nordhalbener Kerwa 2020. Wie viele andere Veranstalter müssen auch die Organisatoren, welche vom 1. bis 5. Oktober eine der mittlerweile größten Kirchweihfeste im Landkreis Kronach ausrichten, die Auflagen und Einschränkungen, die sich aus der aktuellen Pandemie-Situation ergeben, berücksichtigen.

Aus diesem Grund waren auch einige Vertreter Nordhalbener Vereine und Institutionen, der Hilfsorganisationen sowie der örtlichen Gastronomie zu dieser Sondersitzung gekommen, um das eigentlich seit Jahren gleiche Programm coronakonform neu zu gestalten beziehungsweise anzupassen.

Es wurde festgelegt, dass die "fünfte Jahreszeit" wie gewohnt am Donnerstagabend mit den Böllerschüssen der Soldaten- und Reservistenkameradschaft starten soll, gefolgt vom großen Geläut aus dem Glockenturm des "Geburtstagskindes", der St.-Bartholomäus-Kirche in der Ortsmitte.

Anders als in den letzten Jahren wird dann allerdings das weitere Prozedere ablaufen. Denn der Auftakt-Umzug zum Kerwaplatz an der Klöppelschule musste ebenso gestrichen werden wie das gemeinsame Singen des "Nordhalbener Heimatliedes".

Helmut Beetz führte hierzu die geltenden Anordnungen an, an die sich der von ihm geführte Spielmannszug des ATSV zu halten habe. Auch deshalb soll und wird sich das komplette Eröffnungsspektakel nur am Kriegerdenkmal und nur im eher kleinen Kreis der Kerwagesellschaft abspielen, denn auch die Tanzaufführungen der Kindergarten- und Schulkinder, sowie die mittlerweile legendäre Auftaktparty fallen aus.

Die "Kerwarunde" entfällt

Ohne größere Höhepunkte wird in diesem Jahr auch der Freitag vonstattengehen, an dem eigentlich am Nachmittag die "Kerwarunde" per Traktor und Anhänger und abends die beliebte "Scheunenparty" im "Christoph" stattgefunden hätte. "Wir überlegen uns gerade eine Alternative, wie wir trotzdem etwas Leben auf die Straße bekommen", so Kerwa-Chefin Julia Schnura, die mit ihrer großen Schar an "Kerwamaala und -buum" eigentlich fünf Tage im Ausnahmezustand verbringt.

In Planung sei dabei in Zusammenarbeit mit ihrem Vater Horst Schnura auch eine zweite Auflage des Bilderrätsels "Tour ve Nordhalm", die sozusagen als "Kerwa-Edition" wieder Familien und Kinder für einige Zeit beschäftigen und auch die Heimat ein Stück näherbringen solle.

Wie Kevin Wunder, zuständig für den "Kerwaplatz" mitteilte, bleibt es auch auf diesem Areal, wo sich normalerweise das Karussell dreht und man an Los- und Schießbude sein Glück versuchen kann, in Absprache mit der Schaustellerfamilie Pakull leer. Auch das "Haus des Gastes" als weiterer Treffpunkt bleibe an allen Kirchweih-Tagen geschlossen.

Gerd Hornfeck von der Musikkapelle Nordhalben bedauerte, dass die beliebten "Haustür-Ständchen", die eigentlich am Samstag und Montag gespielt werden, ausfallen müssen. Besser sieht es hingegen für den Samstagnachmittag aus, wo nach den jüngsten Lockerungen zumindest am Sportplatz des FC Nordhalben halbwegs "Kerwa-Normalität" eintreten kann. Dort wird sich aller Voraussicht nach die SG Nordhalben I mit dem FC Burggrub im Kreisklassenspiel duellieren. Zuvor kann man den beiden neu gegründeten Teams der SG Nordhalben II und der FC-Nordhalben-Altliga im direkten Aufeinandertreffen erstmals offiziell zusehen.

Ob und wann die Spiele wie dargestellt stattfinden, wird in den nächsten Tagen entschieden, da zum Beispiel die SG I laut aktuellem BFV-Spielplan am Sonntag ein Auswärtsspiel bestreiten müsste, was zur Kerwa eigentlich ein Unding ist. Die Erste Vorsitzende des FC, Stefanie Birke, steht dazu aktuell in Verhandlungen mit den Burggrubern, um das Spiel doch noch auf die Sportanlage an der Lobensteinerstraße zu holen.

Dieter Schultes vom FC wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Abhaltung der Spiele einem strengen Hygienekonzept unterliegt, welches in den vergangenen Wochen ausgearbeitet wurde. Da die Zahl der zugelassenen Zuschauer höchstwahrscheinlich erreicht wird, riet Schultes zum rechtzeitigen Erscheinen auf der Sportanlage.

In seiner Funktion als Präsident des "60er-Fanclubs" ging Kevin Wunder auf die Absage des "Kerwatanzes der Generationen" ein. Dieser sei aufgrund der nicht einzuhaltenden Abstands- und Hygieneregeln undurchführbar, so Wunder.

Der eigentliche Haupttag, der Kirchweihsonntag, beginnt ohne die obligatorische Kirchenparade, wovon das Hochamt in St. Bartholomäus aber nicht betroffen sei, wie die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Tanja Stumpf, mitteilte. Um 10 Uhr wird dann auch im Gotteshaus für alle Angemeldeten genügend Platz sein, um einen würdigen Kirchweihgottesdienst abhalten zu können.

Standkonzert als Ersatz

Als Ersatz für die wegfallenden Ständerla und das eigentlich traditionell für Sonntagabend anberaumte Wirtshaussingen des Frankenwaldvereins habe sich die Musikkapelle dazu entschlossen, von 16 bis 17 Uhr ein Platzkonzert am Lindenplatz abzuhalten, wie Gerd Hornfeck mitteilte. In diesem Rahmen soll und darf dann auch das "Nordhalbener Heimatlied" live erklingen.

Wichtige und durchaus gute Nachrichten gab es dann doch noch am Ende der Versammlung, denn wie bestätigt wurde, sei die "Grundversorgung" der Bevölkerung mit den beliebten Kerwaspeisen in den Gasthäusern "Bondi", "Wagner", "Grazer" und "Maut" gewährleistet.

Alle Gastrobetriebe wiesen aber vorsorglich darauf hin, dass man in den Genuss der kulinarischen Kerwa-Highlights nur durch Bestellung oder Reservierung komme. Auch die Fans von André Wunders Bratwürsten und Steaks können sich freuen. Dessen Bratwurstbude wird am Donnerstag, Freitag und Sonntag am Lindenplatz direkt an der Hauptstraße geöffnet sein.

Der Kerwaausklang am Montag ähnelt dann dem Auftakt. Die Kerwa 2020 findet ohne Auszug, ohne Spielmannszug, aber mit den Böllerschüssen ihren Abschluss.

Am Ende appellierten die beiden Kerwa-Chefinnen Julia Schnura und Aileen-Vic Hönisch an die Vernunft aller Beteiligten und der Bevölkerung, sich trotz "Kerwa-Laune" an die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln zu halten. Sie waren aber froh, dass man trotz aller Einschränkungen ein kleines Rahmenprogramm aufrechterhalten konnte.