Spannung, Vorfreude und ein Hauch Ungewissheit liegen in der Luft. Schließlich bleiben nur drei Wochenenden Zeit, um die neue Werkbühne im Dreefs zu etablieren und damit einen Neustart für viele weitere Jahre Theatertradition im Landkreis Kronach zu schaffen.

Die Premierenvorstellung am Freitagabend war mit 150 Besuchern ausverkauft. Und für die Aftershowparty hielten die Veranstalter Live-Musik mit dem "Blue Moon Swingtett" bereit.


"Wir wollen weiter machen"


"Die Werkbühne ist ins neue Dreefs umgezogen", eröffnete Daniel Leistner die Galapremiere in der neuen Location. Der ehemalige Intendant der Faust-Festspielean erinnerte an die älteste Theater-Tradition in Kronach. Nicht nur 20 Jahre Faust-Festspiele, sondern über 30 Jahre Theater seien für den Landkreis bedeutend gewesen: "Die Werkbühne gibt es schon seit 1979, und seit den 1980er-Jahren wurde sie zu einem lebendigen Kulturelement," erklärte Leistner und: "Wir wollen weiter machen."

"Das Café Kitsch stellt uns die Location zur Verfügung und Bürgermeister Norbert Gräbner hat uns in Marktrodach aufgenommen", bedankte sich der 51-Jährige. Es gebe also noch zwei Bürgermeister im Landkreis, bei denen er eine Arbeitserlaubnis habe. Gräbner selbst zeigte sich begeistert über den Neustart in Marktrodach: "Ich freue mich über die Bereicherung der Werkbühne und auch darüber, dass diese nun endlich ihren Bestimmungsort in einem richtigen Werk gefunden hat."

Das mittelalterliche Fastnachtsspiel "Die Hammelkomödie" zeigte den Wettstreit zwischen Geldgier und Gerechtigkeit. Die turbulente Komödie um einen betrogenen Betrüger amüsierte das Premierenpublikum prächtig. Die Geschichte handelt von dem Anwalt Peter Patelin, der sich erfolgreich durchs Leben gaunert. Als er auf dem Markt Tuchhändler Joseph Jockel in eines seiner hinterlistigen Geschäfte verwickeln will, kommt die Komödie so richtig in Fahrt. Denn Patelin lässt sich die unglaublichsten Ausreden einfallen, um den Tuchhändler zu betrügen und nicht bezahlen zu müssen. Er überrumpelt Joseph Jockel, haut ihn übers Ohr, schnappt sich den Stoff und lädt den Geschäftsmann ein, die Bezahlung mit einem leckeren Essen zu verbinden.


Verwirrter Richter


Als der Tuchhändler schließlich wütend bei Peter Patelin das geschuldete Geld einfordert, gibt dieser vor, schwer krank zu sein. Mit Ehefrau Josephine gelingt es dem Anwalt, den Tuchhändler in die Irre zu treiben. Doch der geizige Jockel hat noch ein zweites Problem: Hannes Hammel, gegen den er sogar vor Gericht zieht. Ausgerechnet Meisteranwalt Peter Patelin übernimmt die Verteidigung. Er instruiert die Hammels sich stets doof zu stellen und bei jeder Frage wie die Schafe zu blöken. Der Richter ist mehr als verwirrt.

Herausragend zeigte sich vor allem Dominicus Ludwig als Peter Patelin. Facettenreich und charakterstark verwickelte er das Publikum im Handumdrehen in seine Lügengeschichten. Der Kronacher spielte und tanzte ausdrucksstark und überzeugend. Mit seiner Ehefrau Josephine, gespielt von Caroline Horn, gelang es ihm, Joseph Jockel (Julia Knauer) in den Wahnsinn zu treiben. Einen Überraschungseffekt mit Lachfaktor hielt außerdem die Familie Hammel bereit. Rainer Gräbner in der Rolle des Hannes Hammels begeisterte mit knappen Beiträgen in fränkischem Dialekt, die treffend die brisanten Momente unterstrichen.

Nachdem der Kronacher Werkbühne im Herbst durch die Einstellung der Faust-Festspiele der Bühnenboden wortwörtlich weggezogen worden war, will das Ensemble mit Daniel Leistner in Marktrodach neu Fuß fassen. Der Applaus und der Jubel des Publikums ließen auf einen erfolgreichen Neustart schließen.


"Mit Schmackes"


"Niveauvolle Unterhaltung mit Schmackes", fasste Sonja Welsch vom Café Kitsch am Ende zusammen und freut sich über den Erfolg der Komödie. Diese sei deshalb auf großen Zuspruch gestoßen, weil Daniel Leistner sich dabei selbst treu geblieben sei. "Deshalb funktioniert es. Es war richtig kurzweilig und man geht mit einem schönen Gefühl heraus. Caroline Horn ist mein persönlicher Favorit", freute sich Sonja Welsch und erklärte, dass die Werkbühnenzeit im April ideal sei: "In diesem Monat haben wir keine weiteren Veranstaltungen."
Auch unter den Ehrengästen war die Resonanz durchwegs positiv. Timo Erhardt, Bürgermeister von Ludwigsstadt, gefielen vor allem das schöne Ambiente, die gute Stimmung und die Einbeziehung des Publikums: "Das war die beste Werkbühne, die ich je gesehen habe."

Auch Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner zeigte sich überaus zufrieden: "Es war ein sehr lebendiges Stück. Mir hat es super gefallen", lobte er die gute Atmosphäre und stellte fest, dass die Werkbühne im Dreefs am richtigen Ort sei.

Als Jurist begeisterte sich Bürgermeister Jens Korn aus Wallenfells: "Mir hat besonders die Spielfreude der Schauspieler gefallen. Es war wie immer super unterhaltsam und witzig."

Für Daniel Leistner war die erfolgreiche Premiere ein kleines Geburtstagsgeschenk. "Ich bin zufrieden und erleichtert, dass alles geklappt hat." Für nächstes Jahr habe er bereits das nächste Werkbühnenstück in petto: Man werde "Charleys Tante" im Dreefs spielen, verriet er.