Eine wahre Fundgrube für Historiker stellen die alten Rechnungen für das Kronacher Gotteshaus St. Johannes dar. Da sieht man nicht nur, wann die Turmuhr repariert worden ist, sondern auch, wann Wallfahrten stattfanden, was dem Fahnenträger als Obolus zustand, wie viel der Mesner für das Gewitterläuten, oder die Organisten und die Musikanten erhielten, aber auch was sich in den Schulen rundum tat, denn der jeweilige Pfarrer war früher auch für das Schulwesen verantwortlich.

Um dies einsehen zu können, muss der geschichtlich Interessierte allerdings statt zum Kronacher Stadtarchiv von nun an nach Bamberg fahren, denn die alten Rechnungen liegen jetzt dort fein säuberlich geordnet im Diözesanarchiv. Am Donnerstag nahm Archivinspektor Elmar Kerner vom Archiv des Erzbistums ein ganzes Auto voller alter Akten mit: 98 Rechnungsbände der Jahre 1700 bis 1835 sowie 18 Belegbände aus den Jahren 1797 bis 1817.


Wie kam das zur Stadt?

Diese alten Schriften lagerten seit dem Jahr 1904 im Stadtarchiv, hätten aber eigentlich im Pfarrarchiv sein müssen. Wie sie ins Stadtarchiv auf die Festung gelangten, weiß man nicht. Wahrscheinlich überführte sie der Heimatforscher und Geistliche Karl Traut bei der Einrichtung eines ersten städtischen Archivs im Jahr 1889 auf die Festung.

Aber wieso wurden sie erst jetzt an die rechtmäßigen Eigentümer übergeben? Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber erläuterte dies: "Als ich nach Kronach kam, waren da Stöße von Papieren, alles durcheinander. Da hätte man nichts gefunden, weil das nicht sortiert war." Teuchgräber wollte das sortieren und archivieren lassen und überführte die Unterlagen 2011 ans Diözesanarchiv, wo die alten Unterlagen optimal aufbewahrt werden können. Außerdem ist das Depot für die Pfarrei kostenlos. Bei der Sichtung stellte man fest, dass die Rechnungen für die Kirche aus den Jahren 1700 bis 1835 fehlten - und machte sie im Kronacher Stadtarchiv ausfindig.


50 laufende Regalmeter Akten

Am Donnerstag also rückte die Stadt die alten Unterlagen raus. Als kleine Gegenleistung erhielt Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) Bürgermeisterrechnungen aus den Jahren 1806/07, die sich seltsamerweise im Pfarrarchiv befunden hatten, und ein so genanntes "Findbuch", mit dessen Hilfe man leichter ausfindig machen kann, wo sich welche Unterlagen befinden. "Wir können dann die entsprechenden Bände im Lesesaal des Diözesanarchivs für die Nutzer auslegen, wenn wir schon im Vorfeld wissen, wonach gesucht wird", sagte Elmar Kerner. 50 laufende Regalmeter Akten aus dem Kronacher Pfarrarchiv bewahrt Kerner in Bamberg auf. "Nutzen Sie die Bestände, die bei uns sind", ermunterte Elmar Kerner.

Roland Graf, ehemaliger Kreisheimatpfleger, hat die Bände, bevor sie jetzt nach Bamberg kamen, in monatelanger Arbeit durchgesehen und manch Interessantes gefunden. "Die Rechnungen sind ein Fundus ohnegleichen", schwärmte Graf. Was er besonders interessant fand, waren die Aufzeichnungen über die Bestattungen in die Kirche. Die waren teurer als auf dem Friedhof. Deshalb konnten sich das nur der Adel, die Bessergestellten und die Würdenträger der Stadt nebst ihren Angehörigen leisten. "Je näher am Altar man bestattet war, desto bedeutender war man", erläuterte Graf. Es sei vernünftig, alle Archivmaterialien für die Forschung an einer Stelle zusammenzuführen.