Im Nähzentrum in der Kulmbacher Straße in Kronach zeichnet Otto Heinisch mit Lineal präzise Linien auf Papier. Um ihn herum stehen Schneiderpuppen gekleidet in fürstlichen Mänteln und historisch wirkenden Kleidern. Aus dem Nebenraum ist das Geräusch einer Nähmaschine zu hören, an der seine Frau Elke Heinisch arbeitet. Die beiden sind für die Kostüme der Rosenberg Festspiele zuständig. Bereits im Januar haben sie mit den Arbeiten an den aufwendigen Kostümen begonnen. Dazu bekommen Elke und Otto Heinisch zuerst einige Angaben vom Regisseur, zum Beispiel darüber in welchen Zeitperioden die Stücke spielen. "Der Regisseur hat uns auch die Texte zur Verfügung gestellt. So weiß ich, um was es geht und ich finde mich leichter in das Stück", erklärt Elke Heinisch. Danach begibt sich das Paar auf die Suche nach passenden Stoffen, schließlich muss auch der Stoff zur Zeit des Stückes passen. "Dieses Jahr haben wir viel mit robusten und bestickten Stoffen gearbeitet", sagt Otto Heinisch. Auch die Qualität und die Farben der Stoffe spielen eine Rolle.


Authentizität ist wichtig

Anschließend werden die Nähschnitte für die Kostüme erstellt. "Meistens ist der Grundschnitt schon vorgegeben. Wir müssen ihn dann noch abzeichnen und je nach der Größe und der Statur des Schauspielers verändern", erklärt Otto Heinisch. Neben den Maßen erhalten die Schneider auch ein Bild von den Schauspielern, um die Kostüme individuell zum jeweiligen Typ passend gestalten zu können. Auch Krägen, Schößchen, Armformen oder Ausschnitte müssen häufig verändert werden, damit die Kleidungsstücke authentisch aussehen. Das Stück "Mirandolina" zum Beispiel spielt im 18. Jahrhundert. "Dafür sind viel Rüschen und Spitzen an den Kleidern der Grafen typisch", erzählt Elke Heinisch.

Wenn dann der Schnitt fertig ist, beginnen die eigentlichen Näharbeiten. Dieses Jahr müssen für sieben Schauspieler neue Kostüme angefertigt werden. Für die Statisten werden größtenteils schon vorhandene Kostüme aus dem Fundus der Festung verwendet. Ein komplettes Kostüm besteht aus drei bis vier Kleidungsstücken. "Für ,Mirandolina' haben wir für die Schauspieler mehrere verschiedene Kostüme angefertigt, da es in dem Stück viele Umwandlungen und Veränderungen gibt", erläutert Elke Heinisch.

Wenn das Kostüm genäht ist, wird es am Körper des Schauspielers abgesteckt und gegebenen Falls nachbearbeitet. Mit den Anproben und den Nacharbeiten sind Elke und Otto Heinisch jetzt in den letzten Wochen vor dem Start der Festspiele beschäftigt. "Zurzeit haben wir damit zu tun, die Kostüme anzupassen, damit sich die Schauspieler bewegen können und Spaß am Spiel haben", erzählt Elke Heinisch.


Auf die Schleppen getreten

Auch bei den Kostümproben auf der Festung werden die beiden dabei sein, um zu sehen, wie ihre Werke in Aktion aussehen. "Vor einigen Jahren zum Beispiel gab es viele Kleider mit langen Schleppen. Bei der Kostümprobe haben wir dann gemerkt, dass es nicht funktioniert, weil die Schauspieler auf die Schleppen getreten sind", erinnert sich Elke Heinisch. Die Kostüme für das dritte Stück im Programm der Rosenberg Festspiele - "Das Dschungelbuch" - werden nicht von Elke und Otto Heinisch angefertigt. Die Schauspielbühnen in Stuttgart stellen diese zur Verfügung. In Kronach werden nur noch ein paar letzte Änderungen vorgenommen.