Stefan Müller und seine Mutter Reinhilde sind froh, dass ihnen Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr im Notfall schnell zu Hilfe eilen könnten. Dass haben die Einsatzkräfte am vergangenen Wochenende bewiesen. Überrascht waren die beiden Gehülzer trotzdem, als die Blaulichter am späten Abend rings um das Haus blinkten und die Brandschützer an die Tür klopften. Den vermuteten Kaminbrand gab es nämlich nicht.

"Die Feuerwehr braucht man, die ist wichtig", stellt Stefan Müller klar, den Helfern für ihr Engagement dankbar zu sein. Daran ändert der turbulente Abend mit einer vollen Hütte ebenso wenig wie die folgenden zwei Tage mit Nacharbeiten (Kaminkontrolle etc.). Auch Reinhilde Müller sagt: "Ein Fehlalarm kann immer passieren. Letztlich ist es ja besser, dass nichts passiert ist." Und vielleicht habe ein Passant bloß eine von Regen und Wind herabgedrückte Rauchwolke am Schornstein falsch gedeutet.

Keiner hat sich bei der Familie erkundigt

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Was die Müllers allerdings stutzig macht: Die Person, die den Brand gemeldet hat, hat nie bei ihnen geklingelt, sie nach dem Notruf nicht gewarnt und sich nach dem Einsatz nie bei ihnen erkundigt. War es am Ende vielleicht gar kein versehentlicher Fehlalarm, sondern vielleicht ein mutwilliger Schabernack. Stefan Müller hat sich daraufhin an die Lokalredaktion des Fränkischen Tags gewendet, um zu einem bewussten Umgang mit dem Notruf aufzurufen. "Es geht darum, dem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben", betont er. Und er möchte wissen, wie sorgsam mit eingehenden Notrufen umgegangen wird.

"Die Alarmkette geht bei einem Feuerwehr-Notruf immer über die Integrierte Leitstelle in Coburg", stellt Pressesprecher Gerhard Anders von der Polizeiinspektion Kronach fest. Das bestätigt deren Leiter, Peter Kunzelmann: "Grundsätzlich läuft in den Bereichen Feuerwehr und Rettungsdienst alles bei uns zusammen."

Die ILS kümmert sich bei einer Alarmierung darum, dass alles notwendige Personal und Material an die Einsatzstelle kommt. Da die Ausrüstungen durchaus auf verschiedene Fahrzeuge verteilt sein können, ist es Kunzelmanns Erklärung nach nicht ungewöhnlich, wenn beispielsweise auch bei einem kleineren Brandeinsatz mal zwei oder drei Feuerwehrfahrzeuge oder sogar verschiedene Feuerwehren vor Ort sind. Wer ausrückt, hängt einfach davon ab, "wer am schnellsten helfen kann". Welche Möglichkeiten die Feuerwehren haben und welche, wo am schnellsten zum Einsatz kommen können, wurde von den Wehren an die ILS gemeldet.

Seine Sorge, vielen Fehlalarmen oder gar Spaßanrufen aufzusitzen und dadurch die Helfer für wirkliche Notfälle zu blockieren, ist nicht groß. "Wenn wir vor Ort feststellen, dass nichts ist, dann werden die Kräfte sofort wieder für andere Aufgaben freigesetzt", sagt Kunzelmann. "Und so groß ist die Fehleinsatz-Häufigkeit nicht." Außerdem prüfe der zuständige Disponent der ILS, ob die eingehenden Notrufe glaubwürdig sind.

Im Zweifelsfall muss man ausrücken

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Eines ist für Kunzelmann aber in Stein gemeißelt: Wenn ein Anruf nicht klar als Unsinn ausgeschlossen werden kann, werden die Rettungskräfte ausgesandt. Es geht schließlich um Menschenleben. Nicht nur einmal sei bloß ein Feuerschein aus einem Kamin gemeldet worden, und dann habe die Feuerwehr schlafende Anwohner in höchster Not aus ihren Häusern gerettet, unterstreicht der ILS-Leiter.

Gerhard Anders schätzt die Lage genauso ein. Wenn ein Verdacht vorliegt, es könnte etwas Schlimmes passiert sein, ist ihm ein Notruf zu viel lieber als einer zu wenig. "Im Ernstfall kann es ja um Minuten und Sekunden gehen." Deshalb muss ein Anrufer bei einem versehentlichen Fehlalarm auch nicht mit Problemen rechnen.

Mutwillige falsche Notrufe sind seltene Fälle

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Anders sieht die Sache aus, wenn mutwillig ein falscher Notruf abgesetzt wird. Das ist nach Ansicht von Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger aber ein sehr seltener Fall.

Ein solcher Blödsinn kann für den "Spaßvogel" schnell teuer werden. "Dann kann eine Straftat im Raum stehen", so Anders. Die zieht natürlich eine entsprechende Strafverfolgung nach sich (siehe Infokasten). Und nicht zuletzt droht dem Übeltäter, auf den Kosten des Einsatzes sitzen zu bleiben.

Anonym bleiben solche Missetäter übrigens in den wenigsten Fällen. Peter Kunzelmann betont, dass die ILS weder die Daten des Anrufers noch die des Betroffenen an die andere Seite weitergibt. Datenschutz! Doch die Polizei kann im Zuge von Ermittlungen natürlich auf diese Angaben zurückgreifen.

"Im Regelfall kann man den Anrufer zurückverfolgen, wenn er den Notruf gewählt hat", versichert Anders. Doch nicht nur die drohenden rechtlichen Folgen sollten vor einem mutwilligen Missbrauch des Notrufs abschrecken, sondern auch der gesunde Menschenverstand. Denn was ist, wenn wirklich jemand bei einem Notfall stirbt, weil die Helfer zeitgleich einem Streich aufsitzen? "Da muss man immer ans eigene Gewissen denken", stellt Anders fest.