Die Gemeinden Grössau und Reitsch sind durch einen alten Fuhrweg verbunden, der vom südlichen Ortsrand von Grössau über die "Reitscher Grün" führt. Es ist jene Wegstrecke, die auch von den Wallfahrern nach Maria Glosberg begangen wird.

Etwa 500 Meter nach Grössau kommt man heute rechts des Weges kurz hintereinander an zwei beeindruckenden Sandsteinmartern vorbei, die im Jahre 1973 nur noch aus Sockeln und lose daraufgestellten Aufsätzen bestanden. Offensichtlich waren die Martern einstmals eingestürzt und die Schäfte dabei zu Bruch gegangen. Die gesplitterten, circa einen Meter hohen Verbindungsstücke waren "entsorgt" worden, so dass die Martern kaum noch höher waren als das Sommergras.

Um diese Stücke aus dem 18. Jahrhundert wieder in ihrer ganzen Pracht erstrahlen zu lassen, wurde vom Kreisheimatpfleger eine Restaurierung angeregt.
Sehr erfreulich war, dass die Familien Löffler und Zwosta als Besitzer ihre Bereitschaft erklärten, die Wiederherstellung praktisch und finanziell zu unterstützen.

In einem Gespräch mit dem Bürgermeister der Marktgemeinde Pressig, Josef Wich, sagte dieser zu, dass er das Vorhaben voll und ganz unterstützen werde. Um Kosten zu sparen, wurde vereinbart, den Transport zur Bildhauerwerkstatt und die Aufstellung der Denkmäler am ursprünglichen Standort unter der Mitwirkung des Bauhofes ausführen zu lassen.

Als nächster Schritt folgte die Einholung einer Bewilligung vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, ohne dessen Zustimmung die Restaurierungen nicht möglich gewesen wären. Eine Besichtigung der Denkmäler vor Ort durch den Referenten des Landesamtes schuf die Voraussetzung dafür, dass der Abtransport der Einzelteile in die Werkstatt von Bildhauer Heinrich Schreiber erfolgen konnte. In der Zwischenzeit hatte der Kreisheimatpfleger die Zuschussanträge an die verschiedenen Kommunen und Ämter gestellt und um finanzielle Unterstützung gebeten. Ihre Beteiligung sagten zu die Marktgemeinde Pressig, der Landkreis Kronach, der Bezirk Oberfranken und das Landesamt für Denkmalpflege.

Im August 1976 war es endlich so weit, dass mit der Wiederaufstellung begonnen werden konnte. Schon beim Aufbau ließ sich erahnen, welch wertvolle Kulturgüter hier in die Gemeinde Grössau zurückkehrten. Bei der Rekonstruktion der neuen Schäfte wurde Wert darauf gelegt, dass sie in Anlehnung die Grundformen des 18. Jahrhunderts aufwiesen, sich jedoch von den historischen Teilen unterscheiden sollten.


Seltene Verzierungen

Die Pfeilerschäfte tragen deshalb im unteren Teil Verzierungen und Symbolik, die man an historischen Steinen vergeblich sucht. So verweisen die drei Kreise auf die darüber angeordnete Darstellung der Dreifaltigkeit. Unter dem Bild der Pietà erkennt man ein Flammenherz. Aussagekräftig ist auch das Symbol, das an den hl. Johannes von Nepomuk erinnert. Ein Finger liegt auf geschlossenen Lippen, was als ein Zeichen der Verschwiegenheit und der Wahrung des Beichtgeheimnisses gilt.

König Wenzel ließ Johann Nepomuk unter anderem wegen dieser Standhaftigkeit foltern und im Jahre 1393 in Prag von der Karlsbrücke in die Moldau stoßen. Eine Bronzetafel mit fünf Sternen auf der Brüstung der Brücke markiert heute die Stelle des "Brückensturzes". Seine letzte Ruhestätte fand er im Prager Veitsdom. So gehört zu einer Besichtigung des Domes auch ein Besuch des Grabes von Johannes von Nepomuk. Er ist auch Schutzpatron der Flößer, Müller und Fischer, weshalb er auch im Frankenwald schon sehr früh verehrt wurde.