Zum zweiten Mal sagt die Kreis-SPD die Nominierung ihres Landratskandidaten Norbert Gräbner ab. Während der erste Termin, der im Oktober vorgesehen war, wegen einer Erkrankung Gräbners abgesagt worden war, herrscht, was den angesetzten Termin für kommenden Samstag angeht, innerhalb der SPD etwas Verwirrung.
Der Termin 14. November sei noch nicht festgelegt gewesen, sagt der designierte Kandidat Norbert Gräbner: "Da war noch nichts amtlich. Das war ein prophylaktischer Termin."

Anders sieht das SPD-Kreisgeschäftsführer Thilo Moosmann, der die Presse über diesen Nominierungstermin informiert hatte: "Der Termin war abgesprochen. Kurz bevor die Einladungen an die Delegierten verschickt werden sollten, hat Norbert Gräbner uns dann um die Verschiebung gebeten." Die parteiinterne Frist sehe vor, dass die Delegierten eine Woche vor der Nominierung die Einladung im Briefkasten haben, erklärt er die Kurzfristigkeit der Einladung und warum die Verschiebung deshalb noch möglich war.

Gräbner sagt, dass er im Internet gesehen habe, dass der Nominierungstermin für den 14. November dann wohl festgezurrt worden sei und habe sich darüber gewundert: "Ich hab' gedacht ,Na holla, das war doch nur einer von möglichen Terminen, über die gesprochen wurde. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem ich noch krank war.'" Daraufhin habe er darum gebeten, den Termin "sofort herauszunehmen".

Warum dieser Termin an die Presse herausgegangen ist, wo doch noch nicht einmal die Delegierten eine Einladung gehabt haben, ist Gräbner schleierhaft. "Wenn ich worüber rede, kann ich doch nicht gleich damit an die Presse."


Kreisverband unterstützt Gräbner

Der Termin sei ursprünglich mal ins Auge gefasst worden, erinnert sich Gräbner, weil man vor dem Unterbezirksparteitag eine Woche später den Landratskandidaten nominiert haben wollte. "Aber ich kann das doch nicht abhängig von einem Unterbezirksparteitag machen", sagt er und will sich in Sachen Nominierung auch nicht hetzen lassen. Den Termin werde ich bestimmen", macht er deutlich. Immerhin wolle er mit Bedacht an die Sache herangehen, sich vorbereiten. Das sei wegen seiner Erkrankung in den vergangenen Wochen eben nicht so möglich gewesen. Auch so intern noch etwas zu klären. Zudem habe er am 14. November nun schon zu einem anderen Termin fest zugesagt.

Kreisvorsitzender Ralf Pohl bestätigt, dass der Termin für die Nominierung lediglich angepeilt gewesen sei, die Delegierten noch nicht eingeladen waren. Vor dem Versenden der Einladungen habe Gräbner um die Terminverschiebung gebeten. "Das ist kein Problem für mich, wenn er sagt, dass er noch Zeit braucht", zeigt Pohl Verständnis für Gräbners Bitte. Man werde ihn als Landratskandidaten der SPD natürlich unterstützen und die Vorbereitungen für die Nominierung weiter vorantreiben. Das sei es, was Gräbner damit meinen könnte, was intern noch geklärt werden müsse: "Intern sind natürlich viele Vorbereitungsarbeiten zu leisten, aber das ist bei Nominierungen ganz normal."

Davon, dass das zweimalige Verschieben des Nominierungstermins den Anschein erwecken könnte, dass Gräbner vielleicht noch einen Rückzieher macht, will Pohl nichts wissen: "Er hat gesagt, er will kandidieren. Und der Kreisvorstand wird ihn dabei auch unterstützen."

Stellvertretender Kreisvorsitzender Timo Ehrhardt bezeichnet Gräbner als "besten Kandidaten, den wir aktuell haben und ich gehe davon aus, dass er das auch macht." Er wird Gräbner unterstützen, hat er ihn doch auch als Landratskandidaten vorgeschlagen. Und immerhin wolle die SPD auch nach Oswald Marr wieder den Landrat stellen.

Auch Kreisgeschäftsführer Thilo Moosmann "ist keine gegenteilige Erklärung" bekannt, was die Kandidatur Gräbner angeht.

Und Gräbner selbst? "Das ist reine Interpretation. Das sage ich nicht", erklärt er, darauf angesprochen, dass die nochmalige Verschiebung diesen Eindruck erwecken könnte. Ob das bedeute, dass er nach wie vor daran festhält, zu kandidieren? Darauf antwortet er mit fester Stimme: "Ja, so sieht's aus."

Die Verschiebung sei rein darauf zurückzuführen, dass er den Termin 14. November als nicht fix gesehen habe und wegen seiner Erkrankung noch nicht vorbereitet gewesen sei.


Neuer Termin

Die Nominierung Norbert Gräbners als Landratskandidat soll nun im Januar stattfinden.
In einer Pressemitteilung, die Moosmann am Mittwochvormittag an unsere Redaktion geschickt hat, heißt es dazu: "Der neue Termin wird Anfang nächsten Jahres sein. Sie werden davon rechtzeitig in Kenntnis gesetzt."
Hoffentlich nicht wieder zu "rechtzeitig".


Kommentar von Corinna Igler

Auch, wenn Norbert Gräbner das mit Interpretation abtut, irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass irgendetwas faul ist: War die erste Absage noch mit Gräbners Erkrankung zu erklären, ist das Herumrudern um die zweite Verschiebung schon verwunderlich.

Heißt es da doch, der Termin sei nur mal angedacht, nicht fest ausgemacht gewesen, Kreisgeschäftsführer Thilo Moosmann sei etwas voreilig gewesen, was die Einladung der Presse angeht. Gleichzeitig heißt es aber auch, Gräbner habe am 14. November schon etwas vor und der designierte Kandidat bringt auch noch ins Spiel, dass es intern noch etwas zu klären gebe. Das wiederum erklärt der Kreisvorsitzende mit Vorbereitungen für die Nominierung. Natürlich kann es sein, dass all das zusammen kommt.

Gräbners Reaktion auf die Aussage, dass die Terminverschiebung den Eindruck erwecken könne, er überlege sich das mit seiner Kandidatur nochmal, lässt allerdings auch eine Interpretation, wie er es nennt, zu. Das Lachen, das er seiner Aussage vorausschickt, wirkt verlegen. Die Antwort "Das sage ich nicht, das ist reine Interpretation", ist auch nicht gerade ein klares Bekenntnis zur Kandidatur. Aber, wie gesagt, alles Interpretationssache.

Letztlich sagt Gräbner ja doch noch "Ja, so sieht's aus", auf die Frage, ob er denn nach wie vor vor hat, für die SPD als Landrat zu kandidieren. Wenn dem so ist, dann muss er das bei der Nominierung im Januar auch glaubhaft vermitteln, immerhin war der Start bis jetzt nicht gerade ein Vollstart. Vorausgesetzt natürlich, die Nominierung wird nicht wieder verschoben.