Wenn am Sonntag am BRK-Dienstleistungszentrum in Steinbach am Wald das zehnjährige Bestehen gefeiert wird, dann kommen beim Leiter der Rettungswache, Bernhard Rentsch und bei der Leiterin der Sozialstation "Oberer Frankenwald", Carmen Fehn, Erinnerungen auf. Vom ersten Tag an ist das Dienstleistungszentrum ihr Arbeitsplatz.
Der Umzug von der Rettungswache in Ludwigsstadt nach Steinbach am Wald sei ihnen damals nicht leichtgefallen, erzählt Bernhard Rentsch Aber es musste sein, wegen des sogenannten Trust-Gutachtens, das eine Hilfsfrist innerhalb zwölf Minuten vorsah. Das bedeutet, dass der Rettungsdienst innerhalb dieser Zeit beim Patienten sein soll. Am Rennsteig sei das aufgrund der zentralen Lage gewährleistet.
Bernhard Rentsch verdient seit dem Jahr 1993 als Rettungsassistent seinen Lebensunterhalt. Vorher war er 16 Jahre lang ehrenamtlich im Rettungsdienst aktiv. Der Lauenhainer hat viele schöne und traurige Momente erlebt.
Beispielsweise, so berichtet er, sei es schon vorgekommen, dass Frauen im Rettungsfahrzeug ihr Baby zur Welt brachten. "Da kommt zwar ganz schön ins Schwitzen, aber es sind jedes Mal Glücksmomente!".


Man funktioniert

Es gab und gibt aber auch viele traurige Momente. So gehen Unfälle, bei denen Menschen schwer verletzt werden beziehungsweise am Unfallort sterben, an einem nicht spurlos vorüber. Sicherlich, so der 58-Jährige, funktioniert man während des Einsatzes, das muss auch so sein, denn jede Minute könne Leben retten. "Aber danach muss man immer wieder solche traurigen Ereignisse emotional verkraften."
Mittlerweile haben sich Bernhard Rentsch und sein neunköpfiges Team schon längst in Steinbach eingelebt. Zu den Damen und Herren der Sozialstation "Oberer Frankenwald" wird ein gutes Miteinander gepflegt. Diese leitet Carmen Fehn.
Während des Gesprächs klingelt das Telefon. Carmen Fehn gibt Anweisungen, bittet Mitarbeiterinnen, ob sie nicht mal außerhalb ihrer Tour bei einem Patienten vorbei schauen könnten.
Schon nach wenigen Minuten merkt man: "Ihr Job ist anstrengend!" Sie organisiert, koordiniert, hat Kontakt zu den pflegenden Angehörigen, setzt sich mit Ärzten, Pflegedienst und Krankenkassen auseinander.
Gegründet wurde die Sozialstation "Oberer Frankenwald" im Jahr 1978. Seit 1985 ist die 55-Jährige mit dabei. "Wir waren damals 1,5 Pflegekräfte mit 22 Patienten. Für Carmen Fehn war es Berufsalltag, Touren in der Rennsteig-Region zu fahren, Patienten zu pflegen. Heute ist sie "Chefin" von 30 Voll- und Teilzeitkräften. Betreut werden 170 Patienten. Touren fährt die dreifache Mutter schon lange nicht mehr. Ihr Aufgabenbereich hat sich enorm verändert.


Dreimal pro Woche AB abgehört

So wurde im Jahre 1995 die Pflegeversicherung eingeführt, die mit wesentlich mehr bürokratischen Hürden verbunden ist. "Früher lief alles über die Krankenkassen - das war unkompliziert!"Heute unvorstellbar, aber damals Realität: "Nur dreimal pro Woche hörte man den Anrufbeantworter ab!". Jetzt ist das Handy ihr ständiger Begleiter, rund um die Uhr. Auch sei es in den Anfangsjahren die Norm gewesen, dass pflegende Angehörige zu Hause waren und keinen Beruf ausübten. "Das hat sich geändert!" Die Sozialstation bietet nun eine Vielfalt von Hilfen an, damit die Patienten trotz Berufstätigkeit der pflegenden Angehörigen möglichst lange zu Hause bleiben können.
Während ihrer Berufstätigkeit sind Carmen Fehn und ihr Team fünfmal - von Kleintettau nach Tettau, über Steinbach, Teuschnitz, wieder zurück nach Steinbach ins Dienstleistungszentrum -, umgezogen. Durch das Dienstleistungszentrum, so berichtet die Leiterin, konnten auch die Leistungen der Sozialstation erweitert werden. Carmen Fehn spricht in diesem Zusammenhang von "Leben plus". Das sind Nachmittage, in denen die Senioren beispielsweise mit Musik, Basteln, etc. beschäftigt werden. Das "Essen auf Rädern" wird zwar im BRK Seniorenhaus in Ludwigsstadt zubereitet, aber die Koordination, die Organisation dieser Leistung erfolgt vom BRK-Dienstleistungszentrum aus.
Blicken Carmen Fehn und Bernhard Rentsch auf die zehn Jahre zurück, so vertreten sie die Meinung, dass der Bau des BRK-Dienstleistungszentrums in Steinbach, "An der Wasserscheide" eine richtige Entscheidung war, denn somit wurden die äußeren Rahmenbedingungen für die Herausforderungen geschaffen, die als Wach- beziehungsweise als Pflegedienstleiter erforderlich seien. Aber letztendlich komme es auf beides an, meinen Carmen Fehn und Bernhard Rentsch.


"Menschen helfen wollen!"

Auf beides? "Ja", erklärt Rentsch. Der Job als Rettungsassistent muss Spaß machen, man muss bereit sein, sich weiterzubilden und "Menschen helfen zu wollen!" "Man muss mit Herzblut dabei sein", ergänzt Carmen Fehn. Wünschen würde sie sich, dass manche Bürger mehr Verständnis für ihr Team aufbringen würden. Der Alltag bringe es mit sich, dass nicht immer alle Termine 100-prozentig eingehalten werden können. So komme es aufgrund von Straßenbaumaßnahmen, Witterungsverhältnissen und unvorhergesehene Zwischenfällen vor, dass eine Mitarbeiterin 15 Minuten später als ausgemacht beim Patienten erscheine.
Jetzt freut sie sich, ebenso wie Bernhard Rentsch sowie das gesamte Team am BRK-Dienstleistungszentrum, dass sie ihr Haus und ihren Arbeitsplatz am Sonntag, 4. September, ab 13.30 Uhr der Öffentlichkeit vorstellen können. Es gibt auch verschiedene Attraktionen, wie musikalische Einlagen, Blutgruppenbestimmung, Simulationstraining, Demonstration von Rettung und Versorgung und einiges mehr.