Wer an berühmte Maler aus Kronach denkt, dem fällt wahrscheinlich Lucas Cranach ein. Allgegenwärtig ist der und verdeckt mit dem Schatten seines Werks einen zweiten talentierten Sohn der Stadt. Dieser wurde am 20. März 1813 in der Kronacher Festungsstraße 43 geboren, die heute die Hausnummer 2 trägt. Großes hatte sein Vater Heinrich Kaim mit Lorenz nicht vor. Etwas Handfestes sollte der Junge lernen; etwas, das ihn ernähren kann. Folgsam ging Lorenz Kaim mit 14 Jahren deshalb nach Bamberg, um eine Lehre als Maurer zu beginnen. Während dieser drei Jahre besuchte er gleichzeitig die Bamberger Zeichenschule, wo er sein Talent entdeckte.

Dies blieb auch einigen reichen Bürgern Kronachs nicht verborgen.



Als Kaim im Sommer 1831 nach Hause kam, schickten sie ihn mit einem Stipendium ausgestattet nach München an die Akademie der bildenden Künste.
Kaim entwickelte sich prächtig: "Rastlos" arbeitete der junge Künstler an seinem bis heute bekanntesten Bild: "Die Stürmung Cronachs". "Von allen, die es bis jetzt sahen, erhielt es sehr vielen Beyfall", schrieb er im November 1837 in einem Brief an Georg Rimberger, den Bürgermeister Kronachs. Seinen Förderern zum Dank überreichte Kaim das Gemälde im März 1838 an die Stadt, das heute im großen Saal des historischen Rathauses hängt.

Die Kunst ernährt Kaim nicht

Damit endete sein Stipendium und für ihn gleichermaßen zwei vermutlich liebgewonnene Konstanten: Dass er malen konnte, was er wollte, und dass er sich nicht um sein finanzielles Auskommen sorgen musste - wenngleich sein Stipendium nur für das Nötigste ausreichte.

Nachdem er die vier Jahre jüngere Franziska geheiratet hat, kehrte Lorenz Kaim Ende 1838 im Alter von 25 nach Kronach zurück. "Dort musste er feststellen, dass er von seiner Kunst allein nicht leben konnte", sagt Stadtarchivar Hermann Wich. Allerlei Aufträge nahm Kaim an, fertigte Porträts an, gestaltete Schützenscheiben, die teilweise noch im Schützenhaus zu betrachten sind, und restaurierte Gemälde. Bei reinen Reparaturarbeiten beließ es Kaim oftmals nicht. Manchmal übermalte er die Bilder in Teilen und gestaltete sie so nach seinen eigenen Vorstellungen. Allein: Seine Einkünfte reichten nicht, um seine Familie zu ernähren.

Kaim bildet Handwerksburschen aus

Da kam ihm das Angebot der Stadt gerade recht, die 1847 eine "Volkszeichnungsschule" im Fürstensaal des Bürgerspitals gründete, die er leiten sollte. Sie ist die Vorgängerin der heutigen Berufsschule, die seit 1983 Kaims Namen trägt. In der Stadtratssitzung vom 3. Dezember 1846 beschlossen die Räte laut Protokoll, dass das Zeichnen für viele Berufe wesentlich sei: "Der Unterricht darin bildet Hand und Augen, schärft das Anschauungsvermögen, den Ordnungs- und Schönheitssinn und kann in der Folge nicht mehr unberücksichtigt gelaßen werden."

Den Handwerksburschen Schönheitssinn und Anschauungsvermögen vermitteln, das hatte sich Kaim sicherlich anders erträumt, aber die Anstellung garantierte ihm ein jährliches Gehalt von 100 Gulden. Der Andrang war groß. Binnen zweieinhalb Jahren verdoppelte sich die Schülerzahl. Mehr Unterricht bedeutete nach Kaims Rechnung auch ein höheres Gehalt. Das lehnten die Stadtväter jedoch anfangs ab. Zuletzt verdiente er rund 400 Gulden im Jahr. Allerdings arbeitete er von 1879 bis 1885 auch als Hilfslehrer für Zeichnen an der neuen Realschule, um sein Gehalt aufzubessern. Die Geldnot blieb eine Konstante in Kaims Leben. Kronachs zweitbekanntester Maler starb am 15. November 1885 und wurde auf dem Kronacher Friedhof beerdigt.

Lesetipp:
Adam, Alfred: Lorenz Kaim. Palette eines Malerlebens. (=Histroria Franconiae; Hf. 4) Coburg 1965.

Ausstellung:
In der zweiten Jahreshälfte planen der Verein 1000 Jahre Kronach und die Bürgerstiftung historisches Kronach eine Kaim-Ausstellung. Besitzer von Kaim-Werken werden gebeten, sich zu melden (09261/97319 oder 09261/20409).