Pulsmessen, Pflaster, Verbände und das Verarzten von geliebten Kuscheltieren stand am Mittwochabend auf der Tagesordnung der Helios-Frankenwaldklinik in Kronach. Neben einem informativen Vortrag für Eltern, ging es vor allem auch darum, Kindern die Veranstaltung schmackhaft zu machen. Eine große Feuerwehrleiter vor dem Krankenhaus ermöglichte windige Höhenflüge und der Besuch eines echtes Krankenwagens stellte die Arbeit im Rettungsdienst vor.

Immer wieder kommt es zu Unfällen oder Erkrankungen, die nicht selten von einem Arzt untersucht und behandelt werden müssen. Die Notfallambulanz der Helios-Frankenwaldklinik bietet ein breites Spektrum an Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten an, um Kindern schnell und kompetent helfen zu können. Die Veranstaltungsreihe "Kindernotfälle" soll vorstellen und erläutern, wie in Notfällen richtig zu reagieren ist.

Chefarzt Frank Fischer präsentierte interessante Informationen zu den häufigsten Erkrankungen und gab Tipps zum Umgang mit Kinderbauchschmerzen. Nach dem Informationsteil für die Eltern, kamen auch die Kinder nicht zu kurz. Vor dem Eingang der Helios-Frankenwaldklinik stand ein Feuerwehrauto und ein Rettungswagen bereits in den Startlöchern, um den Kindern erste Erfahrung mit ärztlicher Versorgung zu vermitteln: "Ich möchte gerne Feuerwehr und BRK in den Vordergrund stellen. Das Krankenhaus ist nicht allein für die Versorgung da.

Die Kinder sollen das Netzwerk mit Notarztstandorten und den Menschen dahinter kennen lernen", erklärt Dr. med. Justyna Swol, Chefärztin der Intensiv- und Notfallmedizin und Initiatorin der Veranstaltungsreihe "Kindernotfälle", die die Initiative auch in Zukunft weiterverfolgen und etablieren möchte. Dahinter steckt vor allem die Idee, Ängste der Heranwachsendens abzubauen: "Kinder können ihre Teddys mitbringen und zur Behandlung abgeben."


Schmerzensüberblick

"Wann ist es gefährlich für den Bauch?", stellte Dr. med. Frank Fischer, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Leitfrage seines Vortrages am Mittwochabend. Zum Einstieg führte er seinen Zuhörern verschiedenste Kinderbauchschmerzen ausführlich und anschaulich in einer Präsentation vor, um zunächst einen Überblick über mögliche Erkrankungen zu geben. "Bauchtrauma, Blähbauch, Blinddarm oder Invagination können die Gründe von Kinderbauchschmerzen sein", zählt Frank Fischer auf.

Zwar gebe es in verschiedenen Altersstufen unterschiedliche Erkrankungen, im Großteil der Fälle handle es sich jedoch immer um dieselbe Ursache: "Über 50 Prozent sind Blinddarmentzündungen", erklärt der Arzt und fügt hinzu, dass die operativen Techniken mittlerweile so gut seien, dass ein Kind für eine Behandlung nur zwischen zwei und vier Tagen im Krankenhaus bleiben müsse. Außerdem kann er seine elterliche Zuhörerschaft beruhigen: "Kinder sind heutzutage hervorragend untersucht und die operativen Techniken sind sehr gut."

Was aber, wenn der Arztbesuch keinen Aufschluss über die Bauchschmerzen des Kindes bringt? "90 Prozent aller Kinderbauchschmerzen haben keine organische Ursache", erklärt Frank Fischer und fügt hinzu, dass es sich dabei nicht immer um eine Erkrankung handeln müsse- im Gegenteil: Gefühlsstörungen, seelische Bedürfnisse, mangelnde Zuwendung, Unruhe der Eltern oder Hunger können die einfachsten Gründe sein: "Es muss nicht immer ein großer Fall sein. Man kann versuchen, ein weinendes Baby mit viel Zuneigung oder beispielsweise mit feuchter Wärme zu beruhigen wenn das nicht hilft, sollte ein Arzt zur Vorsorge aufgesucht werden." Und eine abklärende Untersuchung hilft nicht nur dem Kind, sondern auch den aufgeregten Eltern: "Meistens wird nichts Organisches gefunden. Allein Zuversicht und Ruhe können dem Kind helfen."