Der Pressiger Martin Krapp stammt eigentlich aus einer alten Eisenbahner- beziehungsweise Beamten-Familie. "Ich bin der allererste Physiker in unserer Familie", meint der 35-Jährige schmunzelnd. Lediglich sein Großvater mütterlicherseits hat etwas Technisches gemacht; dieser war Bauingenieur mit einer eigenen kleinen Firma.

Martin Krapp darf sich nun "Dr. rer. nat." nennen. Dieser akademische Grad - Doktor der Naturwissenschaften - wurde ihm nach seiner erfolgreichen Promotion in Physik durch die Universität Erlangen verliehen. Die Bewertung basiert auf seiner Forschungstätigkeit in dem von ihm gewählten Fachgebiet mit anschließender Anfertigung der Dissertation (Doktorarbeit) und mündlicher Prüfung.

Abitur in Kronach


Zur Physik kam der Pressiger, der 1996 am Kaspar-Zeuß-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, auf Umwegen. So begann er nach der Zeit am Gymnasium zunächst ein Studium der Elektrotechnik. "Ich wechselte dann aber zur Physik, weil mir das Technik-Studium zu sehr an der Oberfläche geblieben ist. Ich wollte wissen, wie die Natur und das Universum funktionieren. Das Technik-Studium hat mir einfach nicht gereicht, ich wollte tiefer einsteigen", erklärt er.

"Als ich dann zur Physik gewechselt bin, habe ich sofort gemerkt, das ist das Richtige für mich und genau das, was mich interessiert", schwärmt Martin Krapp, der sich für den Fachbereich experimentelle Teilchenpysik entschied. Die Teilchenphysik widmet sich - wie der Name schon ausdrückt - als Disziplin der Physik der Erforschung der Teilchen.

Forschung in Jülich


Seine Forschungen betrieb Krapp am Institut für Kernphysik (IKP) des Forschungszentrums Jülich, das zu den größten Forschungseinrichtungen Europas gehört. Es besteht aus vier Teilinstituten, von denen drei experimentell ausgerichtet sind und eines theoretisch ausgerichtet ist.

Der Pressiger beschäftigte sich insbesondere mit den so genannten Quarks, das sind elementare Bestandteile beziehungsweise Grundbausteine unserer Materie. "Den Begriff Atom kennt ja eigentlich jeder beziehungsweise es kann sich jeder etwas darunter vorstellen", sagt er. "Die Atome sind aber nicht die kleinsten Elementarteilchen, sondern sie bestehen aus Neutronen, Protonen und Elektronen. Diese sind jedoch wiederum aus noch kleineren Teilchen aufgebaut - eben den Quarks", erklärt Krapp, der sich begeistert von seinen Forschungen zeigt.

Feier in Pressig


"Ich habe soweit geforscht, wie man überhaupt forschen kann. Das war genau das, was ich wollte", meint der 35-Jährige, der momentan als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erlangen beschäftigt ist, sich aber für verschiedene beruflichen Richtungen und Herausforderungen offen zeigt. Wie er einräumt, hat er die mit seiner Promotion verbundenen Formalitäten und den bürokratische Aufwand schon unterschätzt. Umso glücklicher ist er, es nunmehr geschafft zu haben.

Aus diesem Anlass lud er kürzlich zu einer Feierstunde in die Gaststätte Fillweber in Neukenroth ein, zu der auch der Kronacher Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) kam. Dieser ist der Familie Krapp freundschaftlich verbunden. Der Pressiger Bürgermeister Hans Pietz (FW) war auch dabei. Beide gratulierten dem promovierten Physiker zu seinem tollen Ergebnis. Sie waren sehr stolz auf die hervorragende Leistung des 35-Jährigen.