Von Jahren härtester Konsolidierung sprach Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW), als er am Montag den Haushalt für das Jahr 2018 im Stadtrat vorstellte. Seit 2005 sei der Schuldenstand von 63 auf nunmehr 31,5 Millionen Euro gesenkt worden. Für Ende 2018 geht die Stadt gar von nur noch 28,4 Millionen Euro aus. Doch trotz des Sparkurses sieht Beiergrößlein im aktuellen Haushalt einen "Startschuss für den erforderlichen Abbau des Investitionsstaus". Das Gremium pflichtete ihm bei und stimmte einmütig für das Zahlenwerk.

Weil es der Straßenausbaubeitragssatzung an den Kragen gehen soll, nimmt sich die Stadt vor, endlich ramponierte innerörtliche Verkehrswege sukzessive zu erneuern. Damit gehen die Investitionen in die unterirdische Infrastruktur einher. Zehn Millionen Euro in den nächsten vier Jahren kalkulieren die Stadtwerke für die Kanalisation und Wasserversorgung ein.


Festungsstraße ist wichtig

Ein Kernprojekt wird die Sanierung der Festungsstraße sein. Im August soll sie angegangen werden. "Allein die Kosten dieser Maßnahme liegen bei circa einer Million Euro", sagte der Bürgermeister. Und auch die Festung selbst wird wieder einen Schwerpunkt der Investitionen bilden. Weitere Bausteine auf der Seite der Investitionen sind beispielsweise die Dorferneuerung in Friesen, die Kinderbetreuungs-Angebote, das neue Feuerwehrzentrum, die Sanierung des Rathauses und der Breitbandausbau.

"Das Investitionsvolumen dieses Haushaltes ist mit 16,8 Millionen Euro das höchste seit der Bauphase der Landesgartenschau", unterstrich Beiergrößlein. In dieser Hinsicht hätten sich die Weichenstellungen durch das Gremium in den letzten Jahren positiv bemerkbar gemacht.
Das Stadtoberhaupt sagte aber auch deutlich, dass die finanzielle Lage Kronachs trotz der verbesserten Schuldensituation noch lange nicht rosig sei und weiterhin mit viel Fingerspitzengefühl und Kreativität gehandelt werden müsse.
Kämmerer Wolfgang Günther rief sehr eindringlich zur Vorsicht bei Investitionen auf. In diesem Jahr sei es noch möglich, den zu erwartenden Fehlbetrag von rund zehn Millionen Euro über ein Zwölf-Millionen-Polster im Kassenbestand zu decken. Er zeigte jedoch auf, dass in den folgenden drei Jahren ebenfalls ein Gesamtfehlbetrag von über zehn Millionen Euro droht.

Jonas Geissler (CSU) erinnerte an das Leitbild der Stadt, das in den vergangenen Jahren klar das Sparen gewesen sei. "Wir haben gelernt, aus wenig etwas zu machen", stellte er die positive Entwicklung fest. So sei in Kultur, Bildung, Kindergärten, Festung, Sicherheit und Feuerwehrwesen investiert worden, auch wenn der Groschen zweimal umgedreht werden musste. "Was jedoch deutlich zu kurz gekommen ist, waren Investitionen in Lebensqualität, Grundversorgung und Infrastruktur. Hier müssen wir ganz allmählich an den Schrauben drehen."

Die Stadt müsse sich ein neues Leitbild geben, dürfe dabei das Erlernte aber nicht über Bord werfen, forderte Geissler. Es gehe darum Wohnraum zu schaffen, Straßen zu sanieren und die Stadt wieder zu gestalten. Zu solchen Maßnahmen zählte er die Weiterentwicklung des Gartenschaugeländes, ein Wohnungsbaukonzept, die Verbesserung der Radwege-Situation oder die Arbeiten an Brücken und Plätzen.


"Solide und nachhaltig"

Den Haushalt 2018 erachtete Geissler als "solide und nachhaltig". Dieser Meinung schloss sich Ralf Völkl (SPD) an. Er erinnerte daran, dass in den vergangenen Jahren wenig investiert worden sei. Vor dem Hintergrund einer deutlich verbesserten Haushaltslage müsse die Stadt ihre neuen Handlungsspielräume nutzen, ohne jedoch in Euphorie zu verfallen.

Vier Schwerpunkte für Investitionen sieht die SPD-Fraktion: den Straßenbau im innerörtlichen Bereich, die Wirtschaftsförderung, wo die Stadt aktiver mitgestalten solle, den weiteren Ausbau des Tourismussektors sowie das Crana Mare (Modernisierung und Lösung für das Lehrschwimmbecken).

Michael Zwingmann (FW) sprach mit Blick auf die aktuelle Finanzsituation der Stadt von "ersten Früchten auf einem steinigen Weg". Die Konsolidierung habe sich gelohnt. Gerade bei der Kinderbetreuung, der Straßensanierung, der Breitbandversorgung, beim Gartenschaugelände und im Tourismus müsse Kronach künftig aktiv werden - aber weiterhin mit Augenmaß.
Martina Zwosta (FL) vermisste in den vergangenen Jahren Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger. Auch bei der Kinderbetreuung erhofft sie sich künftig Fortschritte und frische Ideen. Peter Witton (Grüne) regte an, alle Gedanken für die Entwicklung Kronachs zu bündeln. Auch ihm lagen Verbesserungen am Rad- und Gehwegenetz besonders am Herzen.