Nachdem Michael Büttner aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Marktgemeinderat in der letzten Sitzung vom 1. September 2020 zur Verfügung gestellt hat, wurde nun Karl Roth als sein Nachrücker im Gremium von Bürgermeister Michael Pöhnlein vereidigt.

Tobias Semmler vom Ingenieurbüro IVS aus Kronach informierte über die geplante Photovoltaikanlage zwischen der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Oelsnitz-Rodachtal und der Rodach. Hier müssen der Bebauungsplan sowie der Flächennutzungsplan geändert werden.

Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde erarbeitet, die Anlage steht auf Pfählen, die nur in den Boden gerammt werden und hat deshalb keinen Eingriff in die Natur. Die Ausgleichsflächen befinden sich auf dem Gebiet des Abwasserzweckverbandes gleich südlich der Anlage. Es wird keine störende Blendwirkung geben und das Areal wird aus versicherungstechnischen Gründen eingefriedet.

Nach kurzen Rückfragen des Gremiums bezüglich der Befestigung der Pfosten in sumpfigen Gelände und ob die Sonnenstrahlung reicht, konnte Tobias Semmler hier beruhigen, die Pfosten seien tief genug eingesetzt und die Vorstellungen des Zweckverbandes bezüglich der Wirtschaftlichkeit seien voll erfüllt.

Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) meinte, der Zweckwasserverband begrüße dieses Projekt. Es werde niemand stören, denn es befindet sich doch in einem nicht benutzten Gebiet. Durch Einsparungen im Verband werde auch der Bürger profitieren. Der Beschluss, in diesem Bereich den Bebauungsplan und den Flächennutzungsplan als Sondergebiet zur Nutzung erneuerbarer Energien auszuweisen, wurde einstimmig gefasst.

Probelauf in sieben Haushalten

Andreas Hamper vom Fraunhofer-Institut ILS Nürnberg informierte über das Projekt "DigiOrt" mit einer Präsentation. Der Caritas-Verband und das Fraunhofer Institut haben im Oberen Rodachtal das "Digitale Gesundheitsdorf Oberes Rodachtal" 2019 ins Leben gerufen und vorgestellt. Seit August 2020 wurde nun in sieben Haushalten die Gerätetestphase gestartet. Die Testphase läuft bis Mai 2021 und erprobt, welche Geräte und Einsatzszenarien sinnvoll oder weniger sinnvoll sind. Aktiv mitentwickeln und gestalten, so ist die Devise für die Haushalte.

Uhren, Messgeräte, Schlafmatten

Martina Simon, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fraunhofer ILS und Janet Januszewski vom Caritasverband Landkreis Kronach stehen während des Geräteeinsatzes für Fragen telefonisch zur Verfügung. Der Gerätetest bezieht sich auf digitale Armbanduhren zur Messung der Schrittzahl, digitale Blutmessgeräte, digitale Waagen, Fitnessshirts mit Sensoren, Schlafmatten oder auch Fiebermessgeräte. Viele dieser Geräte sind besonders jetzt in der Corona-Pandemie sinnvoll einsetzbar.

Diese Technologie bzw. die Assistenz- und Monitoringgeräte werden als handlicher Server im Frühjahr 2021 in jedem Testhaushalt installiert und speichert alle Daten sicher und datenschutzkonform. Jede Testperson kann somit selbst entscheiden, Daten beispielsweise an den Hausarzt, Pflegedienst oder Angehörige weiterzugeben. Damit wird der Informationsaustausch und die Abstimmungsprozesse erheblich vereinfacht und beschleunigt.

Mit diesem Projekt steht die Digitalisierung im ländlichen Raum im Fokus. Die digitale Nachbarschaftshilfe ist hier ein bedeutender Baustein. Dadurch soll auch ein hohes Maß an Lebensqualität gewährleistet werden, wenn nicht mehr so viel Infrastruktur vorhanden ist bzw. die starken Dorfgemeinschaften immer weiter wegfallen. Es sollen Standortnachteile ausgeglichen und Gemeinschaft wieder hergestellt werden. Digitale Lösungen können hierbei helfen.

Alt werden im eigenen Zuhause

In der Praxis sieht es so aus, dass man so lange wie möglich im eigenen Zuhause bleiben kann und durch eine sichere Kommunikationsplattform mit den Angehörigen, dem Pflegedienst, dem Hausarzt oder auch ehrenamtlichen Helfern vernetzt ist. Man kann dadurch den Alltag selbst "in die Hand nehmen" und seine Daten dorthin weitergeben, wo es nötig ist und man Hilfe oder Informationen braucht.

Hans Blinzler (CSU) fragte nach, ob es auch einen lokalen Ansprechpartner geben werde. Hier konnte Janet Januszewski zusagen, dass nach Fertigstellung des Gerberhauses in Steinwiesen dort ein Platz zum Anschauen der Geräte und die Beratung geschaffen wird. Im Bezug auf die Frage von Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) nach der Datensicherheit konnte Andreas Hamper beruhigen, denn Gesundheitsfragen der einzelnen Patienten würden nicht allgemein auf der Plattform behandelt. Die Daten werden nur von den Leuten eingesehen, die sie einsehen sollen.

Im Zuge von DigiOrt startet die Erprobung der digitalen Nachbarschaftsplattform im Oberen Rodachtal mit der App "BayernFunk". Sie wurde als Teil des Projektes "Digitale Dörfer" entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Versicherungskammer Bayern und dem Fraunhofer IESE Kaiserslautern realisiert. Janet Januszewski vom Caritasverband Landkreis Kronach stellte diese digitale Nachbarschaftsplattform vor. Sie soll eine soziale Vernetzung und Hilfestellung innerhalb der Kommune ermöglichen.

Kostenlose App

Die kostenlose App für mobile Endgeräte ist für Nordhalben, Steinwiesen und Wallenfels verfügbar. Sie bietet den Bürgern die Möglichkeit zur sozialen Vernetzung, Information und Nachbarschaftshilfe und zwar lokal innerhalb der individuellen Voreinstellung der Reichweite auf der geografischen Karte. Das heißt, nicht die ganze Welt bekommt die Daten zu Gesicht, wie z.B. bei Facebook oder Twitter, sondern nur das Gebiet, das man selbst bestimmt hat.

Plattform für viele Infos

Informationen der Gemeinde, amtliche Meldungen, Sondermülltermine und geänderte Fahrpläne sind nur einige Beispiele, die man abrufen kann. Egal ob jemand über Umleitungen informiert, Kursangebote und Stellenangebote postet, Seniorentermine und Events für Junge anbietet, die Plattform bietet unzählige Möglichkeiten.

In den Funktionen "Suche" und "Biete" kann man kostenlose Unterstützung beim Einkaufen oder im Haushalt, für Nachhilfe oder Fahrdienst zum Arzt anbieten bzw. suchen. "Geratscht" werden darf natürlich auch, öffentlich oder privat. Für die Freizeit ist die App ebenfalls ideal, man findet eine Übersicht über alle Veranstaltungen, sollten diese wieder mehr möglich sein. Auch für den Tourismus im Oberen Rodachtal ist dieses Medium sicher interessant, die Aktivitäten der Gemeinden werden dadurch vernetzt und transparent. Auch die Vereine und der Handel sowie die Gastronomie können die Plattform nutzen. Hier muss jedoch die Freischaltung bei der Gemeinde beantragt werden. Privatpersonen können sich die App ganz einfach im Play Store des Handys herunterladen.

Ansprechpartnerin für den BayernFunk im DigiOrt Oberen Rodachtal ist Janet Januszewski vom Caritasverband Landkreis Kronach. Janet Januszewski betonte, dass man deshalb testet, weil man überzeugt sei, dass das Model funktioniert und man die Hoheit über den Datenschutz habe. Die App sei vor allem kostenlos.

Aus dem Gemeinderat

Friedhof Geschäftsleiter Joachim Ranzenberger informierte im Gemeinderat über die formalen Änderungen in der Friedhofssatzung bzw. der Gebührensatzung. Diese besagt nun, dass die Gebühr nach Bekanntgabe innerhalb eines Monats fällig ist. In die Satzung wurde aufgenommen, dass das jeweilige Bestattungsunternehmen auch die Grabmachertätigkeiten übernehmen wird. Dies geschah deshalb, weil ab 1. Januar 2021 der bisherige Grabmacher nicht mehr zur Verfügung steht. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

Kindergarten Für die Sanierung des katholischen Kindergartens St. Bartholomäus muss für den Antrag für das Förderprogramm des Freistaates Bayern ein Bedarfsanerkennungsbescheid der Gemeinde vorliegen. Der Markt Nordhalben erkennt deshalb den Bedarf an 30 Regelplätzen und 20 Krippenplätzen einstimmig an.

Mobilität Michael Wunder (CSU) wies darauf hin, dass das neue Mobilitätskonzept für Nordhalben gut gelungen sei. Änderungsvorschläge seien allerdings weiterhin möglich.

Senioren Bernd Daum (FW) dankte allen Helfern, die sich am Packen und der Verteilung der Pakete für die Senioren beteiligt haben. Vor allem auch den Geschäften, die kostenlos oder besonders günstig den Inhalt zur Verfügung gestellt haben. Die Mittel hierzu wurden von der Regierung als staatlicher Zuschuss für Senioren in Corona-Zeiten zur Verfügung gestellt. Er betonte, dass in Nordhalben das Ehrenamt wirklich großgeschrieben werde.