Ein Juwel großartiger Baukunst, das gleich mehrere Baustile in sich vereint - das ist die St.-Nikolaus-Kapelle beim Kronacher Friedhof. Dabei ist es längst nicht nur die außergewöhnliche Bauweise, die die Kapelle zu einem der kirchlichen Lieblingswerke der Kronacher macht. Die Kraft und die Schönheit des Ortes, die Ruhe lässt das Kirchlein zu einer Oase für Leib und Seele und einer Quelle des Gebetes werden. Nach der aufwändigen Außensanierung im vergangenen Jahr erfuhr die geschichtsträchtige Kapelle nunmehr seit April 2020 auch eine umfassende Innensanierung.

"Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (Matthäus 5,4)" - das sagt Jesus in der berühmten Bergpredigt. Ein Ort des Trostes in der Trauer um einen lieben Menschen, aber auch der Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, sei für viele Kronacher die Friedhofskapelle, so Pfarrer Thomas Teuchgräber. Die Freude über das gute Gelingen der abgeschlossenen Baumaßnahmen stand ihm beim Segnungs-Gottesdienst an Allerheiligen ins Gesicht geschrieben. Erfreulicherweise wurden der Altar und der neue Ambo - samt Sitze für den Priester, Mesner- und Lektorendienst und einer Stele für Urnen - rechtzeitig zum Hochfest fertig. Um zeitnah die Nutzung für Trauergottesdienste wieder aufnehmen zu können, segnete der Stadtpfarrer die neugeschaffenen liturgischen Orte und weihte sie für den liturgischen Gebrauch.

Segnung im kleinen Kreis

Da die Plätze in der kleinen Friedhofskirche aufgrund des erforderlichen Hygieneschutzkonzepts aktuell sehr limitiert sind, nahmen an der Eucharistiefeier stellvertretend für die Pfarrgemeinde Mitglieder des Pfarrgemeinderats sowie der Kirchenverwaltung teil. Ebenso begrüßen konnte Teuchgräber den Kronacher Schreinermeister Markus Stöckert, der die Arbeiten an Altar und Ambo ausgeführt hatte, sowie Dipl.-Ing. (FH) Thomas Beierwaltes in Doppelfunktion als Mitglied der Kirchenverwaltung sowie Bauprojektleiter vom sowohl für die Außen- als auch Innensanierung verantwortlich zeichnenden Büro Müller Architekten GmbH.

Ihnen sowie allen tüchtigen Handwerkern der bauausführenden Firmen, der katholischen Kirchenverwaltung als Bauträger sowie allen Spendern und Helfern dankte der Pfarrer ebenso wie dem Erzbistum Bamberg, das einen Großteil der Finanzierung mit Mitteln aus der Kirchensteuer trägt. Durch die Sanierung könne man der besonderen Bedeutung des Ortes nun wieder voll gerecht werden; habe man doch jetzt - nach der letzten schon in den 1960er Jahren erfolgten Renovierung - wieder eine schöne helle Kapelle.

Da die Altäre und die Inneneinrichtung zum Teil stark von Schädlingen befallen waren, wurde der gesamte Kirchenraum in einem speziellen Verfahren behandelt (begast). Die Schäden am Innenputz wurden saniert; der Anstrich der Wände - nach Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege erneuert. Der ursprüngliche beige/graue Farbton wurde beibehalten, wobei man bewusst nicht die Farbe weiß wählte.

Neuen Ambo geschaffen

Die Holzteile aus den 1960/70-er Jahren erfuhren einen Renovierungsanstrich und wurden dabei farblich angepasst. Die Epitaphien wurden gereinigt und die farbliche Fassung wieder hergestellt. Gereinigt wurden auch die Hoch- und Seitenaltäre. Zudem schuf Markus Stöckert einen neuen modernen Ambo.

Die Leuchtenkörper im Kirchenschiff wurden gereinigt und in wesentlichen Teilen beibehalten, wobei aus energetischen Gründen eine Umrüstung auf LED erfolgte. Erneuert wurde auch die Beleuchtung im Altarraum. Ein auf der rechten Seite beim Haupteingang neu angebrachtes Schild weist auf die Geschichte des Kirchleins wie auch auf die Renovierung hin. In die Haupteingangstür wurde ein Sichtfenster eingebaut. Die Arbeiten für die Innensanierung erstreckten sich von April bis Oktober 2020.

Der erstmals am neuen Altar gefeierten Heiligen Messe schloss sich eine Andacht am Friedhofskreuz unter freiem Himmel zum Totengedenken und zur Gräbersegnung an. Danach war die Friedhofskapelle für die Allgemeinheit zur Besichtigung nach der Sanierung und zum privaten Gebet geöffnet. Die aufwändige Außensanierung der Kapelle im vergangenen Jahr hatte sich insbesondere auf das Mauerwerk, den Putz sowie die Dächer bezogen.

Wie dringend diese benötigt wird, zeigt die Tatsache, dass bereits kurz nach Allerheiligen die ersten Requien darin stattfanden. Dankbar zeigte sich Teuchgräber gegenüber der Erzdiözese Bamberg, dem Landkreis Kronach sowie dem Denkmalamt und der Sparkasse für die gewährten Zuschüsse der mit insgesamt rund 330 000 Euro für die Außen- und Innensanierung veranschlagten Maßnahme. Dennoch verbleibt nach Abzug der Zuschüsse noch immer ein hoher Eigenanteil für die Kirchenstiftung, weswegen man für weitere Spenden dankbar wäre.

Das Spendenkonto der Katholischen Kirchenstiftung Kronach lautet (IBAN): DE90 7715 0000 0240 0020 14; Zweck: Friedhofskapelle St. Nikolaus.

Geschichte der Kronacher Friedhofskapelle

Alter Die Kapelle wurde urkundlich erstmals im Jahr 1398 erwähnt "ein acker bey sand nyclas gelegen". Es wird geschätzt, dass das Kirchlein etwa 50 Jahre vorher errichtet wurde.

Baustile Am Gebäude sind mehrere Baustile vertreten: Während das Portal gotisch, die Fenster romanisch, die Steinkanzel (1547) im Renaissancestil errichtet ist, sind die drei Altäre im Barockstil ausgeführt. Der Kronacher Andreas Limmer stellte 1651 die im Dachreiter noch vorhandene Glocke her.

Ausstattung Aus den Jahren 1647, 1800 und 1803 befinden sich einige wenige Grabdenkmäler an den Innenwänden der Kapelle. Die Empore ist von zwölf Gedächtnistafeln an Kronacher Bürger, vornehmlich Floßherren, verkleidet. Bedeutsam sind diese auf Holz gemalten Bilder aus den Jahren 1590 bis 1596 aufgrund der darauf dargestellten Trachten und Hauswappen.

Patrozinium Früher verehrten besonders Händler den Heiligen Bischof Nikolaus von Myra (Gedenktag: 6. Dezember). Das Patrozinium der Kapelle an dieser Stelle deutet darauf hin, dass sich hier einst Handelswege kreuzten. Der Gottesacker (Friedhof) für die Landbevölkerung bestand neben der Kapelle schon lange vor 1578. Ab 1797 wurden auch die Stadtbewohner nur noch auf diesem Friedhof beerdigt, der in den Jahren 1823, 1872 und 1948 jeweils erweitert wurde.