Von einer Sekunde auf die andere konnte er sich kaum bewegen, nichts mehr greifen oder gar sprechen. Die ganze rechte Seite war wie in einen tiefen Schlaf versunken. Er wollte etwas sagen, aufstehen, die rechte Seite wieder wachschütteln und das tun, was sonst so selbstverständlich erschien - doch es ging nicht.
Über Nacht erlitt Thomas Baier aus Kronach mit 35 Jahren einen Schlaganfall, der sein Leben verändern sollte.


Kein leichter Weg

Klinikaufenthalte, Reha, Therapien, Schmerzen und schwere Zeiten standen ihm bevor. Doch er ließ sich nie unterkriegen, kämpfte, suchte immer wieder nach neuen Wegen und steht heute mit beiden Beinen wieder engagiert und neugierig im Leben.
Ob als freundlicher Stadtführer, echter Türmer oder begeisterter E-Bike-Fahrer - er ist stets auf Achse: "All das kostet mir viel Mühe und Willen", gibt Thomas Baier zu. Doch auch wenn nicht jeder Tag leicht fällt, die rechte Seite schmerzt oder er das ein oder andere Wort erst suchen muss, ist das für Thomas Baier kein Grund, um Aufzugeben: "Arsch zusammenkneifen und dann geht es weiter", so das Motto des Kronachers, der nun mit seiner Lebensgeschichte und seinen Erfahrungen anderen Menschen Mut machen möchte: "Ich habe vor sieben Jahren begonnen, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Ich hoffe, dass sich darin vielleicht der eine oder andere wiederfindet und neue Hoffnung schöpft", erzählt er über sein Vorhaben und hält dabei strahlend sein Buch "Mit einem Schlag alles anders" in der Hand.


Zurück zu den Anfängen

"Ich habe es so geschrieben, wie ich es auch erzählen würde", weist Thomas Baier auf seine einfache, direkte Art hin und hofft außerdem auf Verständnis in Sachen Rechtschreibung - denn das gehöre, genau wie sein Schlaganfall, zu ihm: "Alles musste ich neu lernen, also auch, wie man spricht und schreibt."
Das Cover, das er von Stephanie Müller aus Kronach zeichnen ließ, drücke zusätzlich genau das aus, was er bezwecken wollte: "Das Perfekte weicht dem Ursprung. So einfach gehalten, wie ich neu anfangen musste", freut sich Thomas Baier und blättert dabei seine rund 200 Seiten Lebensgeschichte durch.


Die richtige Kurbel finden

Sein Buch soll aber nicht nur Schlaganfallpatienten ansprechen. Er will allgemein Perspektiven und Möglichkeiten aufzeigen und von seiner Suche nach Alternativen berichten: "Ab einem gewissen Punkt ist es mit den Ärzten erledigt. Was macht man dann? Mittlerweile weiß ich, dass körperlich viel mehr möglich ist. Man muss nur die richtige Kurbel finden, mit der man Körper und Geist ankurbeln kann", berichtet Baier und denkt dabei neben seiner Familie an seine Patin, die ihn immer unterstützt hat und der er seinen Neubeginn mitzuverdanken hat: "Dank ihr habe ich begonnen, meinen Schlaganfall anders zu sehen."


Zukunft vorausgesagt

So beschreibt er in seinem Buch neben vielen verschiedenen Therapieformen auch das spannende Gespräch mit einem Medium: "Es ist unglaublich, dass sich Stück für Stück alle Hinweise als wahr herausstellen. Nichts passiert ohne Grund. Ich habe viele Leute kennen gelernt und Schlüsselmomente erlebt, die mich Stück für Stück weitergebracht haben."
Genauso habe er in den vergangenen Jahren viele gute Freunde verloren und neue dazugewonnen: "Manche haben für eine solche Situation kein Verständnis. Sie wundern sich, wenn ich mich an den kleinen Dingen im Leben erfreue", beschreibt Baier seine veränderte Sicht aufs Leben.
Typische Pläne wie Haus, Auto oder Erfolg im Beruf sind für den 45-Jährigen von einem Ta auf den anderen unwichtig geworden: "Plötzlich ist das Leben wichtig und das, was es einem bieten kann", erklärt Baier und fügt hinzu, dass er mit seinem Buch auch die heutige Zeit entschleunigen möchte, um das zu erörtern, worauf es ankomme im Leben: "Ich hoffe, dass sich viele in meinem Buch wiederfinden können und ein Aha-Erlebnis haben."
Momentan befindet sich das das Buch noch im Druck. Ab Anfang Dezember wird es dann veröffentlicht: "Ich habe meine Telefonnummer ins Buch geschrieben. Wenn Leute einen Tipp brauchen, können sie mich jederzeit anrufen."