"Ein VW Karmann-Ghia war mein erstes eigenes Auto. Gekauft habe ich ihn im Alter von 19 Jahren, nach meinem Abitur. Ich wollte eine Art ,Oldtimer' haben, und ein Karmann-Ghia schien erschwinglich", erzählt Robert Wachter. Sein grünes Karmann-Ghia Coupé war damals, 1985, erst zwölf Jahre alt, da es aus dem letzten kompletten Produktionsjahr 1973 stammt.

Zwölf Jahre seien damals für ein Auto aber schon ein hochbetagtes Alter gewesen. Dieser VW-Typ habe recht antiquiert ausgesehen, da sein Designentwurf aus den frühen 1950er Jahren stammt. "Mit diesem Coupé bin ich mit meiner Schwester immer zum Studium nach Erlangen gefahren. Dort waren wir mit dem Auto sogar mal zu Viert unterwegs. Ich wundere mich noch heute, wie alle reingepasst haben", lacht er.

Das Cabrio kaufte er über ein Zeitungsinserat, das er in ganz Oberfranken geschaltet hatte. "Sehr viele Angebote bekam ich nicht; die meisten entpuppten sich dazu als große Restaurierungsfälle. Das einzige Cabrio wurde mir in Hof offeriert - und sollte es sein", so der Oldtimer-Fan. Dieses Cabrio habe sich als total zerlegtes und mit einem schrecklichen braunen und beigen Schutzlack überzogenes Auto herausgestellt.

Beim Cabriolet handelt es sich um ein Baujahr 1968, es wurde erstmals in Berlin zugelassen und kam 1977 nach Oberfranken. Ende der 1970er Jahre begann eine umfassende Restaurierung des Autos, die aber in einem teilrestaurierten zerlegten Zustand stecken blieb. So stand das Auto fast zehn Jahre zerlegt in einer Halle, bis Wachter es kaufte.

"Ich bewundere wirklich die Gelassenheit meiner Eltern, die mir das Wagnis VW Karmann-Ghia Cabrio zudem finanziell ermöglichten, es war ein auf den ersten Blick unansehnlicher Schrotthaufen." Am 2. Mai 1987 war es so weit: Ein Autoanhänger wurde ausgeliehen und der Wagen in Hof abgeholt - eine im Grunde von Vogelkot bedeckte Karosse auf Rädern, vollgestopft mit Kisten voller Einzelteile. In Oberlangenstadt wurde die Karosse neu lackiert. Vorher hatte Wachter das trotz Unfallfreiheit schon dreimal umlackierte Auto selbst mit abgeschliffen. Der Kronacher entschied sich wieder für die Originalfarbe von 1968: VW Montanarot. Die ganzen Einzelteile in den Kisten und Kartons arbeitete er selbst zu Hause auf. In Oberlangenstadt wurde dem Auto zudem ein nagelneues Cabrio-Verdeck verpasst. Dann schaffte man das Auto in eine Werkstatt, wo es wieder fachgerecht zusammengebaut wurde.

Der Kaufpreis für das Auto war 5500 DM; die Neulackierung schlug mit 1900 DM zu Buche und das neue Verdeck mit 1400 DM. Mit dem fachgerechten Zusammenbau kam man auf circa 10 000 DM. "Für den Betrag hätte man 1987 sicher schon einen ,normalen' und ,anständigen' Kleinwagen bekommen, einen guten Gebrauchten sicherlich. Aber wer will das schon?", lacht der Oldtimer-Fan. Ab Ende Juli 1987 war Wachter mit den Cabrio kreuz und quer bis in die hintersten Winkel des Landkreises Kronach unterwegs, da er 1987/88 eine Erfassung sämtlicher Mühlen des Landkreises vornahm. Wenn er die damals von ihm geschossenen Mühlenbilder anschaue, habe sich öfters sein roter Karmann-Ghia mit aufs Bild geschlichen. Natürlich begleitete ihn das Auto in seinem ganzen Studentenleben. Er fuhr damit ständig regelmäßig nach Bamberg, Nürnberg oder mit Studienfreundinnen zu Blockseminaren nach Würzburg. "Mich wundert, dass man bei der schwachen Motorisierung - es ist ein VW-Motor mit 44 PS - damit einigermaßen mit 120 km/h auf den Autobahnen mithalten konnte", überlegt der Kronacher.

"Leidensfähigkeit" erforderlich

Das Auto auch im Winter zu fahren, habe "Leidensfähigkeit" erfordert, da es kein Gebläse hatte. Die Heizungsluft wird nur beim Fahren durch den Fahrtwind eingedrückt. Heckscheibenheizung und dergleichen seien Fehlanzeige. "Wenn ich im Winter von Kronach nach Bamberg startete, musste ich zuerst alle paar Kilometer anhalten, um die Scheiben freizukratzen - auch im Inneren. Erst ab Küps wurde es langsam besser", verrät er. Das Spritzwasser der Scheibenwischanlage arbeitet mit dem Luftdruck des Reserverades, an dem es angeschlossen ist, und dieses pumpte man so wohl langsam leer. Im Grunde aber sei alles an dem Auto eine herrlich einfache analoge Technik bzw. Mechanik, in der man vieles noch selbst reparieren könne und auch verstehe.

"Einmal ist mir mit dem Auto eine fast verhängnisvolle Unachtsamkeit passiert", lacht er. Auf dem abschüssigen Parkplatz vor der Kirche von Hallerndorf (Kreis Forchheim) vergaß er, die Handbremse anzuziehen. Wie er mit Fotoausrüstung und Aktentasche hoch zur Kirche lief, bemerkte er im Augenwinkel, wie sich das Auto langsam in Bewegung setzte. Er ließ alles fallen und spurtete hin, um es an der Stoßstange festzuhalten. Aber wer halte schon ein in Bewegung gekommenes Auto? Glücklicherweise war die Lenkung stark eingeschlagen. Das Auto rollte so in einer Kurve wieder einen Hang hoch und kam ihm wieder entgegen, bis es sich ausgependelt bzw. er die Tür wieder aufgesperrt und die Handbremse angezogen hatte. "Wenn die Lenkung nicht so stark eingeschlagen gewesen wäre, wäre das Auto wohl in eine Scheune gekracht", verdeutlicht er.

Seinen grünen VW Karmann, Bj. 1973, überließ er seiner Zwillingsschwester. Sie fuhr ihn bis etwa 1995, nachdem er 1988 noch einmal grundlegend restauriert worden war. Auch er steht nun seit fast 25 Jahren in seiner Garage. Seitdem er sich am Ende des Studiums ein billiges Winterauto zugelegt hatte, fuhr er das Cabrio nur noch im Sommer. Das behielt er auch während seines ersten Jobs so bei, für den er täglich nach Thüringen pendelte; im Sommer natürlich mit dem Karmann-Ghia. Allerdings gönnte er sich dann irgendwann ein "seriöseres" und zeitgemäßeres Auto, das er immer noch fährt. "Es hat in diesem Jahr ein H-Kennzeichen bekommen, da es 30 Jahre wurde", erzählt Wachter.

Historische Tankfüllung

Da das alte Cabrio ständig pflegliche Zuwendung brauchte und er sich anderen Projekten privat widmete, fuhr er den Karmann-Ghia letztmalig im Sommer 1996. Seitdem steht das Auto aber nun abgemeldet in der Garage. "Hin und wieder schaue ich nach dem Rechten und bewege es - immer mit dem Gedanken, das Auto endlich wieder auf Vordermann zu bringen und erneut im Sommer mit ihm zu fahren. Aber irgendwie ist ständig etwas anderes, und die ehrenamtliche Kreisheimatpflege fordert einen zusätzlich", verdeutlicht der Kreisheimatpfleger. Und so stehe das inzwischen 52 Jahre alte Cabriolet bereits fast 25 Jahre in der Garage und verstaube. Seine Tankfüllung sei wohl auch inzwischen historisch: verbleites Superbenzin!