Unlängst wurde der Personalleiter der Wiegand-Glas Gruppe, Matthias Fröba, offiziell aus dem Unternehmen verabschiedet. Er hatte fast 40 Jahre lang diese Funktion inne. Langjährige Weggefährten, die Geschäftsführer Oliver, die Seniorchefs Konrad und Joachim Wiegand sowie Vertreter aus Politik, Schule und Wirtschaften waren bei der Abschiedsfeier mit dabei. "Der Fröba und Wiegand", das gehört zusammen. So denken zumindest eine Menge Leute aus der Rennsteig-Region. Und das ist nachvollziehbar, denn seit Frühjahr 1978 war Matthias Fröba bei Wiegand-Glas als "Personalchef" eingesetzt.
Noch gut erinnert sich Matthias an seine zweite Woche. Damals musste er seine erste Rede bei einer Beerdigung halten. Er hatte keinen schwarzen Anzug, also habe er sich kurzfristig den von seinem Vater ausgeborgt.
Als er vor die trauernden Angehörigen trat, "hatte ich mein Herz im Zwickel der Hose!" Matthias Fröba hat die rasante Entwicklung des Unternehmens erlebt. Die Mehrheit der Belegschaft hat er eingestellt. Im Jahre 1978 waren knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt, aktuell sind es 1800.
Er erwähnte Meilensteine in der Geschichte von Wiegand-Glas, beispielweise den Aufbau des Glaswerkes und der Pet-Verpackungen in Großbreitenbach, die Gründung der Vertriebsniederlassung und Spedition Trencin/Slowakei, der Aufbau von Glas-Cycle in Wandersleben, das Joint-Venture von Wiegand-Glas bei Nampak Glass in Südafrika.
Weiterhin berichtete er vom Kauf des Glaswerkes in Schleusingen und zuletzt von der Übernahme des Glaswerkes in Ernstthal.
In seinem Job, so erzählt er, sei es nicht nur um Lohnabrechnung, Ein- und Ausstellungen gegangenen, sondern auch um Wohnungssuche für neue Mitarbeiter, um die Teilnahme von Tarifverhandlungen etc... Ein unvergessliches Erlebnis ist für ihn auch, als er Anfang der 90er Jahre, nach der Gründung des Werkes in Großbreitenbach, mit einem leitenden Angestellten nach Arnstadt fuhr. Es ging um die Nutzung einer Halle, die den Russen gehörte. Die Halle durfte Wiegand-Glas nutzen, aber erst als sein Kollege mit den Russen eine Flasche Wodka getrunken hatte.
Mit seiner Funktion als Personalleiter waren auch weitere Positionen außerhalb von Wiegand-Glas verbunden. So übernahm er Tätigkeiten bei der Industrie- und Handelskammer, beim Verband der Deutschen Glas- und Solarindustrie, bei der AOK, bei der Deutschen Rentenversicherung, im Arbeitskreise Schule/Wirtschaft und nicht zuletzt bei der FOS am Rennsteig.
Stolz ist Matthias Fröba, dass Wiegand Glas das erste Unternehmen in Bayern war, das ein Schüler- und Lehrerpraktikum durchgeführt hat. Stolz ist er zudem, dass vor zwei Jahren das Unternehmen den ersten Preis in Bayern von den Juroren des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft bekommen hat. Sein Herz schlug und schlägt auch für die Fußballmannschaft von Wiegand-Glas.
Es sei eine schöne, mitunter aber auch schwierige Zeit gewesen, resümiert Fröba. Denn bei vielen Gesprächen und Sitzungen mussten manchmal Entscheidungen getroffen werden, die für einige nicht immer nach Wunsch ausfielen. Manchmal seien auch Inhalte danach anders kommuniziert worden.
Sein Bestreben sei es auf jeden Fall immer gewesen, Vertrauensverhältnisse aufzubauen, gemeinsame Lösungen zu finden, mit denen sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen gut leben kann. Es freue ihn, dass die "Firma heute wie ein Fels in der Brandung steht!"
"Mit Matthias Fröba geht ein Mann, der in unserem Unternehmen Spuren hinterlassen hat", so der Geschäftsführer Oliver Wiegand. Fröba habe großes Verständnis in Problemsituationen gezeigt und es immer geschafft, die Interessen der Mitarbeiter und des Unternehmens zusammenzubringen. "Seine offene Kommunikation ist legendär." Oliver Wiegand ging zudem auf die erfolgreiche Tätigkeit von Matthias Fröba als Fußballtrainer ein.
"Viele der Mitarbeiter und Kollegen haben vielleicht das im Detail nicht gesehen, was du geleistet hast", so Burkhard Zipfel, der sich im Namen der Mitarbeiter bedankte.
Der Windheimer Schulleiter, Herbert Vetter, übermittelte seitens der Schulfamilie die besten Wünsche. Er bedankte sich für die Unterstützung von richtungsweisenden Projekten, wie beispielsweise Praxistage.
"Eine Ära geht zu Ende", meinte Bürgermeister Klaus Löffler, der einst selbst von Fröba als Azubi eingestellt worden war. Und er charakterisierte Fröba so: "Er hat zwar eine raue Schale, aber einen ganz weichen Kern!"
Der Geschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Glas und Solar, Harms Lefnaer, erinnerte an gemeinsame Tarifverhandlungen. Matthias Fröba habe dabei viel Geschick bewiesen und oftmals das Ergebnis vorher gesagt. Und was will nun Matthias Fröba machen? "Irgendeine Aufgabe werde ich mir suchen!". Eine Herausforderung hat er allerdings jetzt schon zu bewältigen, nämlich er muss Saxofon lernen. Die Geschäftsführer Oliver und Nikolaus Wiegand schenkten nämlich ihren ehemaligen Personalchef zum Abschied ein Saxofon. Und von Burkhard Zipfel gab es gleich einen Gutschein für Saxofonstunden.