Zerstörung und Tod, Hunger und Elend, Angst und Not - es ist eine aufwühlende Ausstellung, die derzeit unter dem Zitat eines Friesener Soldaten kurz vor dessen Tod im Jahr 1943 ("Die Hölle kann nicht schlimmer sein") in der Dorfscheune in Friesen zu sehen ist. In sehr eindringlicher Art und Weise gibt damit die Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Friesen die Schrecken der beiden Weltkriege wieder.

"Wir wollen das Thema Krieg und dessen Sinnlosigkeit in das Gedächtnis der Bevölkerung rufen und eine Aufarbeitung ermöglichen", betonte 1. KSK-Vorsitzender Jan Kraus, als er am Montag die Ausstellung im Beisein von Vertretern aus Politik, Kultur, Vereinen, Verbänden und der Kirche eröffnete.

Zwei Jahre Vorarbeit

Über einen Zeitraum von circa zwei Jahren wurden Ausstellungsstücke; vor allem aber auch Schicksale, Geschichten und Hintergründe aus der Friesener Bevölkerung zusammengetragen. "Wir wollen aber als Soldatenkameradschaft auch einem unserer Vereinszwecke nachkommen - nämlich dem mahnenden Gedenken an die vielen Gefallenen der Weltkriege", verdeutlichte der Vorsitzende. Daher nehme das Denkmal auch einen wichtigen Teil der Ausstellung ein. Dies sei aber keinesfalls das Symbol für militaristische oder gar nationalistische Heldenverehrung. Vielmehr solle es an das Leid erinnern, hervorgerufen durch radikales und extremistisches Gedankengut.

"Es ist unsere Aufgabe und Pflicht, diese Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten - gerade in Zeiten, in denen man den Eindruck gewinnt, dass nun, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, mit dem immer kleiner werdenden Kreis noch lebender Zeitzeugen ein Vergessen und bisweilen auch Verdrängen eingesetzt hat", appellierte er. Der Friesener Bevölkerung dankte er für ihr Mittun ebenso wie den Vereinsmitgliedern und Helfern - allen voran den beiden Idealisten Georg Schneider und Heidi Hansen, ohne deren Engagement dies nicht möglich gewesen wäre. Ein Anliegen war ihm auch der Dank an Barbara Jakob und deren Ehemann Heinz für die Pflege des Ehrenmals. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!", wofür er ebenfalls dankte.

Klaus Dieter Nitzsche, Bezirksvorsitzender Oberfranken sowie stellvertretender Präsident des Bayerischen Soldatenbunds (BSB), sprach von einer überwältigenden Ausstellung, die die Schrecken des Krieges eindringlich widerspiegle - mehr als es das geschriebene Wort alleine vermöge.

2,8 Millionen Gräber

Robert Fischer, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, freute sich sehr über das Zustandekommen der Ausstellung sowie der Buchpräsentation, nachdem ja das für Pfingsten geplante Jubiläumsfest zum 150-jährigen Bestehen nicht stattfinden konnte. Die Kriegsgräberfürsorge pflege 2,8 Millionen Gräber auf 832 Kriegsgräberstätten in 100 Ländern.

Die Kosten für die Pflege eines Grabes betragen alljährlich sechs Euro. Hinzu komme das Umbetten bzw. Schaffen neuer Friedhöfe. Obwohl es heuer coronabedingt keine Sammlungen gebe, hoffte er auf ein gutes Spendenergebnis. Als Gastgeschenk steuerte er der Ausstellung Schriften über deutsche Soldatenfriedhöfe in Ost und West bei.

Die Grüße des Landkreises mit Landrat Klaus Löffler übermittelte dessen Stellvertreterin Edith Memmel sowie der Stadt Kronach mit Bürgermeisterin Angela Hofmann deren Stellvertreter Michael Zwingmann und Bernd Liebhardt. Memmel erinnerte daran, wie ihr Vater von seinen furchtbaren Erlebnissen in Stalingrad erzählt und dabei den Krieg als "reinste Hölle" geschildert habe. "Hier kann Geschichte hautnah erlebt werden", zollte Zwingmann der KSK tiefen Respekt. Das Zeigen von Dingen von Menschen, deren Namen man kenne, schaffe einen direkten Bezug. Man dürfe nicht aufhören, zu mahnen und zu reflektieren.

"Das war eine Gemeinschaftsarbeit von ganz Friesen", würdigte die Kuratorin der Ausstellung, Heidi Hansen; habe man sich doch von der gesamten Bevölkerung Gegenstände aus den Haushalten zusammengeborgt. Die Verantwortung für die Konzeption trage die KSK mit ihrem Vorsitzenden. Verantwortung sei ein wichtiges Wort. Aus ihrer Verantwortung heraus hätten sich die Kriegervereine um die Hinterbliebenen gekümmert.

"Die Ausstellung wurde von Laien gemacht", stellte sie heraus. Aber man habe kluge Köpfe im Hintergrund gehabt - so den früheren Schulrat Georg Schneider und dessen Ehefrau. "Es hat gedauert, bis sich die Bevölkerung mit der Aufarbeitung des Dritten Reichs gedanklich auseinandergesetzt hat", berichtete sie, dass die Gegenstände zunächst "tröpflesweise", später geballt eingegangen seien. Bis kurz vor Schluss habe man noch an den Gedenktafeln gearbeitet.

Sehr berührt habe sie insbesondere das Gespräch mit dem letzten, noch lebenden Soldaten aus Friesen, Ludwig Lang. Als er davon erzählt habe, wie er seine verwundeten Kameraden ins Schiff geschleppt habe, seien ihm und auch ihr die Tränen gekommen. Zutiefst bewegend seien auch die Schilderungen von Heinrich Fischer-Weiß, der als 15-Jähriger hätte eingezogen werden sollen, aber floh.

Ihre Interviews sowie weitere Aufnahmen - vor allem von Zeitzeugen sowie der Kirche - sind bei der mit großer Sorgfalt zusammengestellten Ausstellung als Audio-Dateien zu hören. Weitere Bestandteile sind beispielsweise Feldpost-Briefe, Fotos, Uniformen, Todesnachrichten, Schilderungen von Fliegeralarm, Hunger, Kriegsgefangenschaft und Flucht u.v.m.

Mehr als ein Steinblock

Im Rahmen der Ausstellung las Georg Schneider aus seinem - begleitend zur Ausstellung entstandenen - Buch "Denkmal = Denk mal?" vor. Mit dem käuflich zu erwerbenden Buch leistet dieser volkskundliche und mentalitätsgeschichtliche Betrachtungen zum Friesener Kriegerverein und dem Kriegerdenkmal in Friesen, das heute wohl, so Schneider, manchem überflüssig erscheine. Das Denkmal sei aber weit mehr als ein Steinblock - ein wichtiges Stück Erinnerungskultur, das zu Demokratie und Toleranz mahne; wie auch die gesamte Ausstellung.