Tatort: die Reeperbahn unweit der Davidwache. Tat: ein Mord. Täter: Armin K., ein Franke. Zeugin: Zodwa S., ebenfalls aus Franken. Armin K. hat inzwischen rund 50 Morde im Rotlichtmilieu auf dem Kerbholz. Wenige Minuten nach dem Mord trifft die Zeugin den Täter wieder. "Passt scho!" - "Freilich!" Armin K. und Zodwa S. fränkeln vertraut miteinander. Ist die Zeugin eine Komplizin? - Nein: Armin Kahl und Zodwa Selele sind Kollegen. Musical-Darsteller.

Die beiden Franken spielen die Hauptrollen in "Sister Act", Zodwa die Barsängerin Deloris (Filmrolle: Whoopi Goldberg), die als Kronzeugin des Mordes in einem Nonnenkloster Unterschlupf suchen muss. Armin Kahl ist ihr Verfolger, Rotlichtbaron Curtis Shank. Dessen "Mord" ist im Musical im Operettenhaus an der Hamburger Reeperbahn Nebensache. Im Mittelpunkt steht ein ganz anderer Dreiklang: Freundlichkeit, Wahrhaftigkeit, Menschlichkeit.
Charaktereigenschaften, die der Hauptdarstellerin im wirklichen Leben viel bedeuten. Zodwa Selele ist in Franken auf eine evangelische Ganztagsschule gegangen. Der Glaube spielt für die gebürtige Hoferin auch heute in Hamburg eine wichtige Rolle: "Ich bete täglich."


Konflikt zwischen Rolle und Glaube


Dennoch schlüpft sie in die Rolle einer wenig erfolgreichen Barsängerin, für die das Nonnenleben ein Alptraum ist. In Gewissenskonflikte gerät die bekennende Christin angesichts ihres Rotlicht-Parts in dem Stück nicht. "Ich spiele hier nur eine Rolle. Das hat nichts mit meinem eigenen Glauben zu tun. Bestimmte Situationen sind in dem Stück für mich authentisch, andere sehr speziell und grenzwertig." Textpassagen wie "Gott will nichts von mir. Ich will nichts von ihm" sind ihr zu Beginn nicht leicht über die Lippen gekommen.

In so einer Konfliktsituation hilft der Austausch mit Kollegen, insbesondere den fränkischen. "Vielleicht verstehen wir uns so gut, weil wir eine Sprache sprechen: Fränkisch", hat Armin Kahl eine Erklärung für die gemeinsame "Wellenlänge". War exakt dieser fränkische Einschlag zunächst ein K.-o.-Kritierium für ihre Musical-Karriere, so schweißt die spezielle Aussprache die beiden Franken in Hamburg nun noch enger zusammen.
Bei jeder Gelegenheit - ihre Garderoben liegen direkt nebeneinander - greifen die beiden tief in die fränkische Wortschatzkiste. "Ich kann den fränkischen Dialekt inzwischen ein- und ausschalten", sagt die in Hof geborene Zodwa Selele. Noch vor Jahren ist sie schier an ihrer fränkischen Aussprache verzweifelt. "Ich habe ein Jahr gebraucht, um mir den fränkischen Einschlag in der Sprache abzutrainieren." Wie sehr sie den fränkischen Dialekt vermisst hat, erkennt sie daran, dass sie "mit Armin im letzten Jahr so viel Fränkisch gesprochen hat wie seit Jahren nicht mehr."


Affe will Profi-Boxer werden


Die 34-Jährige und der 35-Jährige tauschen sich künstlerisch ebenso wie privat aus. "Zowi hatte zum Beispiel viel Verständnis dafür, dass ich in den ersten gemeinsamen Proben teilweise noch affenartige Bewegungen gemacht habe. Warum? Weil ich drei Jahre in ,Tarzan‘ gespielt habe. Diese besondere Körperhaltung musste ich mir - wie damals den fränkischen Dialekt - gezielt abtrainieren. Einmal habe ich mir unbewusst richtig auf die Brust geboxt!" Boxen - dann aber richtig. Das schwebt Armin Kahl ab Herbst vor. Armin Kahl hat sich für die Hauptrolle im Musical "Rocky" beworben.

Unabhängig davon, ob der gebürtige Erlanger dieses Engagement bekommt, werden sich die Wege der beiden Franken ab Sommer wieder trennen. "Sister Act" läuft in Hamburg aus, wandert nach Stuttgart. Im Operettenhaus in Hamburg, wo jetzt Nonnen singen, schwingt künftig der Boxer Rocky - vielleicht ein Franke - die Fäuste.
Zodwa Selele will noch nichts über künftige Engagements verraten. Nur so viel: "Ich bin zu alt für junge Rollen und zu jung für alte Rollen. Mein Vorteil: Ich sehe jünger aus, als ich bin", so die gebürtige Fränkin. "Ich habe gute Gene."

Auch wenn Armin Kahl und Zodwa Selele nur bis zum Sommer gemeinsam auf der Bühne stehen werden: Die Gefahr, dass sich die Franken aus den Augen verlieren, besteht nicht. Kahl pflegt die fränkischen Beziehungen beruflich und privat sehr gezielt.

Mit Landsmännern und -frauen geht er in diesem Jahr in der Heimat zum zweiten Mal auf Tour "Franken meets Musical". Auftakt ist Ende April in Rothenburg ob der Tauber (27. April), Herzogenaurach (28. April) und Bad Königshofen (29. April). Außerdem "lade ich hier in Hamburg drei- bis viermal im Jahr Franken - auch Bayern und Österreicher - zum Essen ein. Wenn du aus dem Süden kommst, dann hältst du hier im Norden zusammen."
Bei Castingshows werden sich Selele und Kahl definitiv nicht sehen. Die gebürtige Hoferin hat eine klare Meinung: "Casting shows sind nichts für mich. Manche sind so angelegt, dass man Teilnehmer bewusst auch lächerlich macht. Talent ist dort zweitrangig. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wenn ich an ,Voice of Germany‘ oder ,Ein Star für Baku‘ denke." Und Armin Kahl kann sich einen Fernsehauftritt nur branchenfremd vorstellen. "Da ich gerne koche und zehn Jahre in der Gastronomie gearbeitet habe, möchte ich einmal im ,Perfekten Dinner‘ mitmachen."


Diese Musical-Darsteller kommen aus Franken:

Zodwa Selele

geboren in Hof, aufgewachsen in Kirchenlamitz

Aktuelles Engagement Erstbesetzung der Deloris im Musical "Sister Act" (Hamburg)

Die in Hof geborene Südafrikanerin absolvierte zunächst eine Ausbildung als Wirtschaftskorrespondentin für Englisch. Anschließend machte sie aus ihrer Passion - Gesang und Tanz - eine Profession. Noch während ihres Vollstipendiums an der Joop van den Ende Academy in Hamburg wurde sie für Elton Johns "Aida" als Nehebka und Zweitbesetzung der Aida engagiert. 2006 machte sie ihren Diplom-Abschluss zur Musicaldarstellerin. Nach Aida spielte Zodwa in Disneys "König der Löwen" als alternierende Hauptrolle Nala in Hamburg. 2009 spielte sie in der preisgekrönten Tourproduktion von "Ray Charles - The Musical" die Doppelrolle der Marggie und Barlady. Zuletzt stand die 34-Jährige in Köln bei "Hairspray" auf der Bühne, bevor Whoopi Goldberg sie als neue Deloris für die Deutschlandpremiere von "Sister Act" wählte.


Uli Scherbel

geboren in Kronach, aufgewachsen in Rothenkirchen

Aktuelles Engagement Erstbesetzung des Fred im Musical "Ich war noch niemals in New York" (Stuttgart)

Bevor es Uli Scherbel auf die Bühne zog, machte er sein Examen als Krankenpfleger. Danach studierte der Franke an der Berliner Universität der Künste und schloss seine Ausbildung als Diplom-Musicaldarsteller mit Auszeichnung ab. Außerdem gewann er auch den ersten Preis beim Bundeswettbewerb Gesang/Musical. Seitdem stand er in zahlreichen Hauptrollen auf der Bühne. So spielte er den Claude in "Hair" und die Titelrolle in "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat" in Essen, Brad in "The Rocky Horror Show" und d'Artagnan in "3 Musketiere". In "Cats" war Uli als Skimbleshanks, Munkustrap und Rum Tum Tugger zu sehen, und in "Cyrano de Bergerac" als Christian. In "Die Schöne und das Biest" stand er als Lumière, Biest und Gaston auf der Bühne und in "Crazy for you" spielte er die Rolle des Bobby Child. Der heute 41-Jährige spielte schon in Hamburg in "Ich war noch niemals in New York", zog dann mit der Produktion nach Stuttgart.



Armin Kahl

geb. in Erlangen, aufgewachsen in Höchstadt a.d. Aisch

Aktuelles Engagement Bösewicht Curtis Shank in "Sister Act" (Hamburg)

Armin Kahl absolvierte seine Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie "August Everding" in München und schloss diese 2004 mit dem Diplom ab. In der Landeshauptstadt startete auch seine Bühnenkarriere, wo er unter anderem in der Oper "King Arthur" und Bernsteins "on the town" zu sehen war. Am dortigen Prinzregententheater und am Opernhaus Erfurt spielte er in "City of Angels" die Hauptrollen des Munioz und Mr. Stone. Für seine Interpretation des Luigi und Tony in "Lucky Stiff" am E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg wurde der heute 35-Jährige mit der "TZ-Rose" der Münchner Tageszeitung ausgezeichnet. In der Stuttgarter Inszenierung des Abba-Musicals "Mamma Mia" stand Kahl als Erstbesetzung des "Sky" auf der Bühne. Danach ging er auf Europatournee mit dem Disney-Musical "Aida" als alternierender Radames und als Zweitbesetzung des Zoser/Pharao.
Die Welturaufführung von "Elisabeth - Legende einer Heiligen" brachte ihn als Erstbesetzung des Markgrafen Ludwig nach Eisenach und Marburg. 2007 zog er dann für "Ich war noch niemals in New York" nach Hamburg, wo er 2008 die Rolle des Tarzan im Musical "Tarzan" übernahm.



Manuel

Steinsdörfer

geboren in Schwabach

Aktuelles Engagement Princeton in "Avenue Q" (St. Gallen und Mannheim)

Manuel Steinsdörfer sammelte schon früh Bühnenerfahrung. Als Jugendlicher trat er als Sänger in einer Jazzband auf und spielte in "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat". Nach dem Abitur begann Steinsdörfer seine Ausbildung an den Stage-Holding-Studios in Hamburg und studierte ab 2004 an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München. Nach seinem Abschluss zum Diplom-Musicaldarsteller stand er sowohl in Wien als auch im Berliner Admiralspalast in Mel Brooks' "The Producers" auf der Bühne.
Aber auch schon während seiner Ausbildung konnte das Publikum den heute 28-Jährigen in "Der kleine Horrorladen" in München und "Manche mögen's heiß" auf der Seebühne Brunnen erleben. Später war der gebürtige Schwabacher als Jack Daw in "Buddy - Die Buddy Holly Story" im Essener Colosseum-Theater zu sehen.



Roberta Valentini

geboren und aufgewachsen in Nürnberg

Aktuelles Engagement Ulla im Musical "Kein Pardon" (Düsseldorf)

Sie lernte zunächst den Beruf einer Groß- und Außenhandelskauffrau. Von 2002 bis 2006 studierte sie Gesang, Tanz und Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie in München. Erste Erfahrungen im Bereich Musical sammelte sie auch als Eponine in "Les Misérables" am Hoftheater Nürnberg. Im November 2003 stand sie als Daisy im Musical "Fletsch - Saturday Bite Fever" auf der Bühne.Ein Jahr später trat sie im Prinzregententheater als Solistin in der Gala "Bring on Tomorrow" auf. In Sondheims "Into the Woods" wirkte sie an gleicher Stelle im März 2005 als Florinda mit. Ab Oktober 2007 spielte Valentini im Musical "Wicked, die Hexen von Oz" im Palladium-Theater Stuttgart als "Elphaba". Von Januar bis Mai 2009 spielte sie die Marie Antoinette im gleichnamigen Musical in Bremen. Im Herbst 2011 war die heute 30-Jährige die Florence Vassy im Musical "Chess" im Stadttheater Bielefeld.


Thada

Suanduanchai

geboren in Berlin, aufgewachsen in Nürnberg

Aktuelles Engagement Eddie Fritzinger in "Sister Act" (Wien)

Thada Suanduanchai absolvierte sein Studium an der Bayerischen Theaterakademie. Im Rahmen seines Studiums wirkte er in Stücken wie "And the World goes Round", "City of Angels", "Lucky Stiff" und "Into the Woods" mit. Er gehörte drei Sommer lang zu dem Ensemble der Bregenzer Festspiele, wo er auch in "La Bohème" oder "West Side Story" mitwirkte. Nach seinem Studium war Suanduanchai in Stücken wie "Jesus Christ Superstar" (Apostel), "Marilyn - Das Musical" oder "La Cage aux Folles" (Jean-Michel) zu sehen. 2007 zog es ihn in die Bundeshauptstadt zu "Mamma Mia!". Nach einem Engagement im Essener Colosseum-Theater bei "Ich will Spaß" führte ihn sein Weg nach Tecklenburg ("Evita"). Dort und in Coburg stand er als Mereb in Elton Johns Musical "Aida" auf der Bühne.2010 gehörte der heute 30-Jährige zur Premierenbesetzung von "Sister Act" in Hamburg.