Der Wanderer nimmt erfreut zur Kenntnis, dass die Flur und das Dorf Grössau reich mit Martern gesegnet sind. Auf die Frage, warum dies so ist, erhält man bei seinen geografischen Nachforschungen den Hinweis, dass hier ein einst viel begangener Wallfahrerweg verläuft, über den die Pilger singend und betend nach Maria Glosberg zogen und zum Teil heute noch ziehen. Dabei kommen sie an traubenverzierten Barockmartern vorüber, die sich abwechseln mit Bandelwerk geschmückten Pfeilern.

Erfreulich ist zudem, dass sich einige der Entstehungsgeschichten bis zum heutigen Tag mündlich erhalten haben, was die Denkmäler noch interessanter macht.

Dass heute alle Martern in voller Größe wieder die Flur prägen, ist der Aktion zur Rettung der Martern im Landkreis Kronach und den aufgeschlossenen Grössauer Bürgern zuzuschreiben, die diese Aktion über mehrere Jahre aktiv unterstützten.

1973 sah
es jedoch traurig um den Bestand der Martern aus, denn im Laufe der Jahrhunderte hatten einige der religiösen Denkmäler stark gelitten. So fand ich von den insgesamt acht Martern lediglich vier unversehrt vor.

Die Denkmäler "schrumpften"

Drei davon waren eingestürzt, wobei die Säulenschäfte zertrümmert und beseitigt waren. Um zumindest die Sockel und Aufsätze mit ihren Heiligenbildern zu erhalten, stellten die Besitzer die verbliebenen Einzelteile unbefestigt aufeinander. Dadurch schrumpfte die ursprüngliche Größe der Martern von über zwei Metern auf einen Meter zusammen.

Am schlimmsten war es der letzten Marter entlang des Pilgerwegs in die "Reitscher Grün" beziehungsweise nach Stockheim ergangen. Man hatte die Reste "entsorgt", indem man sie in einen mit Hecken überwucherten Hohlweg warf, der mit Bauabfällen und anderem Unrat verfüllt war. Dass hier einstmals eine Marter stand, davon zeugte lediglich noch der Flurname des angrenzenden Ackers, bekannt als "Martern acker".

Landwirt Arno Grebner, dessen Gründstücke sich in nächster Nähe befanden, erklärte sich bereit, die "Staabrockn" aus dem Hohlweg zu bergen. Auch er zeigte sich betroffen, wie man mit den verbliebenen Überresten von religiösem Kulturgut umgegangen war, das einst die Vorfahren gestiftet hatten.

Ehrensache

Er versicherte mir, dass er bislang keine Kenntnis von diesem Flurmal hatte. So sei es für ihn eine Ehrensache, dass er bei der Wiedererrichtung mitwirken und die Kosten für die Wiederherstellung der Marter tragen werde.

Unter Mitarbeit des Arbeitskreises für Heimatpflege und Bürgern aus Grössau gelang es schließlich, die von Bildhauer Schreiber restaurierte Sandsteinmarter am 9. Juli 1975 wieder aufzustellen. Nach getaner Arbeit lud der Landwirt Grebner alle Mithelfer zu einer Brotzeit am Aufstellungsort ein. Jeder Passant, der zufällig des Weges kam, musste sich der Runde anschließen und "einen Bissen essen".

In der Runde befanden sich auch einige Landwirte, die eigentlich nur zum Futterholen mit den Traktor unterwegs waren. Manche Kuh musste an diesem Abend auf ihr Futter warten, denn die anregenden Gespräche in fröhlicher Runde zogen sich "länger hin".

1975 gesegnet

Zwei Monate später, am 7. September 1975, sah man eine stattliche Anzahl Grössauer und Possecker Bürger, die vom Dorf aus zur blumengeschmückten Marter unterwegs waren, um der Segnung des Denkmals durch Pater Rink beizuwohnen. In seiner Ansprache hob der Priester die Gläubigkeit der Vorfahren hervor, an der man sich ein Beispiel nehmen könne.

Der Feier wohnte auch Bürgermeister Wich aus Pressig bei. Er dankte der Familie Grebner für deren vorbildlichen Einsatz und Opferbereitschaft und mir als Kreisheimatpfleger, dafür, dass der Heimat ein bereits als verloren gegoltenes Flurdenkmal wiedergeschenkt wurde.