Vor etwas mehr als einem Jahr hat Allgemeinmediziner Ulrich Voit eine Filialpraxis in Wallenfels eröffnet. Diesen Schritt hat er bis heute nicht bereut: "Ich wurde gut aufgenommen und freue mich jeden Tag, wenn es losgeht. Die Wallenfelser sind lebenslustig; es geht hier sehr familiär zu."

Eine Filialpraxis ist heutzutage sicher nichts mehr Außergewöhnliches. Wie diese allerdings zu Stande kam, liegt fernab jeglicher Tagesordnung. "Wir haben 116.000 Euro investiert, um im Kulturzentrum Räume für eine Praxis zu schaffen", betont Bürgermeister Peter Hänel, der für die Finanzierung sogar Investoren mit ins Boot geholt hat. "Wir wollten mit den Räumen einem Arzt einen Anreiz geben, sich nicht verschulden zu müssen.
Auf diese Weise sind die Kosten überschaubar."

Mit der Filial-Lösung durch Ulrich Voit, der die Praxis nicht ganztägig betreibt, kann der Bürgermeister gut leben - ebenso mit den örtlichen Gegebenheiten. Denn ursprünglich wollte die Stadt ein Haus herrichten, in dem früher einmal die Schmidt-Bank war: "Da haben wir uns fast verrannt. Die Kosten wären einfach zu hoch gewesen", verdeutlicht der Bürgermeister.

Positive Rückmeldung

Und tatsächlich ermöglicht das städtische Engagement Ulrich Voit einen wirtschaftlichen Betrieb der Praxis, was die Zahlen aus dem ersten Quartal dieses Jahres belegen. In diesem Zeitraum wurden laut Voit in der Praxis 15 000 Euro umgesetzt. "Das sind 5000 Euro pro Monat. Dem stehen Kosten in Höhe von 3750 Euro gegenüber", betont der Mediziner und verweist auf Ausgaben unter anderem für Personal, Miete oder auch Versicherung. "Für die ärztlichen Leistungen bleiben vor Steuern also 1250 Euro übrig", erklärt Voit die Notwendigkeit eines positiven Ergebnisses. "Die Zahlen zeigen, dass eine Praxis als Nebenbetrieb möglich ist und in Wallenfels ein Bedarf besteht." Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien jedenfalls positiv: "Ich denke schon, die Bevölkerung freut sich, dass wir da sind." Vom Umfang her sei der Betrieb aktuell gut aufrecht zu erhalten. "Tendenziell wird es aber mehr", betont der Mediziner, der momentan in einem Quartal rund 300 Patienten abrechnet.

Dabei spricht er von einer magischen Grenze, um tatsächlich wirtschaftlich arbeiten zu können. Bereits bei 400 Patienten sei jedoch die Schmerzgrenze erreicht, um eine Filialpraxis in dieser Größe betreiben zu können. "Dann müsste ich mir einen Partner suchen", verdeutlicht Voit, der dabei einen konkreten Gedanken hat. "Aber das ist Zukunftsmusik."

Zukunftslösung

Schon vor Jahren hat der 59-Jährige den aufkommenden Ärztemangel auf dem Land angesprochen. Der Stadt Wallenfels selbst stand er in der Diskussion um die ärztliche Versorgung beratend zur Seite. Als der Bürgermeister im November 2010 anrief und ihm mitteilte, einer der beiden in der Flößerstadt praktizierenden Mediziner habe seine Praxis geschlossen, musste sich Voit nicht lange bitten lassen. "Wenn ich schon Ratschläge gebe, dann kann ich nicht einfach nein sagen", betont er seine Beweggründe. Die Filialpraxis im Allgemeinen erachtet er durchaus als Zukunftslösung. "Man muss sich nur einmal in der Fachpresse umsehen. Das macht immer mehr Schule."

Auch deshalb bereitet es Ulrich Voit keine Probleme, sich jeden Tag in der Füh ins Auto zu setzen, um von Schwarzenbach am Wald aus nach Wallenfels zu fahren. Mittwochs und freitags macht er dies sogar zweimal, weil er zwischendurch noch Patienten in Schwarzenbach betreut. Dennoch nimmt er diesen Aufwand gerne in Kauf: "Ich fühle mich in Wallenfels sehr wohl. Das macht mir hier richtig Spaß."