"Das sieht aber sehr mathematisch aus", meinen Michelle und Vanessa etwas erschrocken. Die beiden Achtklässlerinnen nehmen an einem Tisch Platz, auf dem Bestandteile eines Drucklochers sowie zwei große - in der Tat sehr mathematisch aussehende - Zeichnungen liegen.

Nur kurze Zeit später schraubt Michelle geschickt mit einem Sechskantschlüssel ein Stück des Werkzeuges nach dem anderen zusammen. Die einzelnen Teile werden ihr von Vanessa gereicht, die diese anhand der Zeichnungen ausfindig gemacht und zugeordnet hat.

"Der Beruf des Werkzeugmechanikers ist durchaus auch für Mädchen gemacht. Wir haben in unserer Klasse auch drei Mädchen", erzählt Dennis Üstül, während er Michelle und Vanessa Hilfestellung gibt. Beim Montieren des Drucklochers handelt es sich um den praktischen Teil einer ehemaligen Zwischenprüfung für angehende Werkzeugmechaniker.



Im zweiten Lehrjahr

Dennis, der sich in diesem Ausbildungsberuf im zweiten Lehrjahr bei Petz Industries in Haßlach bei Teuschnitz befindet, hat erst kürzlich seine Zwischenprüfung absolviert. "Ich musste aber etwas anderes zusammenbauen. Den Drucklocher habe ich selbst als Übungsmodell für den heutigen Tag angefertigt", erklärt der 18-Jährige. Der Buchbacher beteiligt sich für Petz Industries mit einem weiteren Azubi als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik sowie mit ihrem Ausbilder ebenso an der Ausbildungsinitiative wie die Firma Horst Scholz aus Gundelsdorf.

Zu der Infoveranstaltung rund um Kunststoff-Ausbildungsberufe, bei der insbesondere die beiden genannten Jobs im Vordergrund stehen, gehört auch ein Berufsparcours mit vier Stationen. Dieser wird an den beiden Tagen von allen achten Jahrgangsstufen der Mittelschule durchlaufen, so auch von Vanessa und Michelle.

Die beiden Mädchen können - wie sie gestehen - mit Technik nicht so viel anfangen. Die 15-jährige Michelle kommt aus Johannisthal und möchte Tätowiererin werden, die ein Jahr jüngere Vanessa wohnt in Marktrodach. Sie will später einmal etwas mit Sprachen machen. Dennoch gefällt ihnen die Veranstaltung. "Sie ist interessant. Man merkt, dass sich die Firmen wirklich Mühe geben", lautet ihr Resümee.


Mädchen sind von sich selbst überrascht

Da Technik so gar nicht ihre Richtung ist, sind die beiden Mädchen überrascht, wie gut sie den Berufsparcours meistern. Auch Dennis lobt sie. Der Buchbacher wollte eigentlich zunächst Kfz-Mechaniker werden, hat aber schnell gemerkt, dass das doch nichts für ihn ist. Mit der Ausbildung zum Werkzeugmechaniker hat er nun seinen Traumjob gefunden. "Mir macht mein Beruf viel Spaß. Die Ausbildung ist genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe."

Das Schöne an seinem Beruf sei die Abwechslung, sagt er. "Ich arbeite in verschiedenen Abteilungen, je nachdem, wo etwas zu tun ist. Ich mache jeden Tag etwas anderes. Immer nur das Gleiche, jeden Tag, das wäre nichts für mich. Das wäre mir viel zu langweilig", erklärt er. Die Ausbildung könne er jedem nur empfehlen. Mitbringen müsse man Genauigkeit, Geschicklichkeit, räumliches Vorstellungsvermögen und Interesse.


Interesse an einem Job

Interesse an einem Beruf in dieser Richtung hat Fabian Simon aus Glosberg, der einen Tisch weiter gerade die Eigenschaft von Granulaten feststellt. Betreut wird diese Station von Astrid Kotschenreuther, die bei der Firma Scholz Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik im dritten Lehrjahr ist. Die Reitscherin hat den hauswirtschaftlichen Zweig der Realschule I besucht, bevor sie sich für diese Ausbildung entschied. Auch sie schwärmt von ihrer Arbeit, weil sie abwechslungsreich und vielseitig sei.

Fabian hat schon einige Vorkenntnisse, hat er doch bereits ein Praktikum bei der Firma Horst Scholz absolviert. "Mir hat das Praktikum gefallen. Das war sehr interessant. Ich war in den verschiedenen Abteilungen und durfte überall mal hineinschnuppern. Ich werde mich auf alle Fälle bei der Firma bewerben", kündigt der 14-Jährige an.


Praktischer Teil hilft sehr

Dass es so eine Veranstaltung an der Schule gibt, findet er sehr gut - gerade auch, weil Auszubildende selbst ihre Berufe vorstellen und man sich beim Berufsparcours praktisch testen kann. Oft habe man ja falsche Vorstellungen von Berufen, die bei so einer Info-Veranstaltung ausgeräumt werden könnten, meint der 14-Jährige.
Neben dem Montieren des Drucklochers und dem Bestimmen von Granulaten sollten die Schüler an den beiden anderen Stationen Spritzgießfehler erkennen sowie Fragen zu den Berufen beantworten.