Als das Obere Schloss in Küps vor kurzem durch die neue Schlossherrin notariell erworben wurde, war dies der erste Verkauf des Anwesens seit über 130 Jahren. Vorher wurde der stattliche Komplex zuletzt 1884 durch den Kaufmann Heinrich Schemenau erworben. Seither war der ehemalig Redwitzsche Besitz immer im Eigentum der Familie Schemenau und seiner Erben. Dieser Tatsache geschuldet, wurde das Gebäude umgangssprachlich zuletzt als "Haus Schemenau" tituliert. Diese Ära ist nun zu Ende.

Sechs Jahre Leerstand

"Für den Markt Küps ist die aktuelle Entwicklung am Oberen Schloss wie ein Weihnachtsgeschenk" freut sich Bürgermeister Bernd Rebhan. Nach einem mehr als sechs Jahre andauernden Leerstand hat sich jetzt eine neue Schlossherrin gefunden. Die Wahlberlinerin möchte das Anwesen denkmalgerecht und behutsam für Wohnzwecke sanieren. Die Marktgemeinde wird sich dabei an der Sanierung der an das Obere Schloss angebauten historischen Remise aus dem Jahr 1721 beteiligen, um dort die geschichtliche Entwicklung der Schlössergemeinde historisch fundiert darzustellen. Das Projekt wird unter anderem durch die Förderoffensive Nordostbayern der Bayerischen Staatsregierung sowie das Landesamt für Denkmalpflege großzügig unterstützt.

Ziel von Fachbehörden und örtlichen Akteuren ist es, im Rahmen des Denkmalkonzepts eine Analyse, Bewertung und Dokumentation vorhandener Denkmalwerte zu erhalten und dadurch dem Ausbluten des Ortskerns nachdrücklich entgegenzutreten. Sehr rasch wurde klar, dass insbesondere die Leerstände der ortsbildprägenden Gebäude "Oberes Schloss" und "Weidmannshaus" einer intensiveren Betrachtung bedürfen. Für sie wurden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Die Studien wurden mit hohen Fördersummen durch das Landesamt für Denkmalpflege mitfinanziert. Auch die Gebäudeeigentümer beteiligten sich erheblich an den Kosten.

Für das Obere Schloss wurde mit dieser Strategie nunmehr eine Punktlandung erzielt. Kürzlich wurde das Anwesen an eine Interessentin aus Berlin verkauft. Ausschlaggebend für den Kauf war auch die fundierte Datenlage aus der zwischenzeitlich vorliegenden Studie. Für das Haupthaus ist eine Sanierung zu Wohnzwecken durch die Neueigentümerin geplant. Die angebaute Remise soll zukünftig durch die Marktgemeinde genutzt werden. Dazu hat der Marktgemeinderat seine grundsätzliche Zustimmung bereits erteilt. Auch ein Gewölbesaal im Erdgeschoss des Haupthauses und die unter dem Hauptgebäude liegenden Kelleranlagen könnten einer kommunalen Nutzung zugeführt werden. Der neuzeitliche Garagentrakt zur Kreisstraße hin soll abgerissen werden.

Bürgermeister auf der Suche

Bereits seit geraumer Zeit war Bürgermeister Rebhan auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für die Präsentation der archäologisch wertvollen Fundstücke der ehemaligen Niederungsburg in Tüschnitz. Aktuelle Überlegungen verdichten, dass die Räume der Remise für Ausstellungs- und Museumszwecke hervorragend genutzt werden können. Auf dieser Grundlage konnte eine Vereinbarung mit der neuen Schlossherrin getroffen werden, die dem Markt ein Nutzungsrecht für die benötigten Räumlichkeiten garantiert. Im Gegenzug wird die Sanierung dieser Bereiche im Rahmen des bayerischen Programms zur Leerstandsbeseitigung hoch gefördert. Da die Gemeinde derzeit über keinerlei geeignete Örtlichkeit für die Darstellung ihrer reichen Geschichte verfügt, wäre die Schaffung eines Geschichtszentrums für die Schlössergemeinde eine große Bereicherung.

Hervorragende Entwicklung

Dass dieses Projekt auch von Seiten der Fachämter mit großem Enthusiasmus begleitet wird, macht die Stellungnahme von Thomas Gunzelmann, zuständiger Referent beim Landesamt für Denkmalpflege für den Bereich Kommunales Denkmalkonzept, klar: "Aus der Sicht des Denkmalkonzepts ist das eine hervorragende Entwicklung und wird daher voll mitgetragen. Eine ,privat-public-partnership' finden wir sehr gut.

Wenn die angedachte Ausstellung die Denkmalwerte des Marktes Küps mit in den Vordergrund stellt, neben der Besonderheit des Marktes als reichsritterschaftliche Kleinregion, dann wäre sie sogar im Rahmen des Denkmalkonzepts förderfähig."

Nun gilt es, in die Hände zu spucken. Die Zustimmung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn durch den Fördermittelgeber, das Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg, ist bereits eingegangen.

Auch erste Kostenschätzungen liegen bereits vor. Als erster Schritt ist der Abriss des neuzeitlichen Garagentrakts in Angriff zu nehmen. Sportlich ist der Zeitplan für das Vorhaben in jedem Fall, denn die Projektabwicklung muss bis Ende 2020 abgeschlossen sein, denn dann wird der Fördertopf geschlossen.

Geschichte der Familie und des Unternehmens

Fabrikant Heinrich Schemenau erwarb das Küpser Anwesen von den Getreidehändlern Rosenbaum. Schemenau stammte aus Bargen in Baden und kam 1869 erstmals nach Küps. 1886 heiratete Schemenau Amalie Heinriette Alexandrine Rupprecht, Tochter des Gummi- und Guttapercha-Fabrikanten Carl Alexander Rupprecht und seiner Gattin Henriette aus Nürnberg. Aus großbürgerlichem Fabrikantenhaus stammte die junge Braut, nannten die Eltern doch das altehrwürdige gotische Anwesen "Hirschelgasse 21" ihr eigen, welches den weltberühmten Hirschvogelsaal von Peter Flötner beheimatete.

Kinder Dem jungen Unternehmerpaar wurden die Kinder Kurt und Julie geboren. Nach der schulischen Laufbahn schlossen sich für beide kaufmännische Ausbildungen an. Während Julie unverheiratet blieb, heiratete Sohn Kurt 1919 Maria Schönel. Die Ehe blieb kinderlos, wobei das Ehepaar ab Mitte der 20er Jahre die Vormundschaft für den Buben Rolf Gieck übernahm. 1920 kam er erstmals nach Küps, wo er im Haus der Familie Schemenau übergangsweise aufgenommen wurde. Die mit der Mutter befreundete Familie nahm den jungen Knaben auf, da die Mutter gesundheitlich angeschlagen war. In Folge des schlechter werdenden Gesundheitszustandes verstarb diese nach einer Operation im Jahr 1925 mit nicht einmal 35 Jahren. Der damals Sechsjährige - der zwischenzeitlich in Küps Familienanschluss gefunden hatte - blieb. Ab 1926 übernahmen Marie und Kurt Schemenau offiziell die Vormundschaft für den Jungen.

Werdegang Nach dem Bestehen des mittleren Schulabschlusses studierte Rolf Schemenau drei Semester an der "Staatlichen höheren Fachschule für Textilindustrie" in Münchberg den Beruf des Musterzeichners - dies war in den Jahren 1937 bis 1939.

Durch den Einzug in die Wehrmacht ab Oktober 1939 wurden alle weiteren privaten Pläne durchkreuzt. Im Frühjahr 1942 wurde er in der Nähe des deutschen Flugplatzes Staraja Russa in Rußland schwer verwundet und verlor in Folge dessen ein Bein. Später erwarb er seine Hochschulreife in Dresden und ging dann ein Medizinstudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg an. Dieses vollendete er nach dem Krieg an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Als junger Mediziner führten berufliche Stationen unter anderem nach Winnental bei Stuttgart, Kutzenberg, Hochstadt. Eigene Praxen führte er in Rothenkirchen und Küps. Später war Schemenau Vertrauensarzt der AOK Bayern.

Als Rolf Schemenau, der am 31. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre, im Jahr 2012 nach kurzer schwerer Krankheit in Lichtenfels verstarb, ging das Erbe auf seine beiden Nichten aus der Nähe von Stuttgart über. Ihnen war es zusammen mit ihren Familien ein großes Anliegen, das traditionsreiche Haus in gute Hände weiterzugeben. Dies ist nun nach fast sechsjähriger Suche mit dem kürzlich geglückten Verkauf gelungen. So konnte alles zu einem guten Abschluss gebracht werden.

Firma Die Gründung der Firma Gagel & Schemenau erfolgte im Jahre 1885 durch Schemenau und Hans Gagel. Die Firma galt als eine der ältesten ihrer Branche und befasste sich insbesondere mit dem Versand von Qualitätskorbwaren. Durch den Tod von Hans Gagel im Jahr 1911 wurde Heinrich alleiniger Inhaber der Firma. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er seinen Sohn Kurt zur Leitung des Geschäfts hinzu. Seit dem 1. Juli 1919 wurde die Firma in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Die drei Gesellschafter waren Kurt Schemenau, Robert Kleilein (beide Küps) und Franz Höhn (Oberwallenstadt). Im gleichen Jahr verstarb Heinrich Schemenau. Leider gelang es dem Filius nicht, die Geschäfte über die Wirtschaftskrise des Jahres 1929 hinwegzuführen. Das Geschäft musste im gleichen Jahr aufgegeben werden.